Frucht oder Schale?
Was die Religionen trennt, was sie eint
Die Religion hat drei Aspekte: Wert, Ritual und Symbol. Die moralischen und spirituellen Werte sind in allen Traditionen gleich. Die Symbole und Praktiken, die Rituale und Gebräuche, die eine Lebensweise innerhalb einer Religion ausmachen, sind das, was eine Tradition von einer anderen unterscheidet und jeder ihren besonderen Reiz gibt. Die Symbole und Praktiken sind wie die Bananenschale und die spirituellen Werte, die Suche nach Wahrheit und das tief in uns wohnende Wissen, dass wir Teil des Göttlichen sind, sind die Banane. Die Menschen in jeder Tradition haben die Banane weggeworfen und halten die Schale fest.
Frucht oder Schale?
Schon in alten Zeiten hat man zwischen Wert, Ritual und Symbol unterschieden. So bezieht sich der Sanskrit-Begriff smriti auf diejenigen Praktiken, die für eine Zeit und einen Ort passend sind – diese Dinge sind zeitgebunden. Der Begriff shruti dagegen bezieht sich auf die Werte, die zeitlos gültig sind. In der richtigen Ordnung der Dinge ist das, was zeitgebunden ist, von sekundärer Bedeutung gegenüber dem Zeitlosen und Ewigen. Wenn man religiöse Konzepte vor menschliche Werte stellt, schafft das Chaos.
In allen Traditionen können wir feststellen, dass die Ordnung umgekehrt wurde. Die Menschen haben die Tendenz, das Zeitgebundene festzuhalten – die Symbole und Praktiken, die ihnen eine individuelle Identität geben – und vor die Werte zu stellen. Dann gedeiht der Fanatismus und die Unterschiede müssen verteidigt werden. Das können wir heute bei den Kriegen sehen, die in der ganzen Welt im Namen der Religion geführt werden. Wenn wir uns auf die Werte konzentrieren könnten – die größere Wahrheit, die das jeweilige Symbol repräsentiert –, dann würden die meisten Konflikte in der Welt gelöst.
Die Ego-Identifikation mit den eigenen Traditionen ist eine Blockade für die Wertschätzung anderer Traditionen.
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