Gelebte Spiritualität

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ – die spirituelle Praxis ist keine Weltflucht, sondern wird im Alltag erprobt und bestätigt. Erfahrene geistige Lehrer und Praktizierende schreiben über bewährte Wege und Methoden zur Klärung und Entfaltung des Bewusstseins.

Es gab so viel zu tun, es ist so viel passiert. „Wo ist die Zeit bloß hin?“, wundern wir uns, wenn das Jahr, kaum begonnen, sich schon wieder dem Ende zu neigt. Im Eiltempo haben wir Monat für Monat, Tag für Tag unsere beruflichen Aufgaben erfüllt, uns um Familie und Freunde gekümmert, Termine geplant und eingehalten. Schlag auf Schlag kamen Großereignisse hinzu, die die Welt von Grund auf verändert haben. Vergeht heute im 21. Jahrhundert die Zeit schneller als früher?
Was muss geschehen, um aus den aktuellen Krisen herauszukommen? Paul Kohtes antwortet in einem Interview mit Nadja Rosmann undChristian Salvesen auf aktuelle Fragen.
„Das kontemplative Leben muss uns einen Raum der Stille zur Verfügung stellen. Es sollte eine neue Erfahrung der Zeit erzeugen: unsere eigene Zeit, die nicht vom Ego und seinen Forderungen beherrscht ist.“ (Thomas Merton)
„Wer suchet, der findet.“ Gilt das auch für die Suche nach einem Meister? Die einen suchen und finden, andere suchen nicht und werden doch gefunden. Wie ist das zu erklären?
„Die leisen Lehrer sind überall: In einem wachen Augenblick kann uns eine kleine alltägliche Begebenheit von Grund auf verändern. Dann spiegeln sich darin das Wesen und die Weisheit des ganzen Lebens.“ (Mark Nepo)
Wir leben zweifelsohne in stürmischen Zeiten. Rasch aufeinanderfolgende Veränderungen und Umbrüche beanspruchen nicht nur unseren inneren Orientierungssinn, sondern auch unser Selbstvertrauen. Aber woher den Mut nehmen, um neues Terrain zu betreten?
Unsere Welt ist unüberschaubar und unberechenbar geworden. Die Verunsicherung durch rapide Veränderungen, Katastrophen- und Krisenmeldungen wächst und stellt uns vor die Frage: Lassen wir uns von der Angst beherrschen oder können wir unsere Angst überwinden und gestärkt aus ihr hervorgehen?
„Wo es um die höchste Wahrheit geht – Gott und unsere Seele –, sollte der gleiche Maßstab der Überprüfbarkeit gelten wie in der Wissenschaft. Auch Jesus hielt seine Zuhörer an, seine Worte im Licht der eigenen Erfahrung zu bezeugen.“ (Soami Divyanand )
Ständig hören wir von Finanzkrise, Schuldenkrise, Eurokrise, Klimakrise und viel Schlimmem mehr. Doch wir können zur positiven Veränderung beitragen, sagt der Arzt und Bestsellerautor Dr. Ruediger Dahlke im VISIONEN Interview.
„Der Gottverwirklichte genießt Gott in sich und fühlt sich nicht berufen, in die Angelegenheiten der Welt einzugreifen. Erst im Vollkommenen Meister wird die Fülle des Göttlichen auch aktiv zum Ausdruck gebracht.“ (Meher Baba)
„Nach der kontemplativen Schau des göttlichen Selbst (vgl. Teil 1) und dem Säen und Hüten der Geistessaat folgen nun die nächsten Stufen der spirituellen Einweihung: der Kampf mit den Widersachermächten und der Gewinn der Ganzheit.“ (Maximilian Y. Schäfer)
Sich ohne Eigeninteresse für das Wohl anderer einzusetzen, kommt nicht nur der Gemeinschaft zugute, sondern bereichert auch den Helfer in vielfältiger Form. Dr. A. T. Ariyaratne und die von ihm ins Leben gerufene gemeinnützige Organisation Sarvodaya Shramadana auf Sri Lanka liefern hierfür den überzeugenden Beweis.
