Geld, Gut und Gott
Kernthemen der Spiritualität – meisterhaft erhellt
VORGESTELLT. Soami Divyanand, der die folgenden Wegweisungen erteilt, lehrt als spiritueller Meister seit über dreißig Jahren den Yoga der Seele, den Pfad des göttlichen Lichts und Klangs.
GELD UND SPIRITUALITÄT. Geld spielt in der wahren Spiritualität nur eine sehr geringe Rolle. Aber die Art, wie jemand mit Geld umgeht, kann ein wichtiger Hinweis darauf sein, wie aufrichtig er nach Gott strebt. Wenn wir Besitz haben und dennoch unsere Aufmerksamkeit auf Gott gerichtet halten, nehmen wir durch unser weltliches Vermögen keinen Schaden. Der indische Mystiker Kabir äußerte einmal seine Betrübnis darüber, dass seine ganze Familie finanziell ruiniert worden sei, nur weil sein eigener Sohn versucht hatte, begierig Geld anzuhäufen, und darüber vergessen hatte, sich um den spirituellen Pfad zu kümmern.
Natürlich brauchen wir Geld, um in dieser Welt zu leben. Doch gibt es keine allgemein gültigen Regeln dafür, wie jemand seine persönlichen Bedürfnisse auf ein festes Maß reduzieren soll. Zu bestimmten Zeiten haben wir vielleicht einen größeren Bedarf an Geld. Vielleicht verwenden wir unser Geld auch dazu, das Leid anderer Menschen zu lindern.
Wenn Jesus sagte, ein Reicher könne nicht ins Reich Gottes gelangen, bezog er sich dabei nicht auf Geld an sich, sondern auf die daran bestehende Bindung. Denn wer sich an seinen Besitz klammert, kann sich in der Meditation nicht über das Gemüt erheben, da seine Gedanken sich nicht von seinen materiellen Gütern trennen können.
SPIRITUELLE VERMÖGENS-BERATUNG. Die Veden erwähnen jedoch, dass der selbsttätige göttliche Klangstrom, den der ergebene Schüler im Innern hört, zwischen den weltlichen Schätzen einerseits und dem spirituellen Pfad andererseits ein Gleichgewicht herstellt. Wenn wir zu sehr von materiellen Gütern angezogen werden und dadurch unserem spirituellen Fortschritt nicht mehr genügend Aufmerksamkeit widmen können, lenkt der Klangstrom das Bewusstsein von solchen Gegenständen ab und zieht es zu den inneren Offenbarungen hin.
Auch der Wunsch, große Geldsummen für die Unterstützung von Armen und Bedürftigen zu verwenden, kann dem Fortschritt auf dem inneren Weg hinderlich sein, da er das Ego oder den Stolz des Betreffenden aufbläht. Die inneren Offenbarungen, die der Schüler auf seinem Weg empfängt, lösen jedoch allmählich die täuschende Vorstellung auf, die materiellen Schätze eines Schülers seien das Ergebnis seiner eigenen Verdienste. Er ist dann vielmehr dankbar dafür und nimmt sie als Segnungen Gottes an. Er wird dann Gott als Eigentümer seiner Güter betrachten und sich selbst nur als Schatzmeister, mit der Aufforderung, diese Güter nach Gottes Willen zu verwenden. Eine solche Einstellung bewahrt zuverlässig vor Stolz.
EIN BEISPIEL. Der islamische Mystiker Rahim beschreibt in diesem Zusammenhang eine Erfahrung, die er bei der Verteilung von Geld an die Armen machte. Während er Geldmünzen in die Hände der Bedürftigen legte, schlug er immer die Augen nieder und hielt den Kopf gesenkt. Als er nach dem Grund für dieses merkwürdige Verhalten gefragt wurde, erklärte er: „Nur einer ist es, der gibt, und das ist Gott. Diese Leute glauben jedoch, dass ich es bin, der ihnen etwas gibt, und das beschämt mich so sehr, dass ich die Augen niederschlage.“
SPIRITUELLES DIENST-VERGEHEN. Die organisierten Religionen legen stets großes Gewicht auf das Sammeln von Spenden mit der Begründung, der Menschheit dienen zu wollen. Ein solcher Dienst ist jedoch nicht immer selbstlos, wenn man ihn nicht um seiner selbst willen leistet oder dabei zwischen den Menschen, denen man dient, Unterschiede macht – indem man zum Beispiel nur denen hilft, die der eigenen Glaubensgemeinschaft angehören. Den einen zu begünstigen und den anderen zurückzuweisen und ihm – aus welchen Gründen auch immer – die Hilfe zu versagen, ist eine schwere Sünde, da ausnahmslos alle Menschen Gottes Ebenbild sind. Diese Art von Dienst dient also nicht der Läuterung des Gebers.

