Das Göttliche in uns erkennen
Hinter dieser Wirklichkeit gibt es eine WIRKLICHKEIT, die nicht mit den Händen erfasst, nicht mit den fünf Sinnen wahrgenommen, nicht von dem Verstand erschlossen, sondern nur von dem blanken Bewusstsein erfahren und erkannt werden kann. Das Leerwerden des individuellen Bewusstseins von allen Konzepten und ich-haften Bestrebungen erlaubt dieser alles tragenden ERSTEN WIRKLICHKEIT, die wir hier in Europa Gott nennen, allmählich in das Bewusstsein einzufließen und es vollkommen zu erfüllen, bis beide schließlich miteinander verschmelzen. Darum geht es in der Mystik.
„Das Reich Gottes, diese hintergründige Wirklichkeit, die er „Vater“ genannt hat, den Menschen erfahrbar zu machen – das war Jesu Anliegen.“
In der christlichen Kontemplationspraxis ebenso beheimatet wie im östlichen Zen, erforscht der Benediktiner und Zen-Meister Willigis Jäger (82) seit vielen Jahren die Relevanz von Mystik für den spirituellen Sucher von heute. Die mystische Erfahrung der grundlegenden Wesenseinheit von Seele und Gott, von vereinzeltem Bewusstsein und All-Bewusstsein, ist für ihn das Herzstück von Religion – von jeder Religion. Weil sie sich nicht auf eine bestimmte Konfession beschränken lässt, sondern ihrem Wesen nach transkonfessionell ist, stellt sie für ihn das Bindeglied zwischen den Religionen, aber auch den Kulturen dar. Entsprechend bezeichnet er die mystischen Traditionen ...
Pater Willigis, vielen Dank für das Gespräch.
Das Interview führte Inge Hasswani
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