BUDDHA FÜR TEENS
Franz Metcalf, Theologe und buddhistischer Lehrer, gibt Orientierungshilfen für eine schwierige Lebensphase
Selbstständiges Denken
Ob du nun bestimmte Dinge im Fernsehen, von deinen Eltern oder deiner Freundin oder deinem Freund erfährst – du darfst sie nicht einfach glauben. Was nun? Denke! Denke selbstständig!
Dies ist das vielleicht wichtigste Zitat aus allen buddhistischen Schriften:
„Geht nicht nach dem Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters! Wenn ihr aber selbst erkennt: „Diese Dinge sind heilsam, sind untadelig, werden von den Verständigen gepriesen, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Segen und Wohl“, dann mögt ihr sie euch zu Eigen machen“. (Anguttara-Nikaya)
In diesen berühmten Zeilen aus der Kalama- Sutta sagt der Buddha: Probier es aus. Stell fest, ob es funktioniert. Erst dann wirst du wirklich wissen, ob du dabei bleiben willst. Der Buddha spricht hier zwar über spirituelle Lehren, aber sein Rat lässt sich auch auf alle Glaubensformen anwenden. Glaube nichts einfach so, aus den üblichen Gründen („weil es immer schon so gewesen ist“, „weil Gott es befiehlt“ oder „weil ich es sage“). Glaube es, weil es für dich funktioniert
Aber wie stellst du fest, ob etwas für dich funktioniert? Will der Buddha sagen: „Was auch immer für dich funktioniert, ist gut – geh deinen eigenen Weg“? Die Leute (auch ich, wie ich zugebe) benutzen dieses Sutta manchmal als Ausrede für ihre nachlässige Lebensweise. Wir nehmen uns das, was uns gefällt – von Religionen, Lehrern, Politkern, Diäten, Freunden, was auch immer. Den Rest lehnen wir dann ab und sagen: „Ich hab’s probiert, und ich mag es nicht.“ Wir können aber auch sagen: „He, der Buddha hat doch gesagt: ‘ Stell es selbst fest’, ob es dich glücklich macht. Tja, der Teil, der besagt, dass man keine Drogen nehmen soll, passt mir nicht, also pfeif ich drauf.“ Och, nö.
Ich will das mal klarstellen: Der Buddha hat nicht gesagt: „…was immer dich antörnt.“ Der Buddha hat gesagt, du sollst sorgfältig prüfen, ob irgendeine Lehre oder Autorität, Praxis oder Glaubensform dich geschickt, untadelig, weise, gut und glücklich macht. Wenn dies der Fall ist, dann folge ihr. Das ist etwas völlig anderes als „was immer dich antörnt“. Der Buddha sagt, ein hemmungsloses Vergnügen sei kein echtes Glück, und mit Sicherheit ist es nicht untadelig, weise oder geschickt. Echtes Glück entsteht, wenn du die ganze Liste guter Dinge bist, die er erwähnt. Es ist ein Gleichgewicht von positiven Gedanken und Handlungen, das sich leichter einstellt, wenn du den richtigen Dreh raus hast. Es ist der Pfad, die Praxis, der Mittlere Weg.
Angst
Als Kind, ja noch auf dem College glaubte ich, die Welt würde bald von einem Atomkrieg vernichtet werden. Ich sah in meinen Alpträumen Bomben fallen und glaubte echt nicht, ich würde jemals erwachsen werden. Diese Gefahr ist zwar geringer geworden, aber neue Bedrohungen sind an ihre Stelle getreten.
Heute haben Teens Angst vor Terroristen oder davor, von Unbekannten oder gar von ihren Mitschülern erschossen zu werden. Jede Generation hat ihre eigenen Dämonen. Vielleicht hast du den Eindruck, die Angst vor diesen Dingen wirke sich direkt auf dein Leben aus. Anscheinend lauert im Hintergrund immer die Angst, die deiner Gegenwart die Freude und deiner Zukunft die Hoffnung nehmen kann.
