Von der Geburt Gottes im Seelengrund
750 Jahre Meister Eckhart
Im Laufe dieses Jahres sind Leben, Werk und Genius des Mystikers in zahlreichen Tagungen, Lesungen, Sondergottesdiensten und Vortragsreihen gewürdigt worden. Ein Meister-Eckehart-Oratorium (Jörn Bartels/ Matthias Uhlig) wurde in Freiburg uraufgeführt; weitere Aufführungen folgten, u.a. in Heidelberg. Das Kölner „Theater der Stille“ setzte die Eckehart‘sche Unterweisung „vom inneren und äußeren Menschen“ szenisch um. Es hat sich gezeigt: Meister Eckhart ist bis heute eine Quelle vielfältiger Inspiration geblieben.
BRILLANTER DENKER UND REDNER
In seinen lateinischen Werken zeigt sich Eckhart als wissenschaftlich geschulter Philosoph, aber dort, wo er in der Volkssprache über Gott und die Seele predigt, entdecken wir einen faszinierend originellen Denker und sprachgewaltigen Redner. Er sprüht vor Einfallsreichtum, etwa: „Ich wäre lieber mit Gott in der Hölle als ohne ihn im Himmel.“ Oder wenn er über die Demut spricht, stellt er die Vorstellung vom erhöhten, erhabenen Gott auf den Kopf und revolutioniert die Gottesbeziehung: „Ich dachte gestern Abend, dass Gott umso mehr erhöht würde, je mehr ich mich erniedrigte. Dann aber dachte ich: Gott sollte enthöht werden, nicht absolut, sondern innerlich. Also: ein enthöhter Gott. Das gefiel mir so gut, dass ich es mir ins Büchlein schrieb.“ Die kühne Formulierung vom Enthöhten hat im 20. Jh. den jüdischen Dichter Paul Celan ergriffen und in seinem Werk Niederschlag gefunden.
Es ist nicht nur die brillante Sprachkraft, die beeindruckt. Eckhart lehrt mit einer eindringlichen Autorität, denn er spricht aus der Radikalität der eigenen Gotteserfahrung und fordert seine Zuhörer (bzw. Leser) auf, es ihm gleich zu machen.
Gott bedarf nichts weiter, als dass man ihm ein ruhiges Herz schenke. Zu dieser Geburt will und muss Gott eine ledige, unbekümmerte, freie Seele haben.“ Meister Eckhart
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