Der Fisch und der Ring
Ein Schicksals-Märchen
“Um“-bestimmte Bestimmung
Einst lebte im Norden Englands ein mächtiger Baron, welcher ein großer und weiser Zauberer war, der in die Zukunft sehen und das Schicksal weissagen konnte. So las er eines Tages, als sein kleiner Junge vier Jahre alt war, im Buch des Schicksals, um daraus zu erfahren, wel ches Schicksal dem Kinde bestimmt war. Zu seinem Ärger stand dort geschrieben, dass sein Sohn einst eine niedrige Magd heiraten würde, welche gerade in einem Hüttchen dort im Schatten des Münsters von York geboren worden war.
Nun wusste der Baron, dass der Vater des kleinen Mäd chens sehr, sehr arm war und schon fünf Kinder hatte. So ließ er sein Pferd satteln, ritt nach York und ging zu des Vaters Haus, sah diesen an der Türe sitzen, traurig und trübselig. Er stieg vom Pferd, ging auf ihn zu und sprach: „Was ist mit dir los, guter Mann?“
Der Mann erwiderte: „Nun, mein Herr, ich habe bereits fünf Kinder, wir haben aber eben ein sechstes bekommen, ein Mädchen. Wo soll ich nun das Brot hernehmen, um al le hungrigen Mäuler zu stopfen? Ach seht, das weiß ich nicht!“
„Sei nicht so entmutigt, lieber Mann!“ sagte der Baron. „Wenn dies deine Sorgen sind, so kann ich dir helfen. Ich nehme das letzte Kindlein zu mir, so brauchst du dir wenig stens darum keine Sorgen mehr zu machen.“
„Vielen herzlichen Dank, mein Herr!“ sagte der Mann, und er ging hinein und brachte das kleine Mädchen heraus und gab es dem Baron, der sein Pferd bestieg und mit ihm weg ritt.
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