Der Buddhismus erinnert uns daran, dass eine derartige generelle Angst sinnlos ist. Sie führt nicht zu mehr Sicherheit – stattdessen fügt sie mehr Duhkha (Leiden) hinzu. Ängste sind wie die Fragen, die, wie der Buddha sagte, nicht zu Glück, Erwachen oder Nirvana führen. Ihnen nachzugehen ist komplette Zeitverschwendung. Warum fahren wir dann damit fort? Weil diese Ängste und Fragen Möglichkeiten sind zu vermeiden, dass wir uns mit Dingen befassen, an denen wir wirklich etwas ändern können - aber nicht wollen.
Nimm die Energie, die du darauf verwendest, dir Sorgen wegen deiner Ängste zu machen, und verwende sie darauf, in dein Inneres zu schauen. Lass diese vagen Sorgen los, und befass dich energisch mit dem, was du in deinem Leben verändern kannst: Dinge in dir. Wenn du die Verantwortung für das Innere übernimmst, erkennst du, dass äußere Faktoren weniger wichtig sind. Vielleicht stellst du dann fest, dass, wenn du dich Erkenntnissen über dich – insbesondere kritischen Erkenntnissen – öffnest, deine äußeren Ängste verblassen.
Besitz
Besitz ist großartig, daran ist nichts falsch. Aber Besitz macht dich nicht cool und kann dich in eine Falle locken. Was nützen dir CDs oder coole Schuhe, wenn du wie ein Fisch im Schlamm herumzappelst? Sie werden dir überhaupt nicht helfen.
Im Moment stirbst du nicht – du wurdest gerade erst geboren. Darfst du deinen Besitz jetzt genießen? Sicher, genieße ihn. Nur hechle nicht hinter ihm her. Du magst deine Schuhe? Dann trage sie! Du magst deine CDs? Dann spiele sie ab! Der Buddha sagt “Ja” dazu. Doch dass du sie besitzt, ist nur ein Traum, weil alle Dinge wie Träume vergehen. Du kannst nach ihnen greifen, aber du kannst sie nicht festhalten. Dein Leben ist wie eine Reihe kleiner Träume, die kommen und gehen. Deine Besitztümer sind Traum-Dinge ohne Substanz. Wenn du aus einem Traum erwachst, versuchst du ja auch nicht, Traum- Dinge festzuhalten. Du bist erwacht. Geh weiter.
Gruppendruck
In Gruppen finden wir Unterstützung dafür, anders als unsere Eltern zu werden und uns selbst zu entdecken. Gruppensolidarität gibt uns Kraft. Sie kann aber auch der übrigen Gruppe Kraft geben, uns unter Druck zu setzen. Was kann man gegen schlechten Gruppendruck tun?
Im Dhammapada heißt es: „Wer einen Wanderfreund vermisst, Der gleich ihm oder besser ist, Geh festen Schritts den Weg allein, Ein Tor soll nicht Geselle sein.“
Gleichaltrige sind deine besten Freunde und deine schlimmsten Feinde. Nicht Menschen, die dich hassen und bekämpfen werden dich wahrscheinlich verderben, sondern schlechte Partner und Freunde. Wenn deine Gruppe dich unter Druck setzt, damit du weniger bist, als du bist, musst du dich vielleicht entscheiden, ob du mit ihr zusammen oder lieber allein sein willst. Das kann eine einsame Entscheidung sein, doch du kannst sie nicht vermeiden. Du wirst diese Entscheidung dein ganzes weiteres Leben lang treffen müssen. Fühl dich nicht zu schlecht dabei – je weniger du mit Narren zusammen bist, desto weniger Narren wirst du begegnen. Wenn du dem Gruppendruck den Rücken kehrst, stärkst du dich selbst und deine eigenen Fähigkeiten. Wenn du weiterhin starke Entscheidungen triffst, werden sie dir leichter fallen.

