KLEINE SCHRITTE – KLEINE SCHRITTE

KLEINE SCHRITTE – KLEINE SCHRITTE

Einfache Maßnahmen, die (nicht nur) das spirituelle Leben leichter machen

Beim letzten Mal (VISIONEN 4/05) ging es um die Hindernisse, die unserem Fortschritt auf dem spirituellen Pfad entgegen stehen. Hier nun einige hilfreiche Faktoren, die uns auf diesem Weg – und auch sonst im Leben – von Nutzen sind und die wir deshalb ebenfalls kennen sollten.

Ein Ideal vor Augen haben

Es gibt Kleinigkeiten, die wir nie bedenken und die dennoch unser Leben zu etwas Großem machen können. Als erstes sollten wir ein Ideal vor Augen haben. Wir aber sind vom Weg abgekommen und treiben ziellos dahin. Das ist bedauerlich. Wir graben hier, dort, an allen möglichen Stellen immer neue Brunnen – manche eineinhalb, manche zwei Meter tief, ohne irgendwo Wasser zu finden. Darum sage ich jedem von euch: Entscheidet euch für ein Ziel. Dazu braucht ihr vielleicht nur einen Tag, vielleicht auch eine halbe oder ganze Woche – das spielt keine Rolle. Aber wenn ihr euch einmal entschieden habt, dann geht Schritt für Schritt auf euer Ziel zu. Manche von euch gehen abwechselnd einen Schritt vor und wieder zurück – das kostet natürlich Zeit.

Als ich hinaus ins Leben trat, hatte ich auch großen Ehrgeiz: den Ehrgeiz, im Leben etwas zu erreichen usw. Aber ich musste mich entscheiden, und mit der Gnade Gottes fasste ich den Entschluss: „Zuerst Gott, und dann die Welt.“ Dann entwickelt sich für euch alles positiv, und alle Dinge kommen euch zu Hilfe.

Doch was tun wir? Wir treiben ziellos dahin. Wir handeln blindlings, unbesonnen, ohne uns um das Ergebnis zu kümmern. Doch der Mensch kann sich ändern. Das ist euer Vorrecht als Menschen, da ihr im Gegensatz zu den Tieren mit Unterscheidungskraft begabt seid. Auch Tiere können sehr nützlich sein, wenn ihr sie dressiert, aber der Mensch ist innerhalb gewisser Grenzen frei.

Ihr müsst euch für ein Ziel entscheiden. Und wenn ihr euch einmal entschieden habt, geht Schritt für Schritt darauf zu. Dann entwickelt sich für euch alles positiv, und alle Dinge kommen euch zu Hilfe.

Ehrlich zu sich selber sein

Zweitens: Seid ehrlich zu euch selbst. Ehe wir andere täuschen, täuschen wir zuerst uns selbst: Wir führen andere hinters Licht und missachten ihre Rechte. Wir sagen das eine und meinen etwas ganz anderes. Euer Mund sollte nur aussprechen, was euer Herz empfindet und euer Kopf denkt. Erst wenn diese drei Ebenen – Denken, Fühlen, Sprechen – übereinstimmen, seid ihr aufrichtig.

Gott ist in euch. Wenn euch bewusst ist, dass euch jemand beobachtet, könnt ihr dann etwas Falsches tun? Nein. Darum seid wahr zu euch selbst, dann habt ihr nichts auf der Welt zu befürchten.

Wer nicht aufrichtig zu sich selbst ist, wird auch andere belügen müssen. Es tut mir Leid, das zu sagen. Und warum? Weil er Angst hat, dass seine Geheimnisse ans Licht kommen. Er wird dem einen Menschen dieses sagen und dem anderen jenes, und ein oder zwei Monate später stellt er die Sache wieder anders dar. Doch ein Geheimnis bleibt nie unentdeckt! Die Katze kommt letztlich immer aus dem Sack. Ein unaufmerksamer Moment, und schon sind alle im Bilde.

Ganz bei der Sache sein

Drittens: Sorgt dafür, dass euer Gemüt nie untätig ist, denn „ein leeres Gemüt ist des Teufels Wohnstatt“. Haltet es entweder mit eurer Arbeit oder mit dem liebevollen Gedenken an Gott beschäftigt. Folgendes hilft euch dabei: Tut nur eine Sache auf einmal, und das voll und ganz. Es ist wie bei einer Kommode mit vielen Schubladen: Macht eine davon auf und befasst euch nur mit dem, was sie enthält, dann macht sie wieder zu. Öffnet jetzt die nächste und befasst euch nur mit ihr – dann erst zieht die dritte auf. So gehen euch nicht mehrere Dinge auf einmal im Kopf herum.

Wenn ihr bei der Arbeit seid, lasst euch ganz auf sie ein, denn „Arbeit ist Gottesdienst.“ Wenn ihr esst, seid ganz beim Essen, denn es ist eine Gabe Gottes. Seid ihm dankbar dafür. Wenn ihr beim Essen innerlich gesammelt seid, stärkt das euer Wohlbefinden. Auch wenn ihr eure spirituellen Übungen durchführt, seid voll und ganz bei der Sache.

