Spiritualität und Verantwortung
Ein Gespräch mit Bruder David Steindl-Rast
Wie siehst du denn die derzeitige Entwicklung der katholischen Kirche unter dem neuen Papst?
Nun, Päpste kommen, Päpste gehen. Meine persönliche Meinung ist, dass die Institution der Kirche sich grundlegend ändern muss, um wieder christlich zu werden. Der Papst als Pontifex ist mit diesem Titel Nachfolger der römischen Kaiser. Das früheste Credo im Christentum war: Jesus Christus ist Herr – Kyrios. Das galt als Hochverrat, denn Kyrios war bis dahin nur einer – der Kaiser. Wenn Jesus nun Kyrios ist, dann ist der Kaiser nicht mehr Kyrios. Jesus war Mystiker und Revolutionär, ein gewaltfreier Revolutionär. Er hat das Herrschaftssystem, das im römischen Kaiser verkörpert war, durch das Reich Gottes ersetzt und die Machtpyramide durch die Koinonia, die geschwisterliche Gemeinschaft. Doch dann hat der Papst die Spitzenstelle in dem Machtsystem übernommen.
Das mag historisch alles verständlich sein und hat vielleicht sogar bisher eine Funktion gehabt. Doch wenn man heute klar sieht, dass Millionen Menschen Jesus Christus lieben und die Kirche hassen und dass für viele die Kirche nicht zu Christus hinführt, sondern den Zugang zu Christus blockiert, dann stimmt da etwas nicht. Die römisch-katholische Kirche ist ihrer Verfassung nach die einzige noch bestehende absolute Monarchie. Kann sich denn in unserer heutigen Welt eine absolute Monarchie noch halten? Nachdem wir Christen als das Volk Gottes uns diese Verfassung gegeben haben, werden wir wohl, vom Heiligen Geist geleitet, neue Formen finden, die das wertvolle Alte bewahren und zugleich den neuen Entwicklungen und Erfordernissen Rechnung tragen.
Die großen und berühmten Mystiker zeichneten sich dadurch aus, dass sie der mystischen Erfahrung vom Einssein mit Gott in ihrem täglichen Leben Ausdruck verliehen.
Wir hoffen, Sie finden diese Vorschau auf den Artikel aus dem Magazin VISIONEN interessant!
Es würde uns sehr freuen, Sie als neuen Abonnenten des Magazins begrüßen zu dürfen.

