Eigenwille und göttlicher Wille Über die Mystik Meister Eckharts
Wer Meister Eckhart so, wie das heute oft üblich ist, nur oberflächlich liest und ihn nicht in seiner Ganzheit betrachtet, könnte einen ganz verkehrten Eindruck vom Wesen seiner Aussagen gewinnen. Beispielsweise wenn es bei ihm heißt, dass „man mit seinem Willen alles vermag.“ Und weiter: „Was ich haben will, das habe ich.“ Man muss dann aber genau lesen, was Meister Eckhart (1260-1328) unter dem Willen versteht, wenn er auf den „rechten“ Willen hinweist. Unter dem „rechten Willen, der vollkommen ist“, versteht er nämlich einen solchen, der ohne jede Ich-Bindung ist, sich seiner selbst entäußert hat und in den Willen Gottes hineingebildet und –geformt ist.
Von einem solchen Willen, mit dem wir alles vermögen, sagt Meister Eckhart, es sei Liebe oder „was du willst.“ An anderer Stelle heißt es:
Viele Leute sagen: „Wir haben guten Willen.“ Sie haben aber nicht Gottes Willen; sie wollen ihren Willen haben und unseren Herrn lehren, es so oder so zu machen. Das ist kein guter Wille. Man soll bei Gott nach seinem (Gottes) allerliebsten Willen forschen. Darauf zielt Gott in allen Dingen, dass wir den (eigenen) Willen aufgeben.
„Der wahre Wert eines Menschen ist in erster Linie dadurch bestimmt, in welchem Grad und in welchem Sinn er zur Befreiung vom Ich gelangen kann.“
(Albert Einstein)
Wie konnte Gott das zulassen?
So gibt es viele Menschen, die sich zwar als christlich und fromm bezeichnen, aber letztlich Gott dazu bringen wollen, nach ihren Vorstellungen zu handeln. Das wird z.B. dann sehr deutlich, wenn irgendein Missgeschick eingetreten ist und die Menschen dann fragen: „Wie konnte Gott das zulassen?“ Die ganze Frage zeigt bereits, dass der Betreffende überhaupt nicht weiß, wer im Grunde der alleinige Urheber aller Geschehnisse ist, nämlich der allmächtige und allgegenwärtige Gott, neben dem nichts existiert. Sie glauben zwar traditionsgemäß an den ...
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