Was dachte Krishnamurti über Sex?
Die Rolle der Sexualität im Leben Krishnamurtis stellt ein weiteres Rätsel seiner schillernden Persönlichkeit dar. Verbarg Krishnamurti den Heiler oder Mystiker durch Schweigen vor der Öffentlichkeit, um ihn im Privatleben ausgewählten Freunden zu offenbaren, so war es mit dem Thema Sex genau umgekehrt. Der Vorwurf vieler ihm nahe stehender Menschen, er habe Sex stets als „unspirituell“ abgelehnt und ein zölibatäres Leben als erstrebenswert dargestellt, trifft nur für seinen privaten Bereich zu. Hier erweckte er in der Tat bis in den engsten Freundeskreis hinein den Eindruck, er habe sein Leben lang zölibatär gelebt.
Langjährige Weggefährten, wie etwa David Bohm oder Susunaga Weeraperuma, waren daher zutiefst schockiert, als Radha Sloss die jahrzehntelange Liebesbeziehung zwischen Krishnamurti und ihrer Mutter öffentlich machte. Von ganz wenigen Eingeweihten abgesehen, war offensichtlich niemand darüber informiert gewesen. (C. V. Williams nennt in ihrer Biographie weitere Namen, von denen sie vermutet, Krishnamurti habe mit ihnen ebenfalls eine intime Beziehung gehabt.)
„Die Sexualität ist weder rein noch unrein, doch das Denken hat sie über alle Verhältnisse aufgebauscht.“
Unterdrückung ist Energie verschwendung
Der öffentliche Krishnamurti dagegen hatte sich in zahllosen Vorträgen und persönlichen Stellungnahmen keinesfalls für eine zölibatäre Lebensform ausgesprochen, vielleicht abgesehen von seiner ganz frühen theosophischen Phase. Aber schon 1928 hatte er sich mit seinem Freund Sidney Field über Sex unterhalten. Dabei hatte er Sex „einfach als Energie“ bezeichnet. Auf die konkrete Frage von Field, ob man asketisch leben müsse, um das höchste Ziel zu erreichen, erwiderte ...
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