Buchtipps

Scott Ski
Bewegend – Unglaublich wahre Geschichten
- Mehr zum Buch

Riesiges Geheimnis

Riesiges Geheimnis

Die gigantischen Mammutbäume scheinen fast unsterblich zu sein. Ihre unglaubliche Widerstandsfähigkeit wird nur durch einen Schwachpunkt bedroht – den sie jedoch auf bewundernswerte Weise zu einer Stärke machen. Wie das geht, können wir von ihnen lernen.

Uralte Giganten

Die gigantischen Mammutbäume (Sequoiadendron giganteum; Gattung der Sumpfzypressengewächse) sind eine der größten Lebensformen der Erde. Und sie gehören nicht nur zu den größten, sondern auch zu den ältesten. Diese majestätischen Bäume kommen nur am Westhang der Sierra Nevada Bergkette in Kalifornien natürlich vor. Sie ragen bis zu einhundertfünfunddreißig Meter auf, mehr, als ein Fußballfeld lang ist. Der Stamm kann einen Durchmesser von bis zu zwölf Metern erreichen und die Krone bis zu fünfunddreißig Metern, das entspricht der Breite eines Fußballfeldes.

Mammutbäume scheinen fast unsterblich zu sein. Der älteste bekannte Mammutbaum wurde dreitausendzweihundert Jahre alt. Es gibt lebende Exemplare die zweitausendsiebenhundert Jahre alt sind, das heißt sie entstanden siebenhundert Jahre vor Christi Geburt. Stellen Sie sich eine Lebensform vor, die mehr als ein halbes Jahrtausend vor Christus gelebt hat, noch vor der Entstehung des römischen Reiches, und seitdem alle nachfolgenden Herrscher, Imperien, Königreiche und Nationen überlebt hat. Selbst wenn man wie ein Zwerg vor ihnen steht und den Blick in überwältigtem Staunen in die Höhe schweifen lässt, scheint es unmöglich, die unglaubliche Größe, das biblische Alter und die monumentale Statur dieser Bäume zu begreifen.

Stark und doch verletzlich

Prächtig, gebieterisch, uralt; das Überlebensgeheimnis der Mammutbäume liegt tief in ihren großen, hohen Wäldern verborgen. Mit ihrem schwer entflammbaren Saft können sie lodernde Waldbrände überleben. Der hohe Tannin-Gehalt in Holz und Borke schützt sie vor Krankheiten, hält Käfer und Pilze fern und hilft, Erkrankungen und Beschädigungen zu heilen. Die Sprödigkeit des Holzes macht den Mammutbaum als Baustoff unbrauchbar, so dass er auch vom Menschen verschont bleibt.

Und doch, so gewaltig und widerstandsfähig der Mammutbaum ist, er hat nur ein sehr flaches Wurzelsystem und keine Pfahlwurzel, die ihn ankert. Unterhalb der Oberfläche sind die übermächtigen Mammutbäume ungewöhnlich zart und höchst verletzlich, so dass sie leicht umstürzen können – so ziemlich die einzige Bedrohung ihrer annähernden Unsterblichkeit. Natürliche äußere Einflüsse wie starke Winde oder Wurzelschäden in Verbindung mit Trockenheit, Bodenerosion oder zu viel Wasser durch Regen oder Überflutung können sie leicht zu Fall bringen.

Ein geniales Überlebens-Konzept

Doch der Mammutbaum hat noch ein unsichtbares Geheimnis, das ihn so lange überleben lässt. Er wächst nur in Hainen und erlaubt seinen zarten Wurzeln, sich mit den Wurzeln der anderen Mammutbäume ringsherum innig zu verweben. Der Muskel der Gemeinschaft, tief miteinander verbunden zu sein, gibt dem Mammutbaum seine Stärke und Langlebigkeit. Diese bemerkenswerte Eigenschaft gibt uns ein großartiges Beispiel, es ihm in unseren Gemeinschaften gleich zu tun, in unseren Familien, auf der Arbeit, in der Nachbarschaft und mit Fremden. In ziemlich jedem Lebensbereich erwächst die Bewältigung von Schicksalsschlägen und eine sichere Lebenskraft aus Nähe und Austausch, selbst mit denen, die wir nicht sehen, jenen „Bäumen“ am Rande unseres Hains.

Wenn Sturm aufkommt und versucht, uns umzuwerfen, wenn unsere Wurzen zu schwach sind, um uns Halt zu geben, dann ist es die Verflechtung von Beziehungen, die uns aufrecht hält und weitertragen kann.

Angefangen bei unseren Wurzeln, bis hinauf zu den höchsten Spitzen, die irgendwer anstreben mag, sollten wir die Tiefe der Beziehungen untereinander wirklich würdigen und nähren. Wenn wir uns dem widmen, wird die Welt vielleicht eines Tages wie der Mammutbaum in stiller Größe für das stehen, wofür wir eingetreten sind und wie wir gewachsen sind – gemeinsam.

AGBCopyright & DatenschutzImpressumKleinanzeige aufgeben