SPIRITUELLE WUNSCH-ERFÜLLUNG

SPIRITUELLE WUNSCH-ERFÜLLUNG

Teil 1: Wunscherfüllung als Fortschritt smotor

„Alles, was wir tun, zieht immer neue Wünsche und weltliche Bindungen nach sich. Damit wir wunschlos werden und zu Gott heimkehren können, erfüllen die Meister des inneren Pfades unsere Wünsche so, dass wir auch spirituell davon profitieren.“

VORGESTELLT. Soami Divyanand, der die folgenden Wegweisungen erteilt, lehrt als spiritueller Meister seit über 30 Jahren den Yoga der Seele, den Pfad des göttlichen Lichts und Klangs. Mit dem spirituellen Sprach-Code der heiligen Schriften, der sich auf dem inneren Offenbarungsweg erschließt, entschlüsselte er bereits die Veden und wesentliche Teile der Gita, der Bibel und des Korans – eine grundlegende Voraussetzung für das Verständnis der inneren Einheit der Religionen.

FRAGE: Warum ist es nötig, die weltlichen Freuden aufzugeben, wenn wir den Pfad der Spiritualität gehen wollen?

ANTWORT: Wenn sich unsere weltlichen Wünsche erfüllen, dann ziehen sie Vergnügen, Bindung und Ego nach sich, und wenn die Dinge unseren Wünschen zuwiderlaufen, dann sind Ärger und Gier die Folge. Auf diese Weise führen die Wünsche nach weltlichen Dingen unweigerlich zu Vergnügen, Bindung, Ego, Ärger und Gier. Da sich unsere Aufmerksamkeit dann ständig auf weltliche Dinge richtet, ist sie von Gott abgewandt. Deshalb müssen wir den weltlichen Freuden den Rücken kehren, wenn wir auf unserem Weg zu Gott fortschreiten wollen.

Mit wachsendem Gottvertrauen reift in uns die Gewissheit: „Euer Vater weiß ja, was ihr braucht, bevor ihr ihn bittet“ (Mt 6,8), und wir hören allmählich auf, uns unsere Wünsche selbst zu erfüllen.

FRAGE: Können Sie dazu ein Beispiel geben?

ANTWORT: Angenommen, ich spiele im Lotto und gewinne ein paar Millionen Euro. Um meinen Reichtum auszukosten, kaufe ich mir ein Flugzeug und will natürlich auch damit herumfliegen. Das macht mir so viel Spaß, dass ich jeden Tag in die Lüfte steige. Nach ein paar Wochen habe ich mich so sehr an diese Ausflüge gewöhnt, dass ich sie nicht mehr missen will.

Solange ich noch kein Flugzeug besaß, hatte ich auch nicht den Wunsch, nur so zum Spaß durch die Gegend zu fliegen; seit ich aber Gelegenheit hatte festzustellen, wie schön das ist, habe ich ein immer stärkeres Bedürfnis danach entwickelt, so dass ich nun nicht mehr darauf verzichten kann.

Es dauert nicht lange, bis mir aus dieser ersten Bindung weitere Bindungen erwachsen. Denn um jeden Tag ausfliegen zu können, muss ich zum Beispiel dafür sorgen, dass meine Maschine immer einsatzbereit ist und dergleichen mehr.

Als nächstes entwickle ich Stolz. Wenn ich so in meinem Flugzeug sitze, habe ich das Gefühl, eine bedeutende Persönlichkeit zu sein, denn schließlich habe ich ein Flugzeug und die meisten anderen Leute nicht. Dabei mache ich mir gar nicht klar, dass ich dieses Privileg nur meinem Karma verdanke und folglich keinen Grund habe, mir etwas darauf einzubilden. Mein Ego ist aber so groß, dass ich mir trotzdem etwas darauf zugute halte

Dieses Beispiel zeigt, dass weltlicher Genuss nicht nur Freude hervorbringt, sondern auch Bindung und Stolz.

FRAGE: Bleiben wir einmal bei der Freude. Wenn mir das Flugzeug und das Fliegen schon in die karmische Wiege gelegt sind, warum darf ich dann nicht auch Gefallen daran finden?

ANTWORT: Es ist sogar unausweichlich, dass ich daran Gefallen finde. Denn bereits vorhandene Wünsche können nicht unterdrückt werden und müssen sich irgendwann auswirken: Das Schicksal beschert mir das Flugzeug nur deshalb, weil ich schon in einem früheren Leben mit dem Fliegen Bekanntschaft gemacht und mir gewünscht habe, diese schöne Erfahrung möglichst oft zu wiederholen, wann immer ich will.

Jede einzelne unserer Handlungen (und dazu zählen auch unsere Gedanken!) lässt einen Eindruck in uns zurück. Esse ich zum Beispiel ein bestimmtes Gericht, dann prägen sich mir dabei alle möglichen Einzelheiten ein: wie es riecht, wie es aussieht, wie es schmeckt, ob es heiß oder kalt ist usw. Komme ich später oder im folgenden Leben wieder mit dieser Speise in Berührung, fallen mir sämtliche Daten wieder ein, und ich bekomme erneut Appetit darauf. Beim Essen fällt mir ein, wie ich das Gericht noch verfeinern kann, und ich fange an, es immer raffinierter zuzubereiten. Das bringt mich auf die Idee, ein Buch darüber zu schreiben, um damit berühmt und reich zu werden, und so weiter und so fort... So ruft ein und derselbe Eindruck weitere Wünsche und Handlungen hervor, die ihrerseits neue Eindrücke, Wünsche und Handlungen nach sich ziehen.

Die Folge ist eine immer stärkere Bindung an die Welt, die dazu führt, dass wir in immer neuen Verkörperungen hierher zurückkommen müssen. Gleichzeitig wächst auch unser Ego weiter an. Das Ego ist unser „Ich-“ und „Mein-Sinn“, das alles Gute, was wir im Leben erfahren und erreichen, als eigene Leistung verbucht. Daraus leitet es den Anspruch ab, dass ihm die Früchte seiner Handlungen von Rechts wegen zustehen, weshalb es alles bekämpft, was ihm diesen „Lohn“ verwehrt oder streitig machen könnte.

FRAGE: Und bleiben diese Früchte aus, entwickelt es Ärger und Gier...

ANTWORT: Ja, und damit sind wir wieder bei unserem Beispiel. Denn angenommen, mein Sohn kommt nun ebenfalls auf den Geschmack und leiht sich mein Flugzeug mehrere Tage nacheinander aus, dann werde ich zuerst frustriert und enttäuscht sein, weil ich in dieser Zeit darauf verzichten muss, meiner Leidenschaft zu frönen, und sehr bald werde ich auch ärgerlich auf ihn. Um diesen unerfreulichen Zustand zu beenden, wünsche ich mir noch mehr Geld, damit ich mir ein zweites Flugzeug leisten kann, das mir allein gehört, und so gesellt sich zu allen anderen Übeln noch die Gier.

Genauso geht es uns mit allem, was wir in dieser Welt tun: Die so genannten fünf Leidenschaften – Vergnügen, Bindung, Stolz, Ärger und Gier – heften sich an alle unsere Handlungen und rufen immer neue Wünsche hervor. Die Folge ist, dass wir nie zufrieden sind.

FRAGE: Wenn Wünsche aber solche Hindernisse sind, wieso steht dann in den Veden, dass die Meister kommen, um uns unsere Wünsche zu erfüllen?

ANTWORT: Die Meister sind mit der Aufgabe betraut, uns aus der Welt wieder zu Gott zurück zu führen. Dazu müssen sie für den Abbau der irdischen Bindungen sorgen, die aus unseren weltlichen Eindrücken und Wünschen entstanden sind. Wenn sie uns zu diesem Zweck unsere Wünsche erfüllen, dann grundsätzlich so, dass diese Wünsche unseren Weg nicht länger behindern, sondern unserem Fortschritt dienlich sind.

FRAGE: Das heißt, wir bekommen nicht nur unsere Wünsche erfüllt, sondern haben außerdem noch spirituellen Gewinn davon? Das müssen Sie erklären.

ANTWORT: Um nur ein ganz kleines Beispiel zu nennen: Angenommen, ich sitze beim Meister im Vortrag, und es ist so heiß, dass ich denke: „Entweder falle ich gleich in Ohnmacht oder ich muss hier raus!“, und er bittet im nächsten Moment jemanden, das Fenster zu öffnen, dann bin ich nicht nur erleichtert, weil mein Wunsch nach Kühlung erfüllt wurde, sondern mir wird auch bewusst, dass der Meister ganz genau weiß, was ich im Herzen habe und sogar in geringfügigen Dingen für mich sorgt – um wie viel mehr dann in den großen! Dieses Vertrauen wächst mit jeder weiteren Erfahrung dieser Art und bewirkt, dass ich allmählich davon ablasse, mir meine Wünsche selbst erfüllen zu wollen oder andere dafür einzuspannen, weil ich mir sicher bin: „Der Meister weiß, was ich brauche, und wird es mir zur rechten Zeit geben, wenn es gut für mich ist“, oder wie Jesus sagte: „Euer Vater weiß ja, was ihr braucht, bevor ihr ihn darum bittet“ (Mt 6,8).

Wegweisungen: Soami Divyanand

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