Nichts unerledigt lassen

Tut also nur eine Sache auf einmal, voll und ganz, einzig und allein, und ihr werdet merken, dass ihr euch damit viele Sorgen erspart. Stellt euch folgende Szene vor: Jemand kommt, um euch zu sprechen, ihr fertigt ihn kurz ab und lasst ihn dann halb verrichteter Dinge stehen. Bald darauf kommt ein zweiter Besucher, und wenig später ein dritter und ein vierter, und auch sie lasst ihr nach ein paar Minuten einfach stehen. Was wird passieren? Sie werden sich alle so lange in eurer Nähe herumtreiben und nicht eher abziehen, bis ihr sie zufrieden stellt.

Gleich, welcher Gedanke euch also beschäftigt, kümmert euch ausschließlich um ihn: entscheidet euch endgültig für die eine oder andere Richtung. Mit wie vielen Schwierigkeiten habt ihr jeden Tag zu kämpfen? Es wird wohl mehr als eine sein! Dabei sammeln sich so viele Probleme an. Dann springen eure Gedanken zwischen ihnen hin und her und lassen euch keine Ruhe.

John Bunyan schrieb das Buch „Die Reise des Pilgers“ – vielleicht kennt ihr es. Sein Motto war: „Schreibe täglich ein festes Pensum.“ Nach dieser Devise vollendete er schließlich sein Werk. Ein anderer Mann namens Stanley lebte nach dem Motto: „Bring täglich etwas zum Abschluss.“ Das war auch meine Devise. Was ihr auch in Angriff nehmt, führt es zu Ende, egal wie lange es dauert. Dann geht ihr am Abend ganz heiter und frisch zu Bett und wacht in derselben Stimmung wieder auf. Sonst spuken euch die liegen gebliebenen Arbeiten die ganze Nacht im Kopf herum, und tagsüber plagt euch die Sorge, dass ihr noch so viel zu erledigen habt und nicht wisst, wie ihr das schaffen sollt.

In der Gegenwart leben

Viertens: „Denkt nicht so viel an die Vergangenheit und an die Zukunft.“ Was geschehen ist, könnt ihr nicht ungeschehen machen. Ihr könnt eure Lehren daraus ziehen, mehr nicht. Macht auch nicht dauernd irgendwelche Pläne für die Zukunft. Beides zehrt an eurer Lebenskraft.

Lebt in der lebendigen Gegenwart. Dann seid ihr ohne Sorgen, und euer Herz ist frei. Im Moment habt ihr den Kopf mit Gedanken an Gestern und Morgen voll – für das Hier und Heute ist darin gar kein Platz. Statt immer nur an frühere Fehler und Versäumnisse zu denken und eure Zukunft zu verplanen, dankt lieber Gott für alles, was ihr jetzt schon habt. Ihr habt es verdient, ihr habt die karmische Saat dafür gelegt – und die Zeit der Ernte ist noch nicht vorbei. Doch egal, was kommt, bringt es zu Ende, ob es euch behagt oder nicht. Auch diese Saat habt ihr in der Vergangenheit selbst gelegt, nur dass ihr nichts mehr davon wisst. Tut also euer Bestes und überlasst alles Übrige Gott oben.

Jeden Tag die Seele stärken

Fünftens: Zieht ihr nicht auch jeden Morgen als erstes eure Uhr auf? Dann geht sie 24 Stunden lang – ohne Pause, ununterbrochen. Zieht auch die Uhr eures Geistes jeden Morgen auf. Setzt euch hin und nehmt euch Zeit für eure spirituellen Übungen. Verbindet euch mit dem inneren Licht und Klang (vgl. Kasten) – dem Brot und Wasser des Lebens. Das gibt euch Kraft und Frische für den ganzen Tag. Ihr fühlt euch voller Energie und kommt gar nicht mehr dazu, andauernd über irgend etwas nachgrübeln. Und wenn ihr abends schlafen geht, dann zieht die Uhr von neuem auf.

Wenn die Seele stark ist, gewinnt auch alles andere an Energie: das Denken, die Sinne, der Körper. Woher kommt diese Kraft? Sie kommt aus eurem Selbst und wirkt in jeder Beziehung heilsam.

Mit kleinen Dinge Großes schaffen

Dies waren ein paar nützliche Faktoren, die euch helfen werden – in allen Angelegenheiten des Lebens, äußerlich wie innerlich, auch auf dem spirituellen Weg. Und was gewinnt ihr, wenn ihr euch mit ihrer Hilfe selbst umwandelt? Die Göttlichkeit, die euer Geburtsrecht ist. Diese kleinen Dinge machen den Menschen groß.

Die Christus- oder Gotteskraft ist immer in euch und wirkt stets zu eurem Besten. Sie gewährt euch in jeder Hinsicht Hilfe, Beistand und Schutz. Bleibt damit in Verbindung und vergrößert euren Fortschritt von Tag zu Tag. Ich möchte, dass ihr alle spirituelle Botschafter werdet – bessere, als ich es bin. Denn jeder Vater möchte, dass seine Kinder es weiter bringen als er selbst.

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