SPIRITUELLE ZAHLEN-SYMBOLIK

SPIRITUELLE ZAHLEN-SYMBOLIK

Jesus und die Zahl 4

Jesus lehrte wie andere spirituelle Meister vor und nach ihm den inneren Erlösungsweg der Seele zu Gott. Auf diesem Weg spielt die Zahl 4 eine zentrale Rolle.

VORGESTELLT: Der Autor. Soami Divyanand lehrt als spiritueller Meister seit über 30 Jahren den Yoga der Seele. Mit dem spirituellen Sprach-Code der heiligen Schriften hat er bereits die vier Veden und wesentliche Teile von Bibel und Koran entschlüsselt – eine grundlegende Voraussetzung für das Verständnis der inneren Einheit der Religionen.

VIER SEELENSPEISEN. Das Neue Testament schildert immer wieder Begebenheiten, wo Jesus alltägliche Fragen in einen spirituellen Zusammenhang stellt und gleichnishaft beantwortet. Als die Jünger einmal wissen wollen, ob er Hunger hat, entgegnet er zum Beispiel: „Ich lebe von einer Speise, die ihr nicht kennt“ (Joh 4,31). Kurz darauf greift er in gleicher Weise einen weiteren Gedanken aus der äußeren Erlebniswelt der Jünger auf: „Sagt ihr nicht: Noch vier Monate bis zur Ernte? Ich aber sage euch: Blickt umher und seht, dass die Felder weiß sind, reif zur Ernte. Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, so dass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen“ (Joh 4,35-36).

Mit den vier Monaten, die es noch bis zur Erntezeit dauert, nimmt Jesus symbolisch wieder auf die himmlische Speise Bezug, von der er schon gesprochen hat. Sie umfasst vier Arten von Nahrung für die Seele, die deren spirituelle Entwicklung fördern und lenken:

  1. das göttliche Licht. Es ist die erste Offenbarungs-Art, durch die sich Gott der Seele in der Meditation auf 12 verschiedene Erscheinungsweisen zeigt.
  2. den göttlichen Klang. Er zieht die Seele mit seinen 11 Erscheinungsformen über die materielle Ebene auf die spirituellen Ebenen empor.
  3. den Strom der göttlichen Weisheit. Er ist aus den einzelnen heiligen Schriften auch als „Wasser des Lebens“, „Wort“, „Nektar“, „Honig“ oder „Soma“ bekannt. Seine acht Erscheinungsformen schützen die Seele vor negativen Einflüssen, inspirieren sie in allen Lebenslagen zum rechten Denken, Reden und Handeln und lassen sie immer Gott-ähnlicher werden.
  4. den Gottessohn oder Gottmenschen selbst. Er ist die lebende Verkörperung all dieser Offenbarungsformen, das „Fleisch gewordene Wort“, „eins mit dem Vater“ und damit Gott in menschlicher Gestalt.

VIER „MONATE“ REIFEZEIT. Die Ernte ist diesem spirituellen Zusammenhang die Vollendung des spirituellen Weges. Diese Ernte können die Jünger erst einbringen, wenn die vier „Monate“ Reifezeit ins Land gegangen sind. Doch bereits im selben Augenblick, in dem der Gottessohn vor ihnen steht, zuihnen spricht und mit ihnen zusammen ist, können sie mit ihrer Aufmerksamkeit durch seine Ausstrahlung die Früchte aller vier göttlichen Offenbarungsformen gleichzeitig empfangen.

Eine Seele braucht mehr als ein einziges Leben bis zur spirituellen Vollendung, in der Regel vier.

Die Offenbarungen, die der Schüler unter der Führung des lebenden Meisters auf dem spirituellen Weg aufnimmt, sind zugleich Früchte und Samen: sie sättigen und erfüllen ihn mit innerem Glück und sie führen ihn zu weiteren, höheren Offenbarungen, die ihn der Vollendung stetig näher bringen.

Der Sämann ist der spirituelle Meister, der die Saat des „Wortes“ in die Seele legt und sich gemeinsam mit dem Schüler an der immer enger werdenden inneren Verbindung freut.

VIER LEBEN. „Einer sät, und ein anderer erntet“, erklärt Jesus weiter. „Ich habe euch gesandt zu ernten, wofür ihr nicht gearbeitet habt. Andere haben gearbeitet, und ihr erntet die Früchte ihrer Arbeit“ (Joh 4,37-38). Während Jesus zuvor von sich selbst als dem Sämann sprach, macht er nun deutlich, dass schon andere – also mehrere Personen – vor ihm die Arbeit geleistet haben, deren Früchte seine Jünger jetzt ernten sollen.

Damit verweist er auf eine Tatsache, die auch von Meistern im Osten gelehrt wird: dass eine verkörperte Seele die spirituelle Vollendung nicht in nur einem einzigen Leben erlangen kann, sondern mehrere Lebensläufe dazu braucht. Dabei benötigt sie jedes Mal wieder die Einweihung und Führung des lebenden Meisters ihrer Zeit, der ihr als „guter Hirte“ zugeteilt ist. Diese Meister sind die „anderen, die gearbeitet haben“.

EIN BESONDERES PRIVILEG. Um ihren Heimweg zu Gott ohne Unterbrechung zu vollenden, genießen die Initiierten eines lebenden Gottessohnes das besondere Privileg, in ihrem nächsten Leben wieder den menschlichen Körper zu erhalten, erneut auf den Pfad zu Gott gestellt zu werden und in höchstens vier Lebensläufen die Erlösung zu erreichen. So will es das göttliche Gesetz, auf das sich Jesus fortlaufend beruft. Wenn jemand als Neuling zur Herde des göttlichen Seelenhirten stößt, hat er also maximal drei weitere Inkarnationen vor sich, während andere „Mit-Schüler“ sich schon im zweiten, dritten oder gar letzten „Durchlauf“ befinden.

VIER ENTWICKLUNGS-STUFEN. Es gibt eine Richtschnur, nach der jeder Initiierte eines vollendeten Meisters seinen Standort innerhalb dieser Stufenfolge selbst bestimmen kann.

Die erste Stufe:

Wer zum ersten Mal die Initiation erhält, kehrt dem Meister sogleich wieder den Rücken und lässt sich nie wieder bei ihm sehen.

Die zweite Stufe:

Erst nach der nächsten Initiation im zweiten Leben sucht der Schüler von sich aus den Kontakt zum Meister. Er ist aber noch so sehr an weltliche Dinge gebunden, dass er sich von ihm nur materielle Vorteile erhofft. Den spirituellen Reichtum, den er sich erwerben könnte, weiß er noch nicht zu würdigen, und so ist er mit nichts zufrieden und beklagt sich über den schlechten Einfluss der Meditation und fehlende Unterstützung durch den Meister. Dennoch fühlt er sich so stark von dessen göttlicher Ausstrahlung angezogen, dass er wohl oder übel immer wieder seine Nähe sucht.

Die dritte Stufe:

Beim Initiierten „dritten Grades“ ist dieser Drang noch ausgeprägter. Er kommt regelmäßig zum Meister und lauscht mit Interesse seinen Worten. Dennoch weiß er vieles immer noch besser als er. Er wagt es jedoch nicht mehr, den Meister offen zu kritisieren, denn er hat inzwischen so viel Respekt, dass er lieber Zurückhaltung übt und sich denkt: „Immerhin ist er der Meister.“

Die vierte Stufe:

Schüler der letzten Stufe schließlich zeichnen sich durch Freude am Meditieren und am selbstlosen Dienen aus. Sie sind von dem Wunsch beseelt, im „Weinberg des Herrn“ mitzuhelfen und lassen nichts auf ihren Meister kommen. Diese fortgeschrittenen Schüler erfreuen sich die ganze Zeit über am hörbaren inneren Klangstrom, einer Offenbarungsweise des „Wortes“. Im Gegensatz zu dem Klang, der auf die Anfangs- Offenbarungen des Lichtes folgt (s.o.), nimmt der Schüler diesen Tonstrom nun ohne eigenes Bemühen wahr, also auch außerhalb der Meditation.

Insgesamt sieht die Entwicklung von der ersten bis zur vierten Stufe so aus, dass der Schüler dem Meister zunehmend mehr vertraut und sich immer stärker für sein spirituelles Ziel einsetzt.

BEISPIELE AUS JESU JÜNGERSCHAR. Auch die Jünger Jesu zeigen teilweise Verhaltensweisen, die darauf schließen lassen, dass sie noch eine gewisse Reifezeit zu erwarten haben.

Als eine stadtbekannte Sünderin mit kostbarem Öl kommt, um Jesus die Füße zu salben, werden einige von ihnen unwillig und bemängeln: „Das hätte man doch teuer verkaufen können! Das Geld hätte man besser den Armen gegeben!“ Jesus jedoch schaut nur auf die Seele der Frau und nimmt ihr Opfer liebevoll an. (Vgl. Mk 14, 3 und Lk 7,37.)

VIER LEBEN – VIER MEISTER? Auch Jesus selbst fiel nicht einfach „als Meister vom Himmel“. Er kam zwar als besonders hoch entwickelte Seele zur Welt, bedurfte aber bis zu seiner Vollendung ebenfalls noch der Taufe (Einweihung, Initiation) und Führung durch einen lebenden Meister. Dieser Meister war Johannes den Täufer, dessen Geburtstag wir jährlich am Johannis-Tag, dem 24. Juni, feiern. (Vgl. die aktuelle Folge von „Heilige Zeiten“ in diesem VISIONEN-Heft.)

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