Über sich selbst hinaus wachsen
Fit und leistungsfähig bis ins hohe Alter durch Meditation und Sport
September 2010, hoch oben auf den berühmten „White Cliffs“ zwischen Dover und Folkestone, wo noch Verteidigungsbauten und Gedenkstätten an den Zweiten Weltkrieg erinnern, blicke ich über 33 km wilden Ärmelkanal voll weißer Gischtkronen. Schwimmer aus aller Welt warten seit Tagen, dass der Sturm sich legt. In der Ferne liegt klar erkennbar die französische Küste. Die Sonne bricht durch. Mein Herz öffnet sich weit, als trete meine Seele hervor. Ein vertrautes Marathon- Lied meines Lehrers Sri Chinmoy steigt in mir hoch, das mir oft beim Laufen Energie gab, ein Wort tauscht sich aus: „I am swimming a marathon, the Golden Goal is beckoning me – Ich schwimme einen Marathon, das Goldene Ufer ruft mich.“ Und: „I am now ecstasy flood-sea – ich bin eine Meeresflut der Ekstase.“ Ich singe nicht, es singt mich – ich bin das Lied. Keine Zweifel, keine Ängste, nur ein Strom von Vorfreude.
Höchstleistung dank Meditation
Wenige Tage später wird es Wirklichkeit. Ich schwimme zum zweiten Mal durch den Ärmelkanal. Mit 54 Jahren. In der Nacht davor noch Spannung und Ungewissheit: Grippeanfall, Schwäche und Frösteln – ich meditiere und nehme Paracetamol. Meine innere Stimme sagt mir, es dennoch zu wagen. Beim Start um 4 Uhr morgens sind die Beine noch wackelig, doch beim Schwimmen kehrt die Kraft zurück
Eine andere Mantra-Melodie, die ich in der Vorbereitung regelmäßig als Abschluss der Meditation gesungen habe, trägt mich: „Forward to the shore, upward to the stars, inward to the source – Vorwärts zum Ufer, hinauf zu den Sternen, nach innen zur Quelle.“ Ich atme rhythmisch in den morgendlichen Sternenhimmel, später in die langsam über glitzernde Wellen wandernde Sonne.
Meine Seele liebt es, in dieser ewigen Weite zu kraulen. Ich schwimme nicht für einen Rekord oder eine Trophäe. Es ist eine Form der Meditation, eine körperlich- geistige Sadhana, intensiv, wunderschön, die Zeit des Trainings und der Vorbereitung mit eingeschlossen. Auch wenn es nach vielen Stunden schwieriger wird, da die Gegenströmung mich aufzuhalten und abzutreiben beginnt und der Ausgang durchaus ungewiss wird (manche Schwimmer schwimmen stundenlang auf der Stelle und müssen kurz vor der Küste noch aufgeben) – es gelingt mir, konzentriert und positiv zu bleiben, und dafür bin ich meinem „Meditationstraining“ von Herzen dankbar. Ganz loszulassen, das Ergebnis dem Supreme (dem Allerhöchsten) zu Füßen zu legen, nichts für sich wollen, einfach nur sich völlig zu geben, das ist eine Haltung, die man in der Meditation übt – und eine der tiefen beglückenden Erfahrungen, die man im Ultrasport machen kann.
Eine neue Nacht bricht an, fluoreszierendes Plankton glitzert wie Sternenstaub, wenn die Hand durchs schwarze Wasser zieht, und gegen 22 Uhr, nach 16 Std. 50 Min., berühre ich französischen Felsen. Das Boot sammelt mich wieder ein und liefert mich in Calais ab, wo ich am nächsten Tag – erstaunlich erholt nach heißem Bad, kurzer Nacht und ausgiebiger Meditation – mit meinem Team zu 300 km Radstrecke und zwei Marathons aufbreche, um drei Tage später Aachen zu erreichen. Mit großen Blasen an den Füßen, aber mit dem Gefühl, das war noch nicht alles.
Ich schwimme nicht für einen Rekord oder eine Trophäe. Es ist eine Form der Meditation, eine körperlich-geistige Sadhana.
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