Dankbarkeit als spirituelle Kraft

Dankbarkeit als spirituelle Kraft

Gottes Gaben schätzen und nutzen. Seid Gott für alles dankbar, was er euch gibt und gegeben hat. Nicht, dass er etwas von euch zurück haben will. Er will nur, dass ihr seine Gaben auch zu schätzen und zu nutzen wisst. Dankbarkeit ist eine große Tugend. Wenn ihr sie euch zu eigen macht, bringt sie euch spirituell mit Riesenschritten voran.

Für alles dankbar sein

In einem Gleichnis fragt jemand die Erde: „Du trägst Berge, Flüsse, Bäume, Tiere, Menschen – auf dir liegt eine so große Last. Wie kannst du das ertragen?“ Die Erde antwortete: „Das ist keine Last für mich.“ – „Und was ist dir tatsächlich lästig?“ Sie sagte: „Wenn jemand auf mir wandelt, der undankbar ist.“
Die Heiligen fordern uns auf, jeden Augenblick unseres Lebens dankbar zu sein: „Wenn ihr esst, dankt Gott! Wenn ihr ein Dach über dem Kopf habt, dankt Gott – vergleicht euch mit anderen, die auf der Straße leben. Wenn ihr wohlhabend seid, dankt Gott – vergleicht euch mit denen, die sich keinen Bissen Nahrung leisten können. Auch wenn ihr hungrig seid, dankt Gott. Wenn ihr auch weiterhin Gelegenheit habt, an gute Dinge zu denken oder an Gott, dankt ihm – es gibt viele andere, die nicht an ihn glauben.“

Mit jedem Atemzug sollten wir Gott danken, immerzu, jeden Tag und jeden Augenblick unseres Lebens – für alles, was er uns gegeben hat, für jede Arbeit, die wir verrichten, für alles, womit wir zu tun haben. Seid also von jetzt an dankbar für alles. Was habt ihr nicht alles bekommen – vielleicht nicht immer zu hundert Prozent, vielleicht sogar nur zu einem, aber was tut ihr? Wegen einer einzigen Sache, die ihr nicht bekommen habt, vergesst ihr, für all die anderen Dinge dankbar zu sein, die ihr bereits besitzt – ist es nicht so?
Wenn jemand zehn Dinge bekommen hat und eines nicht, ist alles, was er zu sagen hat: „Dieses eine wurde mir vorenthalten.“ Doch was ist mit den anderen Dingen, die er bereits hat? Jemehr ein Schaf blökt, desto mehr Bissen fallen ihm aus dem Maul. Seid deshalb dankbar für das, was ihr erhalten habt. Und dann wartet getrost auf mehr.

Dankbarkeit als Fortschrittsmotor

Wie kann ein Mensch so dankbar sein? Wenn er sich einer höheren Kraft bewusst ist, die in allem wirkt. Seid ihr euch dieser Kraft bewusst? Dann dankt Gott dafür. Sonst dankt ihm wenigstens dafür, dass ihr auf den Weg gestellt worden seid und eine erste innere Erfahrung von der Gotteskraft in euch erhalten habt, mit der ihr euren spirituellen Weg beginnen könnt. Diese Kraft sorgt dafür, dass euer Geben und Nehmen beendet wird und eure Karmas abgewickelt werden. Wir sollten lernen, Gott für alles dankbar zu sein, auch für alles, was uns als Auswirkung unserer karmischen Vergangenheit erreicht. Wenn sich unerwünschte Dinge ereignen, dann sind sie nur die Ergebnisse unserer eigenen Taten. Wir sollten dankbar sein, dass wir diese karmischen Schulden abbezahlen können. Gott ist unser Vater. Er tut alles, was nötig ist, um unsere Handlungen restlos abzuwickeln. Ist das etwa kein Grund zur Dankbarkeit?
Mit dieser Einstellung fällt es euch sicher leichter, von jetzt an mehr Zeit für eure spirituellen Übungen einzusetzen, um wieder in eure spirituelle Heimat zu gelangen. Je eher ihr dort ankommt, desto besser – bevor die Zeit anbricht, wo ihr nichts mehr tun könnt. Auch Christus sagte: „Ich muss die Werke dessen wirken, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, da niemand wirken kann.“ Wann kommt die Nacht? Wenn ihr den Körper verlassen müsst. Es ist nur so lange Tag, wie ihr lebt. Seid darum auch dankbar für den Rest der Tage, die für euch festgesetzt sind, wie viele es auch immer sein mögen.

