Ein neues Bewusstsein?
Schon Aristoteles vertrat die Ansicht, dass ein jedes in der Natur manifestiertes Ding einem höheren Sein zustrebe. Der Gedanke einer Höherentwicklung des Lebens war bereits Jahrtausende lang bei religiös-spirituell Wissenden im Umlauf, bevor Charles Darwin 1859 über die „Entstehung der Arten durch natürliche Selektion“ schrieb und damit die moderne Evolutionstheorie der Biologen begründete. Nicht einmal 100 Jahre später veröffentlichte der Schweizer Kulturphilosoph Jean Gebser in „Ursprung und Gegenwart“ (1949) seine Theorie einer Entwicklung des menschlichen Bewusstseins von einer undifferenzierten archaischen Stufe über die magische, dann die mythische bis hin zur mental-rationalen Stufe, die überleitet zur angeblich bevorstehenden integralen Stufe. Auf Jean Gebser wie auf dem indischen Yogi Aurobindo (1872-1950) und dessen „integralem“ Ansatz aufbauend, verfeinerte der Amerikaner Ken Wilber (geb. 1949) seine Universalschau der Evolution, die in einer Stufenfolge immer umfassenderer, komplexerer „Holons“ (s. unten) hinführt zu dem, was er geist nennt.
Was auch immer man von solchen Theorien halten mag, jede/r Einzelne ist aufgefordert, das Rätsel des/seines Bewusstseins selbst zu erforschen. Und selbst festzustellen, was sich da genau entwickelt – Bewusstsein selbst oder die Bewusstseinsinhalte?
„Ist es noch ein erheblicher Weg, bis Bewusstseinsphänomene als Bewusstseinsphänomene gesehen werden können?“
Klaus Engel, Professor für Psychosomatische Medizin und Meditationsforscher an der Uni Bochum, liefert in seinem neuen Buch „Das Neue Bewusstsein – Entwicklungsmöglichkeiten für alle Menschen“ (im Verlag Via Nova) eine hierbei hilfreiche und scharfsinnig anregende Auseinandersetzung mit den heute maßgeblichen Theoretikern und Praktikern der Bewusstseinsentwicklung, deren Lebensweg und -werk er nicht unkritisch beleuchtet. An dieser Stelle eine Leseprobe mit Auszügen aus den Kapiteln über Ken Wilber:
Wilbers wesentliche Leistung
Nach einer kurzen Pause mit kleineren Arbeiten tritt [Ken Wilber] 1995 mit einer groß angelegten Trilogie (The Kosmos Trilogy) erneut an die Öffentlichkeit. Der erste Band: „Eros, Kosmos, Logos“ enthält seine fundamentalen ...
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