Buchtipps

Thomas Young
Willkommen im Herzen - Eine Reise zu dem Schatz im Inneren
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Das Herz und das Selbst

Das Herz und das Selbst

Weisheitslehrer Thomas Young berichtet in seinem neu erschienenen Buch „Willkommen im Herzen“ über seine Reise zum innersten Herzen, dem Wesenskern. Im folgenden Auszug beschreibt er die wichtigste Lektion seines Lebens: das „Wenden des Herzens“.

Das Herz birgt ein Geheimnis, das größer ist als alle Ge­heim­nisse aller Kulturen der gesamten Menschheit. Die spirituellen Wege und Mysterienschulen hüten in ihrem innersten Kern einen Herzraum, der nur Eingeweihten zugänglich ist. Das Herz und das Selbst sind eins. Es ist das spirituelle Herz, die Mitte, der Wesenskern. Es ist das Zentrum, in dem persönliche Transformation stattfindet und sich die unteren und oberen Chakren verbinden. Gleichzeitig bildet es den Übergangspunkt in die transzen­denten Bereiche hinein. Mir sind so gut wie keine Individuen bekannt, die ohne ein geöffnetes Herzzentrum langfristig in diesen Bereichen navigieren können, ohne sich selbst oder anderen zu schaden.

Der Herz-Lotus mitten in der Brust

Das Herz lernt durch Be­rühr­ung. Es schließt nichts aus. Es ist all-inclusive.

Wenn ich von Herz spreche, ist damit nicht das physische Herz gemeint, son­dern das Herz-Zentrum oder auch der Herz-Lotus in der Mitte unserer Brust. In vielen Mysterienschulen wusste man um die Bedeutung dieses Zentrums und hatte hochwirksame Formen der Herzmeditation hierfür entwickelt. Sätze wie diese aus den Upanishaden zeugen davon: „Wenn alle Knoten im Herzen durchschlagen sind, dann wird ein Sterblicher unsterb­lich“ (Katha Upanishad) oder: „Das selbst-leuchtende Wesen, das sich im Lotus des Herzens aufhält, umgeben von den Sinnen und Sinnes­organen, dieses Wesen ist das Licht der Intelligenz.“ (Brihadaranyaka Upanishad).

„Wenn alle Knoten im Herzen durchschlagen sind, dann wird ein Sterblicher unsterblich.“ (Katha Upanishad)

Die täglich wiederholte Meditation zur Aktivierung des Herz-Zentrums lässt das Wesen durchscheinen. Hinweise in den verschiedensten Schriften sind endlos, und es gibt mittlerweile eine umfang­reiche Forschungsliteratur zu den Er­geb­nissen herzzentrierter Meditationsformen. Heutige wissen­schaft­liche For­schungsergebnisse bestätigen die Sinnhaftigkeit dieser Vorgehens­weise, da wir mit jedem Herzschlag ein feines elektrisches Signal in jede Zelle sen­den. Über eine auf dieses Kraftzentrum fokussierte Meditation unter Einbeziehung zeitloser Herz-Qualitäten haben die Weisen Ein­fluss genom­men auf die Information des Signals und sich gewisser­maßen ein neues Betriebssystem auf ihre eigene zelluläre Fest­platte überspielt.

Wenn der Kopf ins Herz fällt

Die Weisen sagen, der läng­ste und schwierigste Weg, den sie ihr ganzes Leben lang gehen werden, sei, sage und schreibe, dreißig Zen­timeter lang - es ist der Weg aus ihrem Kopf in ihr Herz hinein. Warum? Der Verstand (mind) ist exklusiv, territorial, gliedernd, analy­sie­rend, sezierend, kurz: er ist ein ausgezeichnetes Instrument, um die Pola­rität des Seins zu erkunden. Wenn es jedoch darum geht, über die Polarität hinauszugehen, in Verbin­dung zu gehen mit der Einen Kraft, die uns alle umgibt, steht er leider allzu häufig im Weg. Wie können wir ihn transzendieren? (…)

Wenn wir davon sprechen, Gedankenstille einkehren zu lassen, meint es sicherlich nicht, ein besinnungsloses Gemüse zu werden. Der Verstand ist so funktionsfähig wie vorher, nur haben wir jetzt durch die temporäre Ge­dankenruhe des Gehirns umgestellt auf eine andere Frequenz, vergleich­bar einem Radio, und hören plötzlich ein weiteres Programm mit zusätz­lichen Informationen und Daten. Wenn der Kopf in der Meditation „ins Herz fällt“, gehen wir über die beiden ersten der vier inzwi­schen messbaren Hirnfre­quenzen von Alpha und Beta hinaus­ und bewegen uns in Delta- und Theta-Fre­quen­zen hinein. In der Sufi-Tradition bezeichnet man den Verstand als „Schlächter der Wirklichkeit“ und nennt den Augenblick des Erwachens „Tauba“, das „Wenden des Herzens“.

Der spirituelle Lehrer: Katalysator der Transformation

Mein Herz wurde gewendet an einem strahlenden Frühlingstag im März 97 in der Wüste von Arizona. Ich begegne meinem Lehrer, dem Mystiker Brugh Joy. Er ver­kör­pert eine Form spiritueller Kraft, die nicht korrum­pier­bar ist, und ist einer der avanciertesten Meisterlehrer, die mir bekannt sind. Mein Herz entflammt in Liebe für das, was er ist und das, was er für die Men­schen tut. Es ist eine Begegnung von Lehrer zu Schüler. Gleichzeitig hat die Begegnung die Qualität des Wiedersehens zweier alter Freunde. Später wird es eine von Lehrer zu Lehrer mit einer Vertiefung der Freund­schaft. Nach der tiefen Transformation und Inspiration, die sich dadurch ereignet, gibt es in meinem Leben keinen äußeren Lehrer mehr. Das Leben selbst wird zu meinem größten Lehrer.

Die Reise dorthin erfordert einigen Mut. Drei Wochen zuvor habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Todesangst. Sie kommt wie aus heiterem Himmel. Es gibt keinen sichtbaren Grund dafür, keine Krankheit, es ist nicht als Familienthematik angelegt, und trotzdem kriecht mir eine unerklärliche Todesangst bis in die letzten Knochen. Mein Verstand weiß nicht, was er davon halten soll. Die Angst ist so präsent, dass ich auf die 34 Jahre meines Lebens zurückschaue und beginne, meine Sachen zu ordnen. Ich verfasse einen letzten Willen und halte Rückschau auf mein Leben. Was war das eigentlich, dieses Leben, bis zu diesem Datum? Gesetzt den Fall, die Angst täuscht nicht und mir passiert etwas, was war dann eigentlich wirklich wichtig?

Ich lasse mein Leben Revue passieren. Die Beziehung zu meinem Vater, bei dem ich mich so sehr willkommen gefühlt habe, zu meiner Mutter, deren feine Liebe ich so sehr schätze, zu meinem Bruder, dessen spontaner Humor mich so häufig lachen ließ, Freundschaften, die ich schließen durfte, Lieben, die ich erfahren habe – was ist wirklich wichtig? Was habe ich gelernt? Sozial, emotional, mental, spirituell – habe ich etwas gelernt? Am Ende dieser kaleidoskopartigen Rückschau bleibt nur noch eine einzige Frage übrig und diese Frage ist: Habe ich wirklich genug geliebt?

Worauf es ankommt: die Liebe

Die Antwort, die ich mir zu diesem Zeitpunkt auf diese eine zentrale Frage geben mußte, lautete: Nein. Ich konnte die Frage nicht bejahen, ich befand mich ja gerade am Ende einer Beziehung, die offensichtlich nicht funktioniert hatte. Nein. Diese Antwort empfindet meine Seele als tragisch. Auf diese eine Frage zum Abschluss des Lebens kein umfassendes, erfülltes Ja geben zu können, wäre für meine Seele tragisch. Es wäre so, wie wenn der Zweck der Inkarnation verfehlt wäre.

Es kommt dann im Zuge einer Herzeinweihung einen Tag darauf völlig unerwartet zu einer spontanen Nahtoderfahrung, und das Erstaunliche für mich ist, dass ich mich plötzlich in einem Bewusstraum befinde, den ich nur umschreiben kann als einen Raum absoluter, innerer Klarheit. Das, was mein Leben ausgemacht hat bis zu diesem Zeitpunkt, liegt vollkommen klar und überschaubar da, das zukünftige Leben mit seinen Optionen liegt ebenfalls kristallklar vor mir. Ein Zustand jenseits jeglicher Illusion, verbunden mit einem kompletten Einverstandensein und dem Aufhören jeglicher Fragen. Die Psyche steht still. Das alte Ich stirbt in dieser alles umwälzenden Todeserfahrung. Die Verbindung zur eigenen Kraftquelle im Herzen, zum Inneren Lehrer, wird hergestellt. Das Erstaunliche – ich benutze dieses Wort immer wieder, weil das Leben für mich ein einziges Staunen ist – also das Erstaunliche daran ist, ein Teil der Psyche sucht nicht mehr. Er ist angekommen. Im Herzen. Was bleibt, ist tiefe Dankbarkeit und die Bereitschaft, die Realität in jedem Moment neu zu erfahren.

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