Ohne Ehrgeiz zum Erfolg

Ohne Ehrgeiz zum Erfolg

Spirituelle Arbeitspraxis, meisterhaft vorgelebt

Gute Arbeit leisten ohne Leistungsdenken, ohne Streben nach Erfolg oder großes Interesse an der Sache – geht das überhaupt? Ja, wenn das Tätigsein einer vertrauensvollen und gleichmütigen spirituellen Geisteshaltung entspringt

VOR(AN)GESTELLT. Soami Divyanand , geboren 1932, lehrt seit über 35 Jahren den Yoga der Seele, den Pfad des göttlichen Lichts und Klangs, der in allen heiligen Schriften bezeugt ist. – Wie bei autobiografischen Zeugnissen spiritueller Persönlichkeiten nicht unüblich, sind die folgenden Lebenserinnerungen in der dritten Person erzählt.

SPIRITUELLE „KARRIEREPLANUNG“. Während wir auf dem spirituellen Pfad sind, sollten wir lernen, unsere Zukunft in Gottes Obhut zu stellen, denn eigenes Pläneschmieden zeugt von einem Mangel an Vertrauen. Solange wir in der Täuschung verharren, selbst über unser Schicksal zu bestimmen, bleiben wir im Netz von Geben und Nehmen verstrickt und müssen die Früchte – die Rückwirkungen – unseres Handelns ernten.

Geben wir solche Pläne jedoch auf, werden wir für die unmittelbare göttliche Inspiration durch die inneren Offenbarungen empfänglich, so dass wir uns in allem direkt von Gott leiten lassen. So ist es am besten, in der Gegenwart unsere Pflicht – sei sie beruflicher oder anderer Art – nach besten Kräften zu erfüllen und uns hinsichtlich unserer Zukunft der Führung unseres Meisters zu überlassen.

EINE SELTSAME MISCHUNG. Soamijis Ausbildung und berufliche Laufbahn war eine seltsame Mischung aus Pflichtbewusstsein, Fleiß und Erfolg einerseits und innerer Distanz oder Interesselosigkeit andererseits. In keiner Tätigkeit entwickelte er besonderen Ehrgeiz, und so staunte er gelegentlich selbst darüber, dass er Erfolg hatte und für seine Leistungen stets geachtet wurde.

In früher Jugend entwickelte er den Wunsch, Medizin zu studieren, da er bereits in sehr jungen Jahren seinem Vater in der Arztpraxis assistiert hatte und glaubte, als Arzt anderen Menschen helfen zu können. Sein Vater hatte jedoch andere Pläne für ihn, die eher auf praktische Erwägungen zurückgingen, und so schickte er den Jungen zur Aufnahmeprüfung für das Studium der Ingenieurwissenschaften an der Universität von Roorkee.

Soamiji war damals erst 16 Jahre alt und hatte gerade erst seinen höheren Schulabschluss gemacht, während viele Studienanwärter bereits einen Hochschulabschluss vorzuweisen hatten. Von den 8.000 zur Aufnahmeprüfung eingeladenen Kandidaten sollten nur 80 zum Studium zugelassen werden. Trotz seiner geringen Erfolgsaussichten war Soamiji jedoch zuversichtlich und bestand nach intensiver Vorbereitung tatsächlich die Prüfung.

EINE SELTSAME INNERE DISTANZ. Obwohl dies eigentlich ein Grund für ihn gewesen wäre, stolz und glücklich zu sein, konnte er keine große Befriedigung daraus schöpfen, und als sein Vater ihn fragte, ob er denn lieber etwas anderes studieren wolle oder ob ihm eine andere berufliche Laufbahn vorschwebe, konnte er diese Frage nicht beantworten. Er empfand nur auf unbestimmte Weise, dass der Gedanke an seine berufliche Zukunft, gleich wie sie sich gestalten würde, ihn nicht im Innersten berührte.

Nach erfolgreichem Studienabschluss und längerer Tätigkeit als Ingenieur übte er umständehalber wiederholt auch andere Berufe aus. Obwohl er in allen Funktionen, die er innehatte, stets in dem Ruf stand: „Ihm ist keine Arbeit zu viel“ und „Er findet immer eine Lösung“, machten ihn die Wertschätzung seiner Vorgesetzten und Kollegen oder der Erfolg in einem seiner Tätigkeitsbereiche nie wirklich glücklich.