Die Entwicklung von wahrem, unbegrenztem Mitgefühl steht neben dem Erlangen reiner Weisheit im Mittelpunkt der buddhistischen Lehre und Praxis. In dieser Unterweisung erklärt der tibetische Meditationsmeister Gendün Rinpoche, wie die Grundlagen des Mitgefühls geschaffen und gefestigt werden können.
Nicht erst in der Moderne, sondern schon seit Jahrtausenden treibt die Sehnsucht nach dem „idealen“ Lebenspartner die Menschen um. Doch wahre Liebe ist universell, umfassend und kennt keine Einschränkungen. Keith Sherwood geht in seinem Beitrag dem romantischen Konzept der Seelenverwandtschaft und Liebe zwischen so genannten Dualseelen auf den Grund.
„Religion ist nicht nur Glaube und äußere Form, sondern eine Erfahrung der eigenen Seele. Ein Christus ist den meisten Christen dort noch nie begegnet. Um seiner hohen Aufgabe der Menschenbildung zu genügen, muss das Christentum daher wieder von vorn beginnen.“ (C.G. Jung)
„Die Sprache der heiligen Schriften ist eine Art Geheimcode. Der Schlüssel dazu ist die eigene mystische Erfahrung. Deutungsversuche auf anderer Grundlage gehen naturgemäß fehl. Ein Beispiel dafür ist die Lehre von der Jungfräulichkeit Mariens.“ (Soami Divyanand)
„Der Eisenhans führte den Prinzen zu einem Brunnen mit goldenem Wasser. Den sollte er rein halten. Dieses Sinnbild steht für die Stufe der spirituellen Entwicklung, auf der man sich im Spiegel des eigenen Seelengrundes seiner göttlichen Natur bewusst wird.“ (Maximilian Y. Schäfer)
Grazie ist dem Wortsinn nach eine göttliche Gnadegabe. Sie zeigt sich nur in ichlosem Handeln: wo (noch) kein Ich-Bewusstsein vorhanden ist – oder wo es bereits überwunden ist: in einem gottverwirklichten Menschen. Das zeigt das Gleichnis vom Bären aus Heinrich von Kleists „Über das Marionettentheater“.
„Gott hört die schwachen Schreie einer Ameise schneller als das laute Trompeten eines Elefanten. Wir müssen also beim Beten keine großen Worte machen, ein aufrichtiges Sehnen im Herzen genügt.“
Die wohl bekannteste Blütentherapie wurde vom englischen Arzt Edward Bach entwickelt. Neu war sein Ansatz zwar nicht, denn schon lange vor ihm verwendeten alte Kulturen die Heilenergie der Pflanzen. Dennoch gilt Bach als Pionier der modernen Blütentherapie. Heutzutage kommen Blütenessenzen aus allen Teilen der Welt. Ein Einblick in das Angebot lohnt sich, denn kalifornische, australische oder einheimische Essenzen erweitern die Einsatzmöglichkeiten der Blütentherapie und ergänzen das Bach’sche System.
Wie können wir unsere Herzen füreinander öffnen und uns miteinander verbinden, für das große Ganze einstehen und dabei ganz wir selbst bleiben? Theoretisch ausgeklügelte Weltbilder und Gottesvorstellungen helfen hier nicht weiter…
Der diplomierte Psychologe Christian Meyer weiß aus eigener Erfahrung, dass spirituelles Erwachen unmittelbar mit dem Tod des Ich zu tun hat. Seit über zehn Jahren lehrt er, wie man die Angst davor zulassen und sich in sie hinein sinken lassen kann.
Wenn Heilige zu Tische bitten, geht es um mehr als um geselliges Beisammensein bei Speis’ und Trank. So auch bei Franz und Klara von Assisi, dem großen spirituellen Freundespaar aus der christlich-mystischen Tradition.
„Geld spielt in der wahren Spiritualität nur eine sehr geringe Rolle. Aber die Art und Weise, wie jemand mit Geld umgeht, kann ein wichtiger Hinweis darauf sein, wie aufrichtig er nach Gott strebt.“ (Soami Divyanand)
Faulheit ist ein verbreiteter menschlicher Zug. Leider behindert sie die Energie der Wachheit und unterminiert unser Zutrauen und unsere Stärke. Es gibt drei Arten von Faulheit: der Hang zur Bequemlichkeit, den Mut verlieren und „Scheißegal!“. Das sind drei Weisen, in lähmenden Gewohnheitsmustern steckenzubleiben. Wenn wir diese Muster mit Neugier erforschen, können wir ihre Macht auflösen.
