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Konrad Dietzfelbinger
Jesus - der vollkommene spirituelle Mensch
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War Jesus ein Magier?

War Jesus ein Magier?

Wunder mit Widersprüchen

In den Evangelien nehmen die Berichte über die Wundertaten Jesu großen Raum ein. War er etwa ein Magier? Wenn nicht, warum vollbrachte er dann so viele Wunder? Und wenn ja, warum distanzierte er sich dann häufig davon? Wie sind diese Wider - sprüche zu erklären?

Scheinbar natürliche Vorgänge
Frage: In den Evangelien, insbesondere bei Matthäus, nimmt ein Bereich von Jesu Wirken großen Raum ein, nämlich die von ihm vollbrachten Wunder. Steht diese Betonung aber nicht geradezu im Widerspruch zu Jesu Lehre, wie sie in seinen eigenen Worten überliefert ist?

Antwort: Aus Jesu Verhalten an lässlich der von ihm bewirkten Heilungen und anderen Wunder können wir tatsächlich deutlich erkennen, dass er selbst diesen Aspekt seines Wirkens keinesfalls in den Vordergrund stellte. Vielmehr tat er alles, um die von ihm vollbrach ten Wunder als scheinbar natürliche Vorgänge darzustellen. Wenn wir et wa an die Auferweckung von Jairus’ Tochter denken (Matth. 9,18-26), so wirkt Jesus dem Aufruhr, der zu entstehen scheint, dadurch entgegen, dass er schlicht erklärt: „...das Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft.“

Ein Gottmensch wie Jesus wirkt im strengen Sinne keine Wunder, sondern wirkt auf wunderbare Weise.

An anderer Stelle lenkt er von seinem eigenen Anteil am Wunder ab, in dem er den Menschen erklärt, ihr Glaube habe ihnen geholfen (vgl. z.B. Mk. 5,34). So stellen wir fest, dass er niemals Wunder wirkte, um damit seine Anhängerzahl zu vergrößern oder die Menschen für sich einzunehmen. Selbst seine Predigten sind nur für die „Auserwähl ten“ gedacht, also für die Seelen, die Gott als die „Schafe“ zu ihrem „Hirten“ sendet. Deshalb spricht Jesus gegenüber Außenstehenden, wie er einmal erklärt, mit Absicht häufig in Gleichnissen oder Parabeln, so dass ihn jeder nur bis zu der ihm zugänglichen Stufe versteht.

Seine Jünger überzeugt er vor allem durch die Kraft des Wortes, die im Innern gewährten Offenbarun gen: „Selig aber sind eure Augen, weil sie sehen, und eure Ohren, weil sie hören. Denn wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten und viele Gerechte verlangten zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört“ (Matth. 13,16-17). Nur „die Menschen, die das Siegel Gottes auf der Stirne tragen“ (vgl. Off. 9,4 bzw. 7,3-4), denen es also vorherbestimmt ist, von Jesus auf dem inneren Weg geführt zu werden, empfangen Offenbarungen. Für die sen kleinen Personenkreis sind auch die so genannten Wunder bestimmt – besondere Gnadenakte, die diese Menschen mit besonderem Vertrauen in die Allmacht und Güte Gottes erfüllen und ihnen damit die Selbstüberantwortung an Gott erleichtern.

Magische Demonstrationen?
Frage: Wenn Jesu Wunder aber nicht dazu dienten, die Menschen zum Glauben an ihn zu bekehren, warum vollbrachte er sie dann überhaupt? War er etwa ein Magier?

Antwort: Ein Gottmensch ist keinesfalls ein Magier, denn ein Magier be wirkt alles, was er über die gewöhnlichen Fähigkeiten eines Menschen hinaus kann, mit seinem eigenen Willen. Ein Magier schult seine Kon zentration und Willenskraft und setzt sie ein, um seinen eigenen Geist mit der Natur zu messen oder um andere Menschen damit zu beeindrucken. Dies entspricht einer recht niedrigen geistigen Entwicklungsstufe und stellt eine Vergeudung der geistigen Kraft dar.

Im Unterschied dazu wirkt ein Gottmensch wie Jesus im strengen Sinne keine Wunder, sondern er wirkt auf wunderbare Weise. Wenn solche Wunder durch ihn geschehen, werden sie von der Gotteskraft selbst durch seine Person bewirkt. Dies kann so gar ohne sein persönliches Wissen geschehen (vgl. Matth. 9,20). In diesem Zustand ist der Gottmensch ausschließlich Gottessohn und nicht mehr Menschensohn, in dem er sich seiner eigenen menschlichen Identität überhaupt nicht bewusst ist. So werden diese Wunder von Gottes Willen selbst gefügt. Sie die nen dazu, diejenigen Menschen in ihrem Vertrauen zu stärken, denen auf der Stufe, auf der sie gerade stehen, logische Erklärungen allein nicht genügen: „Wenn ihr nicht Zeichen und Wunder seht, so glaubt ihr nicht“ (vgl. Joh. 4,48 bzw. Joh. 4,46-53).

Die Wunderkraft des Glaubens

Frage: Und wie steht es mit der wundertätigen Kraft des eigenen Glaubens, von der es im Markus- Evangelium (9,23) heißt: „Alle Dinge sind möglich dem, der da glaubt...“? Auch Jesus selbst nimmt in einem berühmtem Wort darauf Bezug: „Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, so werdet ihr zu diesem Berg sagen: Gehe von da weg dorthin! und er wird weggehen, und nichts wird euch unmöglich sein“ (Matth. 27, 20).

Antwort: Im Christentum wurde der Begriff „Glaube“ sehr verflacht. Bei Jesus besitzt er hingegen, wie die zwei angeführten Beispiele zeigen, eine ungeheure Kraft. Ein solcher unbedingter Glaube, der selbst das „Un mögliche“ möglich macht, kann nur auf der mystischen Erfahrung von der Allmacht Gottes gründen. Wer göttliche Offenbarungen (s. Infos in Printausgabe) empfängt, erfährt auch in seiner persönlichen Lebenspraxis, dass dieser Offenbarungsstrom (s. Infos in Printausgabe) Dinge bewirkt, die sonst undenkbar wären.

Jesus macht in seinem berühmten Wort dieselbe Aussage auf noch radikalere Weise. Er betont darin, dass nichts, aber auch gar nichts, von der Allmacht der göttli chen Offenbarungen ausgeschlossen ist. Es gibt also nichts, was mit ihrer Hilfe nicht möglich wäre.

Nun muss man sich natürlich fragen, welche Möglichkeiten sich dadurch eröffnen. Hier ist der Grundsatz von ent scheidender Bedeutung, dass der spirituelle Pfad – also die Offenbarun gen, die man in der Meditation erfährt – nur der Spiritualität und keinem anderen Zweck dient. Der Auftrag der göttlichen Offenbarungen liegt darin, die Seele stetig Gott näher zu bringen, indem sie immer höhere Of - fenbarungsstufen erreicht. Wenn es heißt, dass alles möglich ist, gilt dies innerhalb des Bereichs der Spiritualität, und nicht für materielle Dinge. Wenn auch zuweilen Wunder im materiellen Bereich geschehen, so die nen auch sie indirekt dem spirituellen Pfad, indem sie das Vertrauen des Betroffenen stärken. Beide Zitate bestätigen somit, dass mit Hilfe von Got tes Offenbarungen im spirituellen Sinne alles bewegt werden kann.

Wissenschaftliche Undinge?
Frage: Viele heutige Zeit genossen schließen die Möglichkeit solcher Wunder vornherein aus, weil es beim Stand unserer Wissenschaft keine plau siblen Erklärungen dafür gibt. Wie sind materielle Wunder überhaupt möglich?

Antwort: Unser wissenschaftlicher Erkenntnis - stand ist zwar fortgeschritten, kann jedoch noch lange nicht alles erklären, was „zwischen Himmel und Erde geschieht“. Wunder, wie sie im Neuen Testament beschrieben werden, sind möglich, weil die Gottmen schen mit der ganzen Vollmacht Gottes ausgestattet sind und nicht den Grenzen des gewöhnlichen Menschen unterliegen. Auf der anderen Seite achten sie das göttliche Gesetz, das solche Wunder ganz bestimmten Regeln unterwirft.

Ausfluss des göttlichen Willens
Frage: Die Wunder, so wie sie von Jesus überliefert sind, scheinen aber zumindest teilweise gegen die Naturgesetze zu verstoßen, wie etwa bei der Auferweckung des toten Mädchens: Dem Naturgesetz zufolge kann etwas bereits Totes nicht wieder lebendig wer den. Stellte Jesus mit solchen Wundern nicht Gottes eigenes Gesetz in Frage?

Antwort: Die sichtbare und unsichtbare Schöpfung ist in der Tat Gottes Werk, und sie unterliegt dem ewigen göttlichen Gesetz. So scheint es oberflächlich betrachtet, als ob das Wirken eines Gottmenschen gegen Gottes eigenes Gesetz verstoßen würde. In Wahrheit handelt aber nicht der Gott mensch selbst, also der Mensch aus Fleisch und Blut, wenn solche Wun der geschehen, sondern das Wort oder der Logos, die offenbarte Got teskraft.

Der Gottmensch ist ein bewusster Mitarbeiter am göttlichen Plan, und alles, was er tut, geschieht in Übereinstimmung mit diesem Plan und niemals gegen Gottes Willen. Dies ist der tiefere Grund dafür, dass Jesus, wenn solche Wunder geschahen, von seiner eigenen Person ablenkte und stets auf Gott selbst als deren Urheber verwies.

Wir haben kein einziges Beispiel dafür, dass Jesus seine übernatürlichen Fähigkeiten zur Schau stellte. So wissen wir etwa, dass er in der Lage war, sich in reines Licht zu verwandeln (Matth. 17,1-9; Mk. 9,2-10; Luk. 9,28-36). Er machte von dieser Fähigkeit jedoch keinen Gebrauch, als er gefangen genommen oder zur Kreuzigungsstätte gerührt wurde, obwohl er sich auf diese Weise leicht dem Martyrium hätte entziehen können. Für einen solchen Gebrauch seiner übernatürlichen Macht finden wir in den Evangelien keinen einzigen Beleg, denn in diesem Fall wäre es Jesus als Menschensohn gewesen, der das Wunder bewirkt hätte. So wie Jesus tat sächlich handelte, geschah alles nach dem Willen Gottes und in Überein stimmung mit Gottes Gesetz.

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