DES RÄTSELS LÖSUNG. Lange Zeit hindurch arbeitete er nicht weniger als vierzehn Stunden am Tag, doch niemand, der ihn dabei beobachtete, hätte gedacht, dass er im Grunde kein Interesse an seiner Arbeit hatte.

Erst sein Meister Sant Kirpal Singh konnte ihm erklären, dass die Ursache für diese Interesselosigkeit im spirituellen Bereich lag: Eine Seele, die sich mit Gott verbunden hat und die von Gott zur Erlösung ausersehen ist, lässt sich niemals an äußeren Erfolg binden. Ein solcher Mensch erfüllt seine Pflichten in der Welt zwar gewissenhaft, aber innerlich losgelöst.

KLÄRUNG VON BERUFSPROBLEMEN. Diese Gelassenheit führt ihn auch unbeschadet durch schwierige berufliche Situationen hindurch. Dazu zwei Beispiele aus Soamijis Arbeitsleben.

Plötzlicher Arbeitsverlust. 1974 arbeitete Soamiji für die Gemeindeverwaltung von Saharanpur und genoss auch hier bei Kollegen und Vorgesetzten den Ruf eines ehrlichen, fleißigen Menschen.

Eines Tages erhielt er vom Bürgermeister die Nachricht, er sei ab sofort vom Dienst suspendiert. Eine solche Entscheidung wurde gewöhnlich nur getroffen, wenn sich ein Mitarbeiter unehrenhaften Betragens schuldig gemacht hatte wie etwa der Unterschlagung oder ähnlicher Arbeitsvergehen. Soamiji wusste jedoch, dass er sich nichts hatte zuschulden kommen lassen, was diese Entscheidung gerechtfertigt hätte, und nahm diesen Schlag als das Ergebnis eigenen Karmas aus früheren Lebensläufen hin.

Und obgleich er in dieser Zeit sogar Gelegenheit hatte, in Delhi persönlich mit seinem Meister zusammenzutreffen, sprach er das Problem seiner vorläufigen Entlassung nicht an. Seine Frau war darüber verärgert und stellte ihn deshalb zur Rede. Daraufhin erklärte er ihr: „Wenn wir in Bedrängnis sind, brauchen wir den Meister nicht darüber zu befragen, denn in seiner Allwissenheit wird uns seine Hilfe in dem Augenblick zuteil, in dem wir sie brauchen. Er weiß auch ohne unsere Worte, was uns bedrückt, und so ist es nicht nötig, mit ihm darüber zu sprechen.“

Schon drei Tage nach der schriftlichen Mitteilung seiner Suspendierung rief Soamijis Vorgesetzter ihn zu sich und erklärte ihm, die ganze Sache täte ihm sehr Leid. Es habe schwer wiegende Vorwürfe gegen ihn gegeben, die ihn als Vorgesetzten zu diesem Schritt veranlasst hätten; die Zweifel an seiner Ehrenhaftigkeit seien jedoch restlos ausgeräumt. Er bitte ihn deshalb, seinen gewohnten Dienst wieder anzutreten.

Berufliche Ungewissheit. Als Soamiji nach einer beruflichen Umorientierung seine Tätigkeit als Ingenieur wieder aufnahm, bekam er zuerst nur eine befristete Stelle. Er hegte jedoch den Wunsch nach einer festen Übernahme in den Staatsdienst. Das Gremium, das darüber zu befinden hatte, brachte ihm zwar sehr viel Wohlwollen und Wertschätzung für seine Arbeit entgegen, teilte ihm aber gleichzeitig mit, er sei für eine Verbeamtung leider bereits zu alt.

Doch eines Tages zeigte ihm der Meister in einer Vision einen Brief und sagte: „Nimm diesen Brief. Er enthält die Zusage für deine Festanstellung auf deinem jetzigen Posten.“ Soamiji war deswegen sehr überrascht, da nach menschlichem Ermessen keinerlei Aussicht auf die Erfüllung seines Wunsches bestand. Zudem hatte er auch diesmal weder darum gebetet noch seinem Meister davon erzählt.

Zwei Tage später traf tatsächlich ein Schreiben der zuständigen Behörde ein: Man habe seinen Fall nochmals überdacht und beschlossen, ihn unter Berücksichtigung besonderer Gründe nun doch in den Staatsdienst aufzunehmen.

Soami Divyanand Kontakt:www.dsforg.net

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