Milarepas tiefste Lehre
Eine tantrische Weisheitsgeschichte
Zeit zum Abschiednehmen
Unter Hinweis auf ein altes Gelübde, das Gampopa an Zentraltibet band, schickte Jetsün Milarepa seinen Son nengleichen Schüler von sich fort. Beim Abschied erklärte Milarepa: „Ich will dich noch ein Stück des Weges nach Ü begleiten und werde mit dir bis nach Jamboche gehen. Dort möchte ich dir noch einige Belehrungen geben.“
Als sie an einem kleinen Fluss ankamen, über den eine Steinbrücke führte, erkannte Milarepa dies als Zeichen dafür, dass nun der Augenblick des Abschieds gekommen war.
Gemeinsam setzten sie sich auf eine Wiese an das Ufer des Flusses. Milarepa nahm Gampopas Hand und sagte: „Sei fortan frei von Stolz und Selbstsucht. Durchschnei de die Bande der Zuneigung und Anhaftung, und gib alle Wünsche an das weltliche Leben auf. Achte darauf, dich nicht von den Ansichten jener anstecken zu lassen, die unter dem Einfluss der drei Geistesgifte stehen. Meide vor allem die Gesellschaft jener, die von Hass, Habgier und großer geistiger Unwissenheit bewegt werden. Sei immer so achtsam wie ein kleiner vorsichtiger Spatz oder wie ein verwundetes Reh. Empfinde keinen Stolz auf deine Disziplin, denn damit vergiftest ...
Leicht gekürzt mit freundlicher Genehmigung aus: Sylvia Luetjohann, Tantrische Weisheitsgeschichten, Windpferd Verlag, 2006
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