Der Stern der Weisen – eine astronomische Erscheinung?
Lösung eines alten Rätsels
Kein gewöhnlicher Himmelskörper
Die Bibel berichtet, dass nach der Geburt Jesu die Weisen aus dem Morgenland (s. Info 1) nach Jerusalem kamen (vgl. Mt 2,1), weil sie seinen Stern „im Aufgehen“ gesehen hatten (vgl. Mt 2,9). Das Aufgehen des Sterns im Osten, dem „Morgenland“, deutet darauf hin, dass es in den Ländern östlich von Bethlehem – vielleicht in Persien oder Indien – offenbar Menschen gab, die nach der Ermordung Johannes des Täufers durch Herodes (vgl. Mt 14,10) auf den neuen Meister Jesus Christus warteten. Zum Zeichen seiner nahenden Ankunft sahen sie im Innern einen Stern, der sie schließlich zu ihm führte (s. Info 2).
Denn bei diesem Stern handelte es sich keineswegs um einen gewöhn lichen Himmelskörper. Dies geht allein schon aus der Bibelstelle her vor, nach welcher der Stern genau über dem Ort stehen blieb, wo der neu geborene Jesus war. Von einem wirklichen Stern lässt sich nämlich un möglich sagen, über welchem Gebäude er sich jeweils genau befindet.
Wenn beispielsweise über einer Stadt ein besonders heller Stern zu sehen ist, dann wird es allen Leuten gleichzeitig so erscheinen, als stün de der Stern gerade über ihrem Haus.
„Wir träumen von Reisen durch das Weltall. Ist denn das Weltall nicht in uns? Nach innen geht der geheimnisvolle Weg.“ (Novalis)
Leitstern der Seele
Der Bibeltext nimmt vielmehr ganz deutlich auf die Vision des „strahlenden Sterns“ Bezug, den man in der Meditation im eigenen Innern erblickt, sobald man sich über das körperliche Ich-Bewusstsein ins Jenseits der Sinne erhoben hat (s. Info3). Dieser Stern geht auf der spirituellen Reise der Schau des künftigen Gottessohnes voran, die zeigt, wer nach dem physischen Ableben eines Meisters sein neuer Nachfolger ist, wo er lebt oder zur Welt gekommen ist.
Auch die Weisen folgten dieser inneren Führung, denn wie aus ihren Fragen an Herodes hervor geht (vgl. Mt 2,2), wussten sie genau, nach wem sie zu suchen hatten: „Wo ist der neugeborene König der Juden?“ Dieselbe Vision führte sie auch direkt bis an ihr Ziel: „Und siehe, der Stern, den sie im Auf gehen gesehen hatten, zog vor ihnen her, bis er ankam und stehen blieb über dem Ort, wo das Kind war“ (Mt 2, 9). Nachdem sie dem göttlichen Kind ihre Verehrung bezeugt und ihm ihre Geschenke dargebracht hatten, wurden sie – im Traum, also wieder auf innerem Wege – angewiesen, auf dem Rückweg nicht über Jerusalem zu ziehen und dem König Herodes nichts über den Auf enthaltsort des Kindes zu verraten (vgl. Mt 2,12), denn dieser hatte insgeheim beschlossen, seinen vermeintlichen Rivalen zu töten.
Das Beispiel der Weisen zeigt, dass man auf einer bestimmten Stufe der spirituellen Reise durch höheres Wissen geleitet wird, das unmittelbar von innen kommt und einer Quelle jenseits gewöhnlicher Vorstellungen oder Träume entspringt.
Des Rätsels Lösung
Der Stern der Weisen ist also keine astronomische Erschei nung. Wenn wir nach äußeren Erklärungen dafür suchen, stoßen wir auf unlösbare Widersprüche. So wollen Astronomen herausgefunden haben, dass vor ungefähr 2000 Jahren ein bestimmter Komet am Him mel zu sehen war, und manchmal heißt es auch, dieselbe Er scheinung werde nach weiteren 2000 Jahren wiederkehren. Selbst wenn dies zuträfe, bliebe immer noch ungeklärt, wie ein solcher Stern irgendjemanden an einen bestimmten Ort oder zu einem bestimmten Menschen führen soll.
Auf ähnliche Weise mag auch die Auffassung entstanden sein, man könne Jesus auf dem geographischen Berg Sinai wiederbegegnen. Wer dies annimmt, hat ganz offensichtlich noch keinen Fuß auf den inneren Pfad gesetzt. Denn wer diesem Pfad tatsächlich folgt, versteht aus eigener Anschauung, was der Berg Sinai und der Stern der Weisen in Wirklichkeit bedeuten: Der Berg Sinai bezeichnet die erste innere Stufe auf dem Weg zu Gott – das Übersteigen des körperlichen Ich-Bewusstseins (s. Info 4). Hier schaut der Schüler zunächst das innere Firmament mit Sonne, Mond und Sternen (s. Info 5). Schließlich erscheint ihm ein besonders hell leuchtender Stern, der immer größer wird, bis er schließlich aufbricht und die Vision des inneren Meisters enthüllt, der die Seele nach dem Ableben eines Meisters weiterführen wird.
Außerhalb solcher Übergangszeiten zeigt sich hier der lebende Meister, der den Schüler auf den Pfad zu Gott initiiert hat. Auch diese Vision wirkt als spiritueller Wegweiser, denn sie bestätigt dem Schüler, dass er auf dem richtigen Wege ist und dient der Stärkung und Festigung seines Vertrauens. Nun kann er seinen Meister auch dann von Angesicht zu Angesicht sehen und sprechen, wenn er physisch von ihm getrennt ist, und jederzeit direkt aus seinem Munde Führung und Antwort auf alle seine Fragen erhalten.

