Von der Sündenvergebung

Von der Sündenvergebung

Rituelle Praxis und spiritueller Kern

Das Christentum kennt anders als das Evangelium weder Karma noch Reinkarnation. Der katholische Priester spricht den reuigen Sünder „im Namen Gottes“ von seinen Sünden frei. Aus christlich-mystischer Sicht ist dies aber nur ein Akt der Versöhnung, des Neuanfangs, nicht der Vergebung. Die Auswirkungen der Sünden bleiben bestehen und müssen „bis zum letzten Heller“ ausgeglichen werden, notfalls in mehreren Erdenleben.

Verzeihung, nicht Befreiung

Viel Unklarheit besteht über die Sündenvergebung. Die Sünde, das heißt die Absonderung einer Seele im egoistischen Streben, kann verziehen werden. Aber niemand kann die Auswirkungen der Untaten, die eine Seele in der Absonderung beging, unge schehen machen. Diese Auswirkungen muss die Seele ausglei chen, das kann ihr nicht abgenommen werden.

Wenn Christus zu seinen Jüngern sagte: „Wem ihr die Sünden vergeben werdet, dem sind sie vergeben“ (Joh. 20,23), so konnten sie und kann jeder Priester zwar die Absonderung vergeben, indem er für die reuige Seele die Verbindung zu Christus wiederherstellt, die Wiedergutmachung der während der Absonderung began genen Sünden muss dann oder „bis ins dritte und vierte Glied“ erfolgen, das heißt erforderlichenfalls bis zum dritten und vier ten folgenden Erdenleben.

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