Der größte Grund zur Dankbarkeit

Vor allem aber seid dankbar, dass Gott euch den menschlichen Körper gegeben hat, denn es gibt Hunderte anderer Verkörperungen, in denen man in dieser Hinsicht nichts erreichen kann. Mit dem Menschenkörper wurde uns die goldene Gelegenheit gewährt, in unsere Heimat zurückzukehren. Die Inkarnation als Mensch ist der höchste Segen, den wir überhaupt erhalten können. Und das größte „Dankfest“ ist der Tag, an dem wir auf den Weg zu Gott gestellt wurden. Das ist der allerhöchste Segen. Denn nur als Menschen können wir Gott erkennen. Gott ist ganz Licht – vollkommenes Bewusstsein. Wir sind Tropfen des Meeres der Allbewusstheit. Wir sind alle Kinder des Lichts. Erkennt euch selbst und verbindet euch mit dem Allbewusstsein, damit ihr bewusster werdet und zurück in eure wahre Heimat gehen könnt. Darum lernt von heute an die Lehre der Dankbarkeit – wenn wir es nicht schon in dervVergangenheit getan haben, ist es jetzt Zeit, uns zu ändern. Wenn wir unsere Seelen nicht wieder mit dem Allbewusstsein Gottes verbinden, sondern nur mit den materiellen Dingen der Welt, sinkt unser Bewusstsein naturgemäß immer weiter ab, und dann fallen wir auf die Stufe der Verkörperungen zurück, in denen das Bewusstsein geringer ist als im Menschen. Wer als Mensch geboren wurde und nicht in Verbindung mit dem Allbewusstsein kommt, spielt nach den Worten der Meister mit dem spirituellen Selbstmord. Es ist spiritueller Selbstmord, an Bewusstheit zu verlieren. Ihr müsst im Gegenteil bewusster werden, indem ihr euch mit Gott verbindet. Die Meister erklären: „Wenn wir uns nicht wieder mit Gott verbinden, verblasst die Erinnerung an ihn. Und wenn wir uns mit etwas anderem verbinden als mit ihm, vergessen wir ihn ganz.“ In der Sprache der Heiligen ist das praktisch gleichbedeutend mit dem Tod: „Nur der lebt wirklich, der ein Bewusstsein von Gott hat und ihn von Angesicht zu Angesicht sieht, wie wir uns gegenseitig sehen. Wer ihn nicht sehen kann, ist tot.“

Gottes Gaben nutzen

Wenn ihr die menschliche Geburt erhalten habt, besteht das höchste Ziel darin, Gott zu erkennen. Die Inkarnation als Mensch dient einem doppelten Zweck: der eine besteht darin, alle karmischen Handlungen und Rückwirkungen abzuwickeln und alle Schulden aus früheren Inkarnationen abzuzahlen; und der andere ist, Gott zu lieben und zu erkennen. Liebe wohnt in jedem Herzen; habt darum Liebe für alle. Wenn wir als Menschen geboren sind und diese Gelegenheit nicht nutzen, dann ist jedes Tier besser als wir. Was müssen wir also tun? Haltet die Gebote. Christus sagte: „Wenn ihr mich liebt, dann haltet meine Gebote.“ Bemüht euch um ein reines Leben und eine gute, moralische Lebensweise. Führt eure spirituellen Übungen aus und bleibt dabei so lange wie möglich in Gott vertieft, bis euer Bewusstsein sich immer mehr dem Seinen angleicht. Wenn ihr Gott nicht erkennt und ihn nicht findet, solange ihr in menschlichen Körper wohnt, seinem wahren Tempel, ist alles, was ihr tut – Lesen, Essen, Trinken, das weltliche Leben genießen, euren Körper verschönern und dergleichen mehr – nicht besser als das Schmücken von Leichen. Wir leben wie die Sklaven. Sie schuften Tag und Nacht und bekommen am Ende nichts. Genau so macht ihr es auch. Ihr habt das große Glück, als Menschen geboren zu sein. Noch mehr Glück erwartet euch, wenn ihr mit Gott in Verbindung kommt, der eigentlich schon in euch ist. Ihr habt euch nur so sehr mit der äußeren Welt identifiziert, dass ihr ihn schlichtweg vergessen habt. Solange ihr eure Aufmerksamkeit nicht von außen zurückzieht und wieder zu euch kommt, könnt ihr auch Gott nicht erkennen. Und der erste Schritt dazu ist, euch selbst zu erkennen. Wenn der Gott in euch sieht, dass ihr euch so sehr nach ihm sehnt, dass ihr ohne ihn nicht leben könnt, dann bringt er euch mit einem Menschen zusammen, der ihn bereits erkannt hat und euch mit ihm verbinden kann.

Der beste Dank

Dankt Gott für diese goldene Gelegenheit Dafür nicht dankbar zu sein, ist geradezu kriminell. Doch dieser Dank muss aus dem Herzen kommen und mehr als ein Lippenbekenntnis sein, beachtet das bitte. Ein dankbares Herz zeigt sich in dankbaren Worten. Sagt nur, was ihr im Herzen habt. Gott schaut nicht auf äußere Dankesbezeugungen, sondern auf euer Herz. Wenn ihr innerlich gespalten seid und im Herzen etwas anderes empfindet, als ihr aussprecht und denkt, hat euer Dank keinen Wert. Wenn ihr euch die Lektion der Dankbarkeit ab sofort zur Aufgabe macht, dann nimmt er euren Dank ganz sicher an. Normalerweise beklagen wir uns nur über das, was uns fehlt, und fühlen keinen Dank für das, was wir schon haben. Wenn ihr mehrere Kinder habt, die sich nur beschweren: „Ich habe dies nicht bekommen“, „Ich habe jenes nicht gekriegt“ (aber alles andere schon haben), und da ist ein Kind, das sagt: „Danke, Vater, Du hast mir so viel geschenkt“ – welches, meint ihr, ist euch dann am liebsten? Es geht nicht darum, dass Gott etwas von uns zurück haben will; er will nur, dass wir seine Gaben auch zu schätzen wissen. Seid also nicht undankbar. Dankbarkeit ist eine große Tugend. Wenn ihr gleich heute damit anfangt, sie euch anzueignen, bringt sie euch spirituell mit Riesenschritten voran.

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