Was wir essen und wie wir essen, hat einen sehr weitreichenden Einfluss auf unseren Geist und seine Aktivitäten. Durch eine entsprechende Ernährung und Lebensweise kann man nicht nur psychische Störungen lindern und heilen, sondern den Geist für höhere Bewusstseinszustände vorbereiten. Deshalb wird Meditierenden oft geraten, sich „sattvisch“ zu ernähren. Was damit gemeint ist, erklärt der weltbekannte Ayurvedaund Yoga-Experte David Frawley.
Mens sana in corpore sano, wünschten die Römer jedem Neugeborenen: einen gesunden Geist in einem gesunden Körper. Wir müssen sowohl den Körper als auch den Geist gesund erhalten, damit wir beide als Werkzeug für den spirituellen Fortschritt gebrauchen können. Die Ernährung spielt hierbei eine Schlüsselrolle.
„Kommt es eigentlich oft vor, dass Ehepaare, Eltern und Kinder auch schon in früheren Leben zusammen waren? Treffen wir auch anderealte karmische Bekannte wieder? Und geschieht dies nur einmal oder immer wieder?“
Eine gute Bildung und Erziehung sind unerlässlich, um als vollwertiges Mitglied einer Gesellschaft zu gelten, sich in ihr wohl zu fühlen und siemitzutragen. Was ändert sich daran durch die spirituelle Schulung?
Pir Zia Inayat Khan, Oberhaupt des Internationalen Sufi Ordens, erklärt in diesem Beitrag das Entstehen der Ritterorden im Orient sowie die Grundhaltung und das Streben des spirituellen Ritters.
Während des irdischen Daseins bilden Geist und Körper offensichtlich eine Einheit. Doch gilt das auch im Glaubensleben und in derspirituellen Praxis?
In den Weisheitsgeschichten der Welt treten immer wieder Tiere und mythisch-mystische Wesen auf, die Erkenntnis- Suchern die Augen für neue Einsichten öffnen. So auch hier.
Unsere Emotionen haben einen weitreichenden Einfluss auf alle Bereiche unseres Lebens. Vergiftete Emotionen brauchen unsere Zuwendung, damit sie geklärt und durch Liebe und Freude geheilt werden und nicht länger unser spirituelles Wesen behindern. Gita Saraydarian erklärt die „Göttliche Chemie“ der Freude.
Am 30. April 2011 war der weltbekannte Mediziner und Autor nach 10 Jahren wieder in Deutschland. Über 2000 Menschen lauschten seinem geistig anspruchsvollen Vortrag. ChristianSalvesen gibt einige Eindrücke wieder.
Durch die intensive Auseinandersetzung mit Tantra konnte Monika Müller eine lebensbedrohliche Darm-Erkrankung überwinden. Nach dieser Erfahrung machte sie sich auf den Weg zu den Wurzeln und der Wirkungsweise des Tantra. Über ihre Erfahrungen sprach sie mit Doris Iding im folgenden Interview.
Alle Heilungsprozesse spiegeln sich in Träumen. Indem man die Träume eines Menschen beobachtet, kann man den Heilprozess nachvollziehen und regulieren. Frank Lorentzen, Autor dieses Beitrags, arbeitet als Heiler seit 27 Jahren mit Träumen.
„Der Weg der Wünsche ist einer von zwei grundlegenden Wegen zur Erlösung. Wenn alle Wünsche restlos erfüllt sind, sei es in der äußeren Wirklichkeit oder in der Meditation, erreicht der Mensch den Zustand der Vollendung.“
„Kümmert euch nicht um den spirituellen Fortschritt anderer Leute, sondern um eure eigene Entwicklung. Dann strahlt euer leuchtendes Beispiel von selbst auf andere aus. Das ist der größte Dienst, den ihr euch und der Welt erweisen könnt.“
Jeder kann meditieren – es sind keine besonderen Talente oder Vorkenntnisse nötig. Sharon Salzberg, international bekannte buddhistische Meditationslehrerin, vermittelt in einem neuen Buch alles, was man dazu wissen und erfahren muss.
