Leben im Geist des Zen
Der wahre Mensch des Zen geht in die Stadt unter die Menschen und lebt die Wahrheit des Zen mitten im Alltag der Welt“, erklärt Zensho W. Kopp die unbeschwerte Freiheit des Zen. „Frei und unabhängig kommt und geht er, so wie es ihm gefällt.“
Warum dem so ist, fragt Zen-Meister Zensho weiter und gibt die Antwort: „Weil er kein Sklave von Konditionierungen und Verhaltensmustern ist. Deshalb braucht er sich auch nicht von der Welt zurückzuziehen. Ganz im Gegenteil: Er wandelt mitten in der Welt der Erscheinungen in vollkommener Freiheit. Wie der Wind in den Bäumen und der Mond im Wasser befindet er sich stets in klarer Übereinstimmung mit allem. Sein Geist ist vollkommen frei von Kommen und Gehen, ohne Begrenzung, und haftet an nichts.“
Immer wieder geht es Zensho W. Kopp darum, unsere Konditionierungen, unsere festgefahrenen Denkweisen zu sprengen. Denn nur dann, wenn wir aus dem Schlummer unserer Gewohnheit erwachen, ist Transformation möglich. In früheren Zeiten meinte man, zu diesem Zweck müsse man sich von der Welt zurückziehen. In unserer christlichen Religion kennen wir die Wüstenväter, die sich als Anachoreten und Eremiten in die Einsamkeit der Wüste zur Meditation zurückzogen. Sie machten dabei ganz bestimmte innere Erfahrungen, doch was wäre davon geblieben, wenn sie wieder mitten in der „Welt“ gelebt hätten? Sicher kann es von Vorteil sein, sich einmal für eine gewisse Zeit von allem zurückzuziehen. Doch wer erfahren durfte, dass das ganze All erfüllt ist mit der Fülle Gottes, kann mitten in der Welt der Erscheinungen in vollkommener Freiheit leben.
Die Wirksamkeit der Gnade
Es geht letztlich darum, dass wir zur Wirklichkeit des Geistes erwachen. Wenn der Mensch sich mehr und mehr innerlich voller Hingabe für diese Wirklichkeit öffnet, „umso mehr wird ihm die Gnade als das Wirken des göttlichen Seins zuteil werden. Und je mehr sie in ihm wirkt, umso mehr wird er zu immer größerer und stärkerer Hingabe fähig.“
„Die innere Begegnung mit dem Göttlichen bleibt immer ein Geschenk und geschieht allein aus Gnade. Alle heiligen Schriften enthalten den Begriff der Gnade und verkünden, dass Erleuchtung und Erlösung nur durch Gnade erreichbar ist...Wer glaubt, er müsse nur bestimmte meditative Methoden anwenden, mit denen er dann ganz automatisch ans Ziel seines geistigen Strebens gelangt, unterliegt einem gewaltigen Trugschluss. Die großen Mystiker, als die Kenner des geistigen Weges, haben stets auf diesen Irrtum eines spirituellen Materialismus hingewiesen“, sagt Zensho.
„Wir dürfen uns nicht der Hoffnung hingeben, dass uns die göttliche Gnade aus irgendeiner blinden Laune heraus anrührt. Wir dürfen nicht hoffen, dass wir die Gnade uns nur zu erbitten brauchen oder gar erzwingen können mit einer ‘New-Age-Technik’ des positiven Denkens. Wollen wir der Gnade, als dem Wirken der göttlichen Liebe, teilhaftig werden, dann gibt es keinen anderen Weg, als uns in unserem eigenen Tun und Wollen zurückzunehmen, so dass die göttliche Liebe in uns wirken kann.“
Es geht letztlich darum, dass wir zur Wirklichkeit des Geistes erwachen.
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