Die Wiederentdeckung der weiblichen Spiritualität (Teil IV)
Das Matriarchat - eine Gesellschaft in Balance
Haben Sie je mit so heftigen Reaktionen, mit Anfeindungen aber auch Sehnsüchten gerechnet, als Sie mit der Matriarchatsforschung anfingen?
Damit habe ich nicht gerechnet. Es hat mich sehr überrascht, dass ich sowohl negative als auch positive Emotionen abbekam. Wobei ich letztere noch am ehesten verstehe. Denn die Sache ist ja keine neutrale Angelegenheit und nicht völlig wertfrei. Sondern es geht darum, dass die Forscherinnen, die sich damit beschäftigen, tatsächlich ein Gegenbild zu unserer derzeitigen Gesellschaft herausfinden, was natürlich die Kritik des Patriarchats beinhaltet. Es ist genau diese Kritik, die bei den Gegnern so starke Abwehrreaktionen auslöst. Denn man möchte sich ja nicht gern den Boden unter den Füßen wegziehen lassen.
Es gibt eine Seite, die man nur durch die eigene Hinwendung zu den spirituellen Prinzipien in matriarchalen Gesellschaften erfasst.
Andererseits löst das bei vielen Frauen natürlich Sehnsüchte aus, die verständlich sind. Sie haben zwar mit der Sache nicht mehr viel zu tun, aber ich kann es nachvollziehen. Denn in der Matriarchatsforschung steckt auch die Vision einer möglicherweise besseren Gesellschaft.
Letztes Jahr feierte Ihr Institut Hagia 20-jähriges Bestehen. Ist das Interesse an derMatriarchatsforschung ungebrochen oder gab es Hochs und Tiefs?
Ich spreche jetzt etwa 30 Jahre über das Thema. 1976 habe ich begonnen, und es hat mich erstaunt, dass das Interesse nie nachgelassen hat. Es hat sich in immer neue Kreise und Zusammenhänge verlagert. Natürlich kam das größte Interesse aus der feministischen Bewegung. Danach hat sich das immer mehr verbreitert. Männer wurden darauf ...
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