Muss ein spirituell gesinnter Mensch sich alles gefallen lassen, um andere nicht zu verletzen? Hier ist weder der zahnlose Tiger gefragt noch die wilde Bestie, sondern der weise Mittelweg: Zähne zeigen, aber nicht an- und zubeißen...
Viele Jahre leitete Alex erfolgreich eine Karateschule in München. Dann erlitt er einen Hirnschlag. Er realisierte, was wirklich zählt. Christian Salvesen sprach mit dem jungen Satsang-Lehrer, der in letzter Zeit sehr gefragt ist.
Das Wünschen hat seinem Wesen nach kein Ende, denn die Möglichkeiten im irdischen Spiel- und Lernfeld sind grenzenlos. Aber das Wünschen macht nicht glücklich – zu sehr wird uns dabei unsere Bedürftigkeit bewusst, denn der Fokus richtet sich auf die Mängel in unserem Leben. Dabei übersehen wir allzu leicht die vielen guten Dinge, die das Leben uns bereits beschert hat.
„Alles, was wir tun, zieht immer neue Wünsche und weltliche Bindungen nach sich. Damit wir wunschlos werden und zu Gott heimkehren können, erfüllen die Meister des inneren Pfades unsere Wünsche so, dass wir auch spirituell davon profitieren.“
„Willst du für dich etwas von Gott, machst du aus ihm eine Kerze, damit du besser suchen kannst. Und hast du es gefunden, wirfst du die Kerze weg. Dabei suchst du ein Nichts, und darum findest du ein Nichts.“
Wenn „Mäuse“ und Gewinnstreben ins Spiel kommen, geraten spirituelle Ziele leicht aus dem Blick und in Gefahr, zur Wunscherfüllung verzweckt zu werden.
Er ist ein engagierter und streitbarer Mann: Matthew Fox, 1940 geboren, ehemaliger Dominikanermönch und Theologe, den Thomas Berry als den „kreativsten, umfassendst denkenden und sicherlich herausforderndsten spirituellen Lehrer Amerikas“ bezeichnete. 34 Jahre lang war Fox Mitglied des Dominikaner- Ordens, bis er vom damaligen Kardinal Ratzinger Redeverbot erhielt und schließlich aus dem Orden ausgeschlossen wurde. Seine erdverbundene Theologie führte ihn sowohl zur Gründung der University of Creation Spirituality, an der er gemeinsam mit dem Physiker Brian Swimme lehrte, als auch zur Zusammenarbeit mit dem Biologen Rupert Sheldrake, mit dem zusammen er die menschliche Seele als morphisches Feld erforschte. In seinem neuesten Buch Die verborgene Spiritualität des Mannes identifiziert er einen Großteil der Krise unserer Welt als Krise der Männlichkeit, die von einem falschen Männer-Bild einer Herrscher- Kultur überführt werden müsse in die wirklich...
Ob und wie Gedanken die Welt bestimmen, ist eine heute viel diskutierte Frage. Daniel Herbst reflektiert über die Möglichkeit der Veränderung und den Raum jenseits der Gedanken.
Je weiter wir in die Vergangenheit zurückschauen, desto deutlicher wird, wie tief die Wurzeln weiblicher Spiritualität reichen und auf welche Weise Frauen von ihnen abgeschnitten wurden. Es ist Zeit, sich wieder mit ihnen zu verbinden.
Laut Aussage aller Kabbalisten sind die verborgenen Tage der Kabbala vorbei. Schon vor 2000 Jahren sagten die bedeutendsten Kabbalisten voraus, dass unsere Generation so weit ist, die wahre Bedeutung der Kabbala zu verstehen, und dass sie für jeden, der sie erlernen möchte, geöffnet wird: Männer, Frauen, Kinder, ohne jede Einschränkung von Kultur, Religion und Nationen.
Wir sind alle Wanderseelen auf dem Weg zu Gott. Doch auch unser Umfeld ist voll verirrter „Seelenfunken“, die wir miterlösen sollen – indem wir „unsere Tiere, Geräte und Speisen in Heiligkeit hegen und genießen“ und die „gefallenen“ Gottesfunken in uns und anderen erheben.
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