Der Weg der Wünsche

Der Weg der Wünsche

Wunsch-Ausgleich im Yoga-Schlaf

„Der Weg der Wünsche ist einer von zwei grundlegenden Wegen zur Erlösung. Wenn alle Wünsche restlos erfüllt sind, sei es in der äußeren Wirklichkeit oder in der Meditation, erreicht der Mensch den Zustand der Vollendung.“

VORGESTELLT.

Soami Divyanand lehrt seit über 30 Jahren den Pfad des göttlichen Lichts und Klangs. Mit dem spirituellen Sprach-Code der heiligen Schriften entschlüsselte er bereits die Veden und wesentliche Teile von Gita, Bibel und Koran.

Auf dem Weg der Wünsche werden Schüler im so genannten Yoga-Schlaf mit weltlichen Dingen gesegnet, um die sie gebeten haben.

VISIONEN: Sie sagten sinngemäß im letzten Heft (vgl. „Spirituelle Wunscherfüllung“, Juli 2011): Alle unsere Handlungen rufen Vergnügen, Bindung, Stolz, Ärger und Gier hervor und damit immer neue Wünsche. Um wunschlos zufrieden und karmafrei zu werden, bekommen wir auf dem inneren Pfad unsere Wünsche so erfüllt, dass wir spirituell davon profitieren. Die wachsende Gewissheit: „Euer Vater weiß ja, was ihr braucht, bevor ihr ihn bittet“ (Mt 6,8) bringt unsere Wünsche dann allmählich zum Versiegen.

Die Dinge, die wir brauchen, sind unsere Bedürfnisse. Wie ist es mit den Wünschen, die eigentlich nicht nötig sind und letztlich nur unserem Vergnügen dienen und unser Ego mästen?

SOAMI DIVYANAND: Eindrücke, die noch nicht zu Wünschen ausgekeimt oder ausgewachsen sind, werden in der Meditation von den göttlichen Offenbarungen unwirksam gemacht, mit denen uns der Meister verbindet. Diese Eindrücke werden gleichsam unbemerkt aus unserem karmischen Datenspeicher gelöscht, ähnlich wie ein Virensuchprogramm alle Computerviren löscht, noch ehe sie Schaden anrichten können.

Wünsche, die schon tiefe Wurzeln im Gemüt geschlagen haben, müssen auf jeden Fall erfüllt werden – entweder im Leben, als Teil unseres Schicksalskarmas, oder in der Meditation. Andernfalls könnten sie weiter austreiben und neue Samen für weitere Inkarnationen bilden. Das Ziel und die Aufgabe der Meister ist es jedoch, unsere Seelen möglichst ohne weitere Verkörperungen nach Hause zu bringen.

VISIONEN: Und wie gestaltet sich die Erfüllung der ausgewachsenen Wünsche in der Meditation?

SOAMI DIVYANAND: Sie erfolgt im so genannten Yogaschlaf (yoga nidra), dem vierten Bewusstseinszustand des Menschen – neben dem normalen Wachbewusstsein, dem Traumzustand und dem Tiefschlaf. Im Yogaschlaf schläft nur der Körper, während man selbst bei vollem Bewusstsein ist. Alles, was man in diesem Zustand erlebt, empfindet man genauso deutlich wie im „richtigen“ Leben, nur noch viel schöner. Die schönen Dinge, die man dort erlebt, sind jedoch alle Schöpfungen der Gotteskraft, und keine materiellen Erscheinungen, aus denen neue Bindungen entstehen könnten, und so werden die betreffenden Wünsche gefahrlos ein für allemal gestillt.

Ein Beispiel: Eine Schülerin zog es so unwiderstehlich in die Berge und an andere landschaftlich reizvolle Orte, dass sie sich kaum noch auf ihre beruflichen Pflichten konzentrieren konnte – bis sie während einer längeren Krankheit Gelegenheit bekam, diese Freuden ungestört im Inneren auszuleben.

VISIONEN: Sie sagen immer, dass die heiligen Schriften Beschreibungen von Erfahrungen sind, die Menschen auf ihrem Weg zu Gott vor uns gemacht haben. Gibt es für diese Art der Wunscherfüllung auch Belege in der Bibel?

SOAMI DIVYANAND: Ja, in der Apostelgeschichte gibt es eine Stelle, die fälschlicherweise als Erlaubnis gedeutet wird, bestimmte Tiere zu verzehren. Gott würde aber nie dazu aufrufen, Tiere zu töten und zu verspeisen. Petrus, heißt es, steigt auf das „Dach“ seines Hauses, „um zu beten“. Dort „sah er den Himmel offen und ein Behältnis wie ein großes Leintuch herabkommen, das ... sich auf die Erde herabließ“. Darin werden ihm verschiedene Tiere zum „Schlachten“ und „Essen“ angeboten (vgl. Apg 10, 9-16).

Das Dach steht nach dem universalen spirituellen Code der heiligen Schriften (ebenso wie die vermeintliche Ortsangabe „Berg“) für einen höheren Bewusstseinszustand der Seele, der oberhalb des „Körperhauses“ liegt. Das Leintuch versinnbildlicht die göttliche Offenbarungsform des „reinen, weißen“ Lichts (vgl. auch Off 19,14), in dem Visionen erscheinen können. „Essen“ bedeutet im spirituellen Sprachgebrauch, göttliche Offenbarungen „in sich aufnehmen“. Sie werden auch als „Brot vom Himmel“ (vgl. Jh 6,31) bezeichnet oder als „Brot, das im Reich Gottes gegessen wird“ (vgl. Lk 14,15), da sie die Seele auf dem inneren Weg mit göttlicher Weisheit erfüllen und nähren. Die unreinen Tiere, die Petrus angeboten werden, stehen für „fleischliche“ Neigungen, die nur auf diesem Wege „geschlachtet“ oder abgetötet werden können.

VISIONEN: Petrus weist die angebotenen „Fleisch-Speisen“ jedoch zurück: „O nein, Herr! Noch nie habe ich etwas Unheiliges und Unreines gegessen!“ (Apg 10,14), worauf „die Stimme vom Himmel“, die ihn zum Essen aufgefordert hat, erwidert: „Was Gott für rein erklärt hat, sollst du nicht unrein nennen“ (10,15). Nachdem sich dieser Vorgang dreimal wiederholt hat, wird das Leintuch mit den Tieren „sogleich wieder in den Himmel emporgehoben“ (10,16).

Auch Ihr Meister hat Ihnen einmal in der Meditation parshad (heilige Speise) angeboten, die Sie zurückgewiesen haben (vgl. Der Weg durch Feuer und Wasser). Was war Ihr Grund, die Annahme zu verweigern?

SOAMI DIVYANAND: Ich war fest entschlossen, den rein spirituellen Weg zu gehen, bei dem Wünsche nicht erfüllt, sondern durch göttliche Offenbarungen ausgelöscht werden. Mir wurde von innen her deutlich, dass mir dieser Weg am besten entsprach. Der Weg, den ein Schüler auf dem spirituellen Pfad zu gehen hat, ist immer ganz auf seine individuellen Eindrücke zugeschnitten. Wenn der Meister einem Schüler in der Meditation parshad gibt, geschieht dies nur, um ihn mit den weltlichen Wünschen zu segnen, um die er gebeten hat. Dieser „Weg der Wünsche“ ist neben dem Weg der Offenbarungen der zweite grundlegende Weg zur Erlösung. Wenn alle Wünsche restlos erfüllt sind, sei es in der äußeren Wirklichkeit oder in der Meditation, erreicht der Schüler den Zustand der Vollendung.

VISIONEN: Christen sind häufig befremdet, wenn sie hören, wie Muslime sich nach ihrer religiösen Überlieferung das Paradies vorstellen, nämlich als Ort reichlich weltlich anmutender Freuden. In einer Schilderung der Himmelsreise des Propheten, die ihn auch ins Paradies führt, heißt es beispielsweise: „...wir gingen in die Gärten, wo ich Bettstätten sah und jungfräuliche Mädchen von herrlicher Schönheit, die von Allah dem Allmächtigen im Paradies erschaffen wurden als Belohnung für die Gläubigen.“ (Vgl. zu diesem Thema den Beitrag „Muhammads Himmelsreise“, VISIONEN, Juni 2011.) Kann es sein, dass solche Schilderungen Wiedergaben eben jener Art von Yogaschlaf-Erfahrungen sind, die Sie eben beschrieben haben?

SOAMI DIVYANAND: Die Nächte, die im Zustand des Yogaschlafs verbracht werden, sind tatsächlich als „Nächte des Paradieses“ bekannt. In dieses Paradies gelangt man aber nicht erst nach dem irdischen Leben, wie von den organisierten Religionen angenommen wird, sondern nach dem Tod im Leben, von dem auch der Prophet Muhammad spricht. Dabei zieht sich die Seele bzw. das Bewusstsein in der Meditation auf demselben Wege allmählich aus dem Leib zum „Dach“ des Körperhauses zurück wie beim Vorgang des Sterbens, während der Körper solange wie leblos auf der materiellen Ebene zurückbleibt.

Kontakt & Veranstaltungen zu/mit Soami Divyanand: www.dsforg.net und www.dsfnet.org

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