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Bruder David mit Christa Spannbauer


Spiritualität und Verantwortung

Spiritualität und Verantwortung

Ein Gespräch mit Bruder David Steindl-Rast

Der Benediktiner David Steindl-Rast ist bekannt geworden durch seine Vorträge weltweit und sein Engagement als Brückenbauer im buddhistisch-christlichen Dialog. Für ihn gibt es keinen Widerspruch zwischen Spiritualität und Politik – „im Gegenteil, sie bedingen sich sogar.“ Im Gespräch mit Christa Spannbauer erklärt er, warum die Welt die Mystiker mit ihrer Radikalität braucht.

Wie siehst du denn die derzeitige Entwicklung der katholischen Kirche unter dem neuen Papst?

Nun, Päpste kommen, Päpste gehen. Meine persönliche Meinung ist, dass die Institution der Kirche sich grundlegend ändern muss, um wieder christlich zu werden. Der Papst als Pontifex ist mit diesem Titel Nachfolger der römischen Kaiser. Das früheste Credo im Christentum war: Jesus Christus ist Herr – Kyrios. Das galt als Hochverrat, denn Kyrios war bis dahin nur einer – der Kaiser. Wenn Jesus nun Kyrios ist, dann ist der Kaiser nicht mehr Kyrios. Jesus war Mystiker und Revolutionär, ein gewaltfreier Revolutionär. Er hat das Herrschaftssystem, das im römischen Kaiser verkörpert war, durch das Reich Gottes ersetzt und die Machtpyramide durch die Koinonia, die geschwisterliche Gemeinschaft. Doch dann hat der Papst die Spitzenstelle in dem Machtsystem übernommen.

Das mag historisch alles verständlich sein und hat vielleicht sogar bisher eine Funktion gehabt. Doch wenn man heute klar sieht, dass Millionen Menschen Jesus Christus lieben und die Kirche hassen und dass für viele die Kirche nicht zu Christus hinführt, sondern den Zugang zu Christus blockiert, dann stimmt da etwas nicht. Die römisch-katholische Kirche ist ihrer Verfassung nach die einzige noch bestehende absolute Monarchie. Kann sich denn in unserer heutigen Welt eine absolute Monarchie noch halten? Nachdem wir Christen als das Volk Gottes uns diese Verfassung gegeben haben, werden wir wohl, vom Heiligen Geist geleitet, neue Formen finden, die das wertvolle Alte bewahren und zugleich den neuen Entwicklungen und Erfordernissen Rechnung tragen.

Die großen und berühmten Mystiker zeichneten sich dadurch aus, dass sie der mystischen Erfahrung vom Einssein mit Gott in ihrem täglichen Leben Ausdruck verliehen.

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