Die Farben der Seele
Das Licht in uns zum Strahlen bringen
Die Färbung der Welt
Als Menschen soll ten wir eine Verbindung mit Gott in uns haben. Gott ist Liebe, und diese Liebe ist auch unserer Seele eingeboren und möchte sich an etwas binden. Eine bewusste Wesenheit wie die menschliche Seele sollte naturgemäß an die Allbewusstheit gebunden sein. Jetzt hängt sie aber noch an der Welt und an äußeren Bindungen. Deshalb werden wir immer wieder hierher geboren. Durch den ständigen Kontakt mit weltlichen Dingen hat sich das Licht unserer Seele immer mehr verdunkelt. Die Frage ist also: Wie kann sie ihre ursprüngliche Leuchtkraft wiedergewinnen?
Wir sind bewusste Wesen – Tropfen aus dem Meer vollkommener Bewusstheit. Der Makrokosmos ist im Mikrokosmos enthalten. Im Makrokosmos gibt es drei Ebenen: die physische, die astrale und die kausale Ebene. Dem entsprechend haben wir einen physischen Körper, einen Astralkörper und einen Kausalkörper. Diese drei Körper ermöglichen es uns, auf allen drei Ebenen zu handeln. Gegenwärtig wirken wir lediglich auf der physischen Ebene und gebrauchen dabei nur die Sinne des physischen Körpers. Sie sind nach außen hin geöffnet, um die Eindrücke der Außenwelt aufzunehmen, gleich ob sie gut sind oder schlecht.
Ich will euch das an einem Beispiel erläutern: Ihr nehmt ein Glas und überzieht es mit einer Wachsschicht. Dann drückt ihr einen Gegenstand in das Wachs ein, etwa einen Siegelring, und lasst Säure darüber laufen. Auf diese Weise wird der Abdruck des Rings regelrecht in das Glas eingeätzt. Ähnlich werden alle Eindrücke von außen durch den physischen Körper und die Sinne in unseren Astralkörper eingeprägt.
Die wahre Färbung unseres Selbst zeigt sich daher nicht am physischen Körper, der sehr rein und schön sein kann, sondern nur an unserem Astralkörper. Mit unseren äußeren Augen können wir dies nicht sehen. Mein Meister Baba Sawan Singh sagte oft: „Wenn jemand zu mir kommt, blicke ich in sein Inneres wie in ein Einmachglas und sehe, ob Süßes oder Saures darin ist.“ Sein Auge war so verfeinert, dass er die Menschen in ihren wirklichen Farben sehen konnte. Erst wenn wir diesen physischen Körper verlassen, erscheinen wir in unserer wahren Färbung.
Die Farbe der Liebe
Ein Mensch, dessen Astralkörper ganz rein von äußeren Eindrücken ist, frei von Lust, Verhaftetsein oder Hass, und der statt dessen von Liebe zu Gott erfüllt ist, wird diese Eigenschaften auch auf euch ausstrahlen, wenn ihr in seine Umgebung kommt. Im Kausalkörper (von lat. causa, Ursache) sind die Eindrücke aus früheren Lebensläufen gespeichert, die auch Saatkarma heißen, da sie die Ursache für immer neue Inkarnationen bilden. Ein Mensch, bei dem auch dieser Kausalkörper rein ist, wird im wahrsten Sinne des Wortes ein Heiliger genannt.
Wenn ihr aber mit jemandem zusammen seid oder an jemanden denkt, dessen Astralkörper von allen möglichen Eindrücken aus äußeren Bindungen, Vorlieben und Abneigungen verunreinigt ist, nehmt ihr von ihm genau dieselbe Ausstrahlung auf. Er kann äußerlich sehr sauber aussehen, und trotzdem kann sein Astralkörper voller Schmutzflecken sein. In seiner Gegenwart nimmt man jedoch die Ausstrahlung seines Astralleibs auf.
Von einem Menschen, dessen Astralkörper rein ist, empfangt ihr hingegen eine Ausstrahlung von Reinheit. Er ist von Liebe zu Gott erfüllt, und dann fühlt ihr natürlich, wie diese Liebe von ihm ausströmt. Und wenn ihr eure Gedanken auf jemanden richtet, dessen Kausalkörper auch noch frei von sämtlichen Eindrücken aus früheren Inkarnationen ist, wird seine spirituelle Gestalt immer mit euch sein, euch beschützen und helfen, selbst wenn ihr gar nichts davon bemerkt. Ein Heiliger und Meister ist ein solcher Mensch. Er erscheint euch von selbst, wenn die Zeit dafür reif ist, auch wenn ihr ihn noch nie gesehen, sondern vielleicht nur von ihm gehört habt. Das habe ich selbst erfahren.
Lebende Lichtquellen
Bei den Sikhs, der Religionsgemeinschaft, in die ich selbst hineingeboren wurde, gibt es ein Abendgebet, das lautet: „O Gott, schenke uns die Gemeinschaft mit einem Heiligen.“ Wer mit einem Heiligen Gemeinschaft pflegt, ist eigentlich mit Gott zusammen, der sich in ihm spiegelt, im selben Sinne, in dem Paulus sagte: „Ich lebe, aber eigentlich nicht ich, sondern Christus lebt in mir.“ (Vgl. Gal 2,20)
In meiner Jugend habe ich darum immer gebetet: „O Gott, ich möchte dich finden, aber ich habe Angst davor, an einen Menschen zu geraten, in dem du dich nicht wider spiegelst. Dann wäre mein Leben vertan. Es heißt, dass du dich in alten Zeiten denen gezeigt hast, die dich liebten – warum kannst du dich dann jetzt nicht offenbaren?“ Das war mein Gebet – ein sehr kraftvolles Gebet. (Mehr zum Thema „Erfolgreich“ bzw. „Wirksam beten“ in den VISIONEN Heften September und Oktober 2007.)
Tatsächlich erschien mir mein Meister schon lange vor meiner Initiation, aber ich hielt ihn für Guru Nanak, den großen Sikh-Heiligen aus der Vergangenheit. Auf der physischen Ebene traf ich ihn erst, nachdem er schon sieben Jahre bei mir gewesen war. Ich war damals im Bergland unterwegs und besuchte dort verschiedene Orte. Da ich schon immer eine Vorliebe für Flüsse gehabt hatte, dachte ich bei meiner Ankunft in Lahore, dass ich auch an den Beas-Fluss gehen könnte, und fragte am Bahnhof den Stationsvorsteher nach dem Weg zum Fluss. „Ah, Sie kommen wohl, um den Meister zu besuchen,“ sagte er. „Gibt es denn hier einen Meister?“ entgegnete ich. „Ja, er lebt am Ufer des Flusses.“ Ich kam also, um mir den Fluss anzusehen und sah statt dessen den Meister – denselben, der mir schon jahrelang vorher erschienen war.
Lichtspiegel für die Seele
Jemand, dessen Gemüt so rein ist, dass sich Gott in ihm spiegelt, liebt Gott und alle Menschen, auch seine Feinde. In ihm spiegelt Gott sich vollständig wider, und die Schau seines Gemüts ist vollkommen klar. In seiner Gegenwart nehmt auch ihr diese Ausstrahlung auf. Und wenn er euch auf den spirituellen Weg stellt, erhaltet ihr dasselbe göttliche Licht, das sich in ihm widerspiegelt. Das bedeutet umgekehrt: wenn ihr bei der Initiation Licht sieht, ist der Gebende rein. Gottes Licht spiegelt sich in ihm wider und strahlt von ihm aus.
Wenn ein Kind in einer Höhle geboren wird, lebt es in völliger Dunkelheit. Erst wenn man einen Spiegel in die Höhle stellt, durch den das Sonnenlicht in die Höhle geworfen wird, kann es dieses Licht sehen. Genauso spiegelt jedes Herz, in dem das Licht Gottes ist, es auch in den Herzen derer wider, auf die es gerichtet ist.
Diese Gabe könnt ihr nur von einem Menschen erhalten, in dem das Licht Gottes widerscheint. Er kann eure Aufmerksamkeit von außen zurück- und über die Sinne hinaus nach oben ziehen und euch dann einen Widerschein dieses Lichtes geben. Das ist wie ein Geschenk und ein Prüfstein, mit dem man das Wahre vom Falschen unterscheiden kann.
Meister dieser Art kommen wirklich in die Welt. Die Welt ist niemals ohne sie, und je mehr es sind, desto besser. Solche Menschen kommen, um der Welt etwas zu geben, nicht um ihr etwas zu nehmen. Wenn Gott durch sie zu euch kommt und euch ein spirituelles Startkapital gibt, schützt er euch davor, in äußeren Freuden zu versinken und bewahrt euch vor niederen Regungen wie Lust, Ärger und ihren Folgen.
Selbst zu „“Leuchten“ werden
Gott ist bereits in euch, und wenn ihr ihn darum bittet, bringt er euch mit einem Menschen in Verbindung, in dem sein Licht sich widerspiegelt. Gottliebende strahlen eine bläuliche Farbe aus. Wahrhaft spirituelle Menschen leuchten in goldener Farbe. Menschen mit lüsternen Gedanken strömen dagegen rotschwarz gemischte Farben aus, zornige Menschen ein düsteres Rot. Immer wenn in einem Buch ein Heiliger oder Meister abgebildet ist, hat er einen Heiligenschein aus goldenem oder weißem Licht um den Kopf.
Wenn ihr zu den Glücklichen gehört, die zu einem solchen Menschen geführt worden sind und in Form einer inneren Lichterfahrung ein gewisses Startkapital erhalten habt, ist das ein Zeichen dafür, dass ihr auf dem richtigen Wege seid. Und wenn ihr dieses Kapital weiterent - wickelt, wird sich euch Gott von selbst offenbaren. Dann werdet ihr nach und nach genau so gut werden wie er, bis ihr selbst ein Heiliger seid. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Aber mit der Zeit wird es sich zeigen.

