Weise Entschlüsse fassen
Aus der Quelle allen Wissens schöpfen
Zeitlose Maßstäbe anlegen
Eine ethische Lebensführung bildet eine feste Grundlage für ein harmonisches Leben. Ich definiere eine ethische Lebensweise ganz einfach und unmissverständlich: in Gedanken, Worten und Taten wahrhaftig zu sein. Die Grundlage einer solchen Haltung ist das Bewusst sein, dass Gott „ins Verborgene sieht“ (vgl. Matth. 6,4). Je mehr wir uns bewusst sind, dass er immer weiß, wie es um uns steht, desto stärker wird auch die Gewissheit, ständig in seiner Gegenwart zu leben, und umso schwerer wird es uns fallen, vor seinem Angesicht irgendetwas Unrechtes zu tun.
Aus spiritueller Sicht bedeutet ein ethisches Leben jedoch nicht, dass man aufgrund eigener intellektueller Überlegungen bestimmte Grundsätze für sein Leben festlegt. Vielmehr bedeutet es, Gottes Weisheit als Maßstab für das eigene Verhalten anzulegen. Die gängige Redensweise: „Wir sind doch erwachsene Menschen und können selbst entscheiden, was wir tun“ zeigt jedoch, wie sehr wir es uns angewöhnt haben, nur noch nach eigenem Ermessen zu handeln.
Unser Verhalten wird zu einem Drittel von unserem früheren Karma bestimmt, zu einem zweiten Drittel von unserer eigenen Einsicht und zu einem weiteren Drittel von unserer Umgebung oder von Hilfen, die wir von anderer Seite er fahren. Wenn wir davon ausgehen, dass wir selbst alles in der Hand haben und für alles selbst verantwortlich sind, dann nehmen wir uns freilich die Chance, uns Gottes Führung anzuvertrauen. Denn in diesem Fall bleibt für Gottes Hilfe nur noch ein Spielraum von einem Drittel übrig, da wir zu zwei Dritteln aus eigenem Ermessen entscheiden – mit den entsprechenden unabsehbaren karmischen Folgen.
Weisheit ist immer zeitgemäß
Vielen mag sich an dieser Stelle die Frage aufdrängen, wie man angesichts der heutigen Gesellschaftsverhältnisse, in die jeder von uns nun einmal hineingestellt ist, wieder zu den Maßstäben uralter heiliger Schriften zurückkehren kann. Sie mögen auch bezweifeln, ob solche Maßstäbe überhaupt mit Recht auf unsere heutige Zeit übertragen werden können.
Meine Auffassung hierzu ist jedoch eindeutig: Gottes Gesetz ist ewig und daher zeitlos. Es ist der Ausdruck der unvergänglichen Gotteskraft, die in der ganzen Welt wirkt, und so besitzt es vom Anbeginn der Menschheit bis zum Ende der Welt dieselbe Gültigkeit. Sind wir davon überzeugt, dass die heiligen Schriften Zeugnisse dieses ewigen Gesetzes sind, da in ihnen niederge schrieben wurