„Das Licht des Himmels in sich sehen“

„Das Licht des Himmels in sich sehen“

Der schnellste und leichteste Weg zu Gott

Alle Meister, die von Zeit zu Zeit gekommen sind, haben die praktische Wissenschaft der Seele gelehrt. Welcher Art ist sie? Es gibt so viele Yogas und Wege, um für immer allen Frieden und alles Glück zu finden. Doch welcher davon ist der einfachste? Die Meister lehren einen ganz natürlichen Weg, denn natürliche Wege sind immer am leichtesten zu gehen. Selbst ein Kind kann damit das Licht des Himmels in sich sehen.

So viele Wege...

Zu den vielen Yogapraktiken, die als spirituelle Wege angeboten werden, gehört zum Beispiel der Hatha-Yoga. Er bringt uns auf der einen Seite physische Gesundheit und einen kräf­tigen Körper, auf der anderen Seite ebnet er den Weg für eine andere Yoga-Art, den Prana-Yoga.

Der Prana-Yoga gibt einem die Kontrolle über das Atmungssystem und verhilft einem dazu, die motorischen und sensorischen Ströme am Sitz der Seele im Innern zu sammeln. Der Körper wird einfach wie ein Klumpen Erde, ohne Atem oder Bewegung, zurückgelas­sen. Wenn wir dieses Zurückziehen der Pranas (der Lebens­energie) erreichen, sehen wir im Innern das Licht Gottes und hören seine Stimme. Das ist ein schwieriger und harter Weg, der sich nicht für jeden Menschen eignet. Der Körper muss dazu gesund und kräftig sein, und man muss sich lange Zeit den Hatha-Yoga-Übungen widmen, bevor man damit beginnen kann. Menschen, die körperlich dafür zu schwach sind, werden sonst Opfer verschiedener Krankheiten, wenn sie diesem Weg folgen.

Andere Richtungen zielen ebenfalls darauf ab, sich auf die nie­deren Ganglien im Körper zu konzentrieren und dort zu verweilen. Auch sie streben an, die verschiedenen Energiezentren im Körper zu erwecken, und dadurch über­natürliche Kräfte zu entwickeln. Aber das wahre Lebensziel besteht darin, sein eigenes Selbst und Gott zu erkennen und nicht, übernatürliche Kräfte zu besitzen. Ein wah­rer Gottsucher umgeht all diese Versuchungen, und wer dem natürlichen Weg der Meister folgt, erlangt all diese Kräfte mühelos von selbst.

Andere Yoga-Arten be­fähigen einen, sein Gemüt zu kontrollieren. Sie verlangen, dass man sich innen ein äußeres Objekt vorzustellt, damit man etwas hat, worauf man seine Gedanken konzentrieren kann. Dann gibt es noch den Jnana-Yoga, um die Wahrheit im Innern durch die reine Kraft des Intellekts zu erfas­sen – wirklich ein sehr schwieriger Weg. Wie kann der begrenzte Intellekt mit seiner gerin­gen Reichweite die alles durchdringende Wahrheit er­fassen?

„Der natürliche Heimweg der Seele erfordert weder Körper- Yoga noch Atem-Übungen. Das Werk Gottes kann auch so vonstatten gehen.“

Einfach nur Gott sehen...

Können wir überhaupt in Verbindung mit dieser Wahrheit kommen? Alle Meister sagten entschieden und einstimmig: „Ja!“

Swami Vivekananda, der vor Jahren nach Amerika kam, begann sein Leben als Atheist. Er pfleg­te die Leute herauszufordern, ihm Gott zu zeigen: „Gibt es jemanden, der Gott gesehen hat?“, bis ihm gesagt wurde, er solle zu Paramahansa Ramakrishna nach Dakshineswar (in Bengalen) gehen.

Voller Stolz auf seine intellektuellen Fä­higkeiten suchte er ihn auf. Ramakrishna erschien ihm wie ein gewöhnlicher Mensch. Die Meister halten nichts davon, sich eitel hervorzutun und irgendwie zur Schau zu stellen und benehmen sich wie ganz normale Menschen. Vivekananda fand den Weisen gleich auf der Wiese bei seiner Hütte und stellte ihm seine oft wiederholte Frage: „Meister, hast du Gott gesehen?“ Und wie lautete die Antwort? „Ja, mein Kind, ich sehe ihn genauso, wie ich dich sehe, nur le­bendiger.“ Auf diese Worte hin, die aus dem Herzen eines verwirklichten Menschen kamen, verbeugte sich Vivekananda, und wurde sein ganzes restliches Lebens nicht müde zu er­klären: „Nur durch diesen Gottmenschen wurde ich erlöst.“

Sehen heißt glauben

Wie ist also die Erlösung möglich? Alle Meister sagen: „Wenn dein Auge einfältig ist, wird dein gan­zer Leib licht sein.“ Um Erlösung zu erlangen, müssen wir also unser „Einzelauge“ finden und entwickeln. Aber wie? Es ist nicht aus Fleisch und Blut wie unsere äußeren Augen. Es ist unser inneres Auge, und das muss geöffnet werden. Und wie? Je­mand, dessen inneres Auge geöffnet ist und der das Licht Gottes gesehen hat, ist auch fähig, anderen eine unmittelbare Erfahrung davon zu geben. Sehen heißt glauben, und wenn man selbst sieht, verlangt man nicht mehr nach anderen Beweisen.

Einmal kam in Kalifornien ein Mann zu mir und erzählte mir: „Mein Meister hat gesagt: Dein inneres Auge ist jetzt geöffnet.“ Ich fragte zurück: „Und? Siehst du denn jetzt etwas im Innern?“ – „Nein.“ Ich fragte weiter: „Weshalb glaubst du dann, dass dein inneres Auge offen ist?“ – „Wenn mein Meister das gesagt hat, dann muss es auch so sein.“ Ich riet ihm: „Folge niemandem in blindem Glauben, sondern sieh selbst, wie die Dinge liegen.“

Shamas Tabrez sagt: „Wir sollten Gott mit un­seren eigenen Augen sehen und die Stimme Gottes mit unseren eigenen Ohren hören können.“ Das ist nichts Neues. Es ist die älteste und am besten verbürgte Wissenschaft, die es gibt. Der Prophet Moses pflegte auf den Berg Sinai zu gehen, um inmitten von Blitz (Licht) und Don­ner (der Stimme Gottes) die Zehn Gebote (göttliche Weisungen) zu empfangen. Ein wahrer Christ muss wissen, wie man das Körperbe­wusstsein übersteigt, um das Licht Gottes zu sehen. Ein wahrer Muslim muss den Glanz Gottes von der Spitze des Berges Tur bezeugen, der unser Körper ist. Die Christen nennen diese Stelle, an der das Licht zu sehen ist, anschaulich den Berg der Verklärung. Ein wahrer Sikh ist dem Wortsinn nach jemand, der das Licht Gottes in sich selber sieht. Das ist unser Ziel. Es ist möglich und für jeder­mann erreichbar.

Der Weg der göttlichen Harmonie

Der Pfad der Meister ist als der „natürliche Yoga“ oder „Yoga des Klangstroms“ bekannt. Er betrifft nicht den Körper, sondern nur die Seele. Der äuße­re Ausdruck unserer Seele ist die Aufmerksamkeit, die auch als Be­wusstheit oder Wachheit bekannt ist. Wenn ihr die Augen mehrmals hintereinander auf- und zumacht, empfindet ihr eine Art Wachheit und Bewusstheit hin­ter den Augen – sie ist das „Selbst“ in euch, und das seid ihr. Im Wachzustand ist die Aufmerksamkeit im Körper verteilt und durch die Sinnestätigkeit mit den äußeren Dingen der Welt beschäftigt. Aber sie kann zurückgezogen, im Innern konzentriert und mit der großen schöp­ferischen Kraft Gottes verbunden werden, die das Universum kontrol­liert. Der große englische Dichter Dryden nennt sie die „Harmonie“ und schreibt die ganze Schöpfung der großen „Kraft der Musik“ zu. Dieses Klangprinzip, diese „göttliche Harmo­nie“ ist der Kern von allem, was existiert.

Die Bibel nennt dieses schöpferische Prinzip das „Wort“. Es existierte schon, bevor die Schöpfung ins Dasein kam: „Das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ Der absolute Gott ist wort- und namenlos. Als diese Kraft ins Dasein kam und als „wirkender Gott“ eine offenbarte Form annahm, wurde sie zum Urgrund, dem ursprungslosen Grund der ganzen Schöpfung mit ihren höheren und niederen Ebenen und erhielt verschiedene Namen: Wort, Kalma, Naam, Sruti, Udgit usw. Diese allererste Offenbarung in der Form des Klangprinzips ist das göttliche Bin­deglied in jedem von uns. Diese Kraft ist alles durchdringend und immerwährend. Die erhält alles Sichtbare und Unsichtbare. Und diese Ur-Offenbarungsform des Absoluten ist auch der einzige direkte Weg zurück zu Gott.

Das Elixier des Lebens finden

Mit diesem göttlichen Bin­deglied müssen wir Verbindung aufnehmen – eine wirkliche, lebendige Verbindung. Ihm verdanken wir unsere Existenz, denn es verbindet die strahlende Seele mit dem grobstofflichen physischen Körper. Wenn diese Kraft sich zurückzieht, reißt die Verbindung zwischen Seele und Körper und die Seele lässt den Körper wie einen leblosen Erdklumpen hinter sich. Das nennen wir Tod – die Auflö­sung des Mikrokosmos. Und wenn sie sich von der ganzen Welt zurückzieht, geht diese in der so genannten großen Auflösung unter.

Diese göttliche Kraft wohnt in jedem Herzen. Ihr könnt sie finden, indem ihr das physische Bewusstsein überschreitet. Sie wird von den Weisen oft als das Brot oder Wasser des Lebens beschrieben, das ewiges Leben schenkt. Doch wie nimmt man dieses Lebenselixier auf? Alle Schriften sa­gen uns einstimmig, dass man es von einem lebenden Lehrer bekommen kann, der dieses aktive Lebensprinzip in sich erkannt und verwirklicht hat. Es kostet euch keinen Cent, denn ebenso wie Sonnenlicht, Luft und Wasser ist es ein Geschenk der Natur. Es hat zwei Formen: einen Licht- und einen Klangaspekt. Das ist der natürliche Heimweg zu Gott.

Dieser Weg nimmt weder die Hilfe des Atmungssystems noch der Pranas in Anspruch, aus dem einfachen Grunde, weil die Pranas unabhängig von unseren täglichen Beschäftigungen wie Gehen, Spre­chen, Essen und Trinken im Körper wirken. Wenn wir sie bei diesen Tätigkeiten nicht beachten, brauchen wir das auch bei unseren spirituellen Übungen nicht zu tun. Das Werk Gottes kann auch so vonstatten gehen.

Das Geheimnis des Erfolgs

Das Geheimnis des Erfolgs liegt in der bewussten Wesenheit in uns. Alles, was dazu nötig ist, ist die Konzentration der Aufmerksamkeit. Immer wenn etwas mit ungeteilter Aufmerksamkeit getan wird, ist das Ergebnis von großem Wert. Wenn wir sie dazu verwenden, mit Hilfe körperlicher Übungen unsere Fitness zu steigern, werden wir gesund und stark. Ähnlich werden wir zu wahren Geistesriesen, wenn wir sie auf unsere Gehirnzentren richten. Und wenn wir sie auf das göttliche Bindeglied, das Wort, in uns lenken, entwickeln wir uns zu spiritueller Größe.

Alles, was wir dazu brauchen, ist die richtige Weisung und Führung. Dafür brauchen wir keine äußeren Zere­monien und Rituale. Wir können bleiben, wo wir gerade sind. Der Weg ist bereits in uns. Der leichteste, schnellste und natür­lichste Weg zurück zu Gott ist demnach die Verbindung mit dem Licht- und Klangprinzip.

Die natürlichen Wege sind immer die leichtesten. Der Yoga des Lichts und Klangs erfordert lediglich die Initiation oder unmittelbare Erst-Erfahrung durch einen kompetenten Lehrer. Dann sieht man die Dinge selbst, und wenn man sein ei­genes „Selbst“ sieht, braucht man keine weiteren Beweise.

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