Ganz werden
Das äußere Leben von innen her durchdringen
Außen wie innen, unten wie oben
Auf der inneren Reise durch die Welt wird sich der Mensch selbst unter zwei verschiedenen Aspekten sehen – einem, der innerlich ist, und einem anderen, der äußerlich ist. In dem einen ist er in Frieden in seiner Anbetung Gottes, seiner Hingabe an Seinen Willen, seiner Hingabe an die Verwirklichung des Höchsten in sich selbst. In dem anderen ringt er mit der Welt, hat er sich zur Beteiligung an den verschiedensten Angelegenheiten verpflichtet, muss er Geschicklichkeit und Vorsicht üben, muss er kalkulieren und planen, in Frage stellen und Zweifel hegen: Er muss sich anstrengen, muss sich manchmal zum Äußersten antreiben, muss im Schweiße seines Angesichtes arbeiten, bei vollem Einsatz seines Verstandes, und manchmal sein Leid unter Tränen tragen. Denn solcherart ist die menschliche Natur. Solcherart ist sein Los auf dieser Erde. Und solcherart sind die ihm gegebenen Gelegenheiten, um einen Zustand von Glückseligkeit in gerade diesem Leben zu erreichen. Durch die Erfahrung des zweiten (äußerlichen) Aspektes geschieht es, dass der erste (innerliche) dazu gebracht wird, das Ganze zu erleuchten.
So dass unten wie oben werden kann: Sein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Denn ein Mensch soll nicht zwei sein, sondern muss eins werden.
Weltliche Handlungen transformieren
So sollte er die beiden Seiten von frühester Zeit seiner Reise an nicht weiter auseinander wachsen lassen. Er wird danach trachten, dass sein inneres Sein, mit dem ihm innewohnenden Frieden und seiner Gewissheit, seinen Zustand zu allen Zeiten zu durchdringen beginnt, ohne die Signale, die von außen zu ihm kommen, zu verfälschen oder abzuleugnen.
Und während er seine weltlichen Aufgaben vollbringt, seien sie manuell, oder mental, oder künstlerisch kreativ, oder von welcher Art auch immer, wird sein Inneres sie einem Duft gleich durchdringen, von einer solchen Frische und einem solchen Wohlgeruch, dass er dabei lächeln mag. So sehr wie er sich an Gott erinnern wird, so sehr wird Gott sich seiner erinnern. Die Bewusstheit von Gottes Gegenwart transformiert seine Handlungen: selbst die allerniedrigsten Aufgaben nehmen eine Leichtigkeit und Süße an, die erfahren werden muss, um verstanden zu werden.
So, durch Gottes Gnade, und nach vielleicht ein wenig Zeit, gerät das Äußere mit dem Inneren in Schwingung: die beiden sind nicht länger entzweit, sondern beide sind ein Aspekt des einen Ganzen; so wie der Schöpfer in der Welt, die wir sehen, ebenso gegenwärtig ist wie alle Manifestationen seiner Schöpfung, in unendlicher Vielfalt.
Arbeit leicht und lächelnd tun
Und wie kann solches möglich sein? Wie durchdringt das Höhere das Niedrigere, während eine niedrige Arbeit verrichtet wird? Denn das hier Gesagte sind keine abgehobenen Verallgemeinerungen, sondern es entspringt der konkreten Erfahrung.
Beim Abwaschen des Geschirrs beispielsweise, was ist es, das da geschieht? Während der ganzen Zeit ist er im Gedenken Gottes und der Erneuerung seiner Hingabe durch Anbetung an Ihn, und damit dies möglich ist, ist er sich zunehmend seiner selbst und dessen, was er gerade tut, gewahr. So werden seine Bewegungen schneller und leichter; sein Körper wird geschmeidig, so dass er, muss er sich in die eine oder andere Richtung strecken, mit der Bewegung mitfließen wird und nicht in Steifheit stecken bleibt. Wenn er mit seinem Verstand einen schnelleren und effektiveren Weg herausfinden kann, die Aufgabe zu erfüllen, wird er ihn experimentierend annehmen.
Seine Gedanken werden keine Zeit haben, sich nutzloser Träumerei zuzuwenden. Da seine Gefühle ganz vom Höheren absorbiert sind, wird es keinen Platz für Ärger, Groll, Ungeduld, Langeweile und andere eindringende Gefühle ähnlicher Art geben. Und er wird die Aufgabe erfrischt, leicht und lächelnd beenden.

