Die Innere Burg
Der spirituelle Weg bei Teresa von Avila (Teil 2)
Die dritte Wohnung – Gefahr der Stagnation
Die Stabilität der Praxis, häufig begleitet von Gefühlen der Harmonie und inneren Ruhe, ist kennzeichnend für das Erleben in der dritten Wohnung. Man hat eine neue – nunmehr spirituelle – Identität entwickelt, die einem Sicherheit und Befriedigung verschafft, jenseits von materiellen Werten. Das Ich identifiziert sich mit diesem ruhevollen Zustand und möchte daran festhalten. Da man unter Umständen tatsächlich hart an sich gearbeitet hat, um die Kämpfe der vorherigen Phase zu bestehen, glaubt man, schon alles gegeben zu haben und denkt vielleicht, aufgrund dieser Leistung müsse Gott einen nun auch in die anderen Wohnungen führen. Umso größer kann dann die Enttäuschung sein, wenn man das Gefühl hat, nicht mehr weiterzukommen, und lange Phasen der Trockenheit erlebt.
Tatsächlich vollzieht sich im Übergang von der dritten zu den weiteren Wohnungen eine Art „qualitativer Sprung“. Bisher war es wichtig, auch durch eigene Aktivität Gott entgegenzugehen, aber jetzt stößt die Eigenaktivität an eine Grenze, und es geht mehr und mehr darum, sich dem (unberechenbaren) Wirken Gottes zu überlassen. Wieder spielen Geduld und Demut hier eine wichtige Rolle:
„Es kommt darauf an, dass man danach trachtet, die Tugenden tätig zu üben und unseren Willen dem Willen Gottes in allem anheim zu geben; dass nichts anderes die Ordnung unseres Lebens sei, als was seine Majestät verfügt, und dass wir nicht wünschen, dass unser Wille, sondern dass sein Wille geschehe. Sind wir aber noch nicht so weit gelangt, dann heißt es, Demut wahren; Demut, die eine Salbe für unsere Wunden ist; denn wenn sie in Wahrheit vorhanden ist, so wird ... der göttliche Wundarzt kommen, um uns zu heilen.“
„Es ist sehr wichtig, jemanden zu haben, bei dem man sich Weisung holen kann.“ Teresa von Avila
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