Erleuchtet – und was jetzt?
An einem warmen Sommerabend in einem Bahnhof mitten in London verschwindet urplötzlich und vollständig dieses Ich-Gefühl. Alles bleibt wie vorher – Leute, Züge, Bahnsteige, tausenderlei Dinge –, aber alles wird zum ersten Mal ohne eine Person gesehen, die all das vermittelt oder interpretiert. Und das alles ohne Lichtblitze, ohne Feuerwerk, nichts von dem bunten Gestrudel eines LSD- oder Pilz-Trips. Und doch ist das hier erst das richtige „Wow“ – einen ganz gewöhnlichen Bahnhof zum ersten Mal ohne jegliches Ich-Gefühl zu sehen. Hier wird das Gewöhnliche als das Außergewöhnliche gesehen, wie es in der Einheit hervortritt und von niemandem erfahren wird.
In diesem Augenblick stellt sich heraus, dass niemand da ist. Dieses Gefühl, da sei eine Person, war bisher immer da, eine Konstante, die diesem Leben Sinn gegeben hat. All die vielen Jahre ist sie nie in Frage gestellt worden. Sie wurde so selbstverständlich für mein Ich, mein Zentrum, meinen Standort genommen, dass sie nicht einmal bemerkt wurde. Jetzt erweist sie sich als pure Erfindung. Plötzlich ist klar, dass ich nie ein Leben gehabt habe, weil es mich als ein Ich nie gegeben hat. Einen ewigen Sekundenbruchteil lang wird erkannt, dass alles einfach so gesehen wird, wie es ist, wenn kein Ich da ist. Ich lebe nicht, ich werde gelebt. Ich handle nicht, aber Handeln geschieht durch mich, die Marionette des Göttlichen.
Befreiung ist nichts Persönliches und hat nichts mit psychischen, seelischen oder „spirituellen“ Erfahrungen zu tun.
Eine Millisekunde niemand
Alle Anliegen und Belange dieses kleinen, aber ach so wichtigen scheinbaren Lebens fallen von einem Augenblick auf den nächsten weg. Aber eine Sekunde später ist das Ich wieder da und fragt: „Allmächtiger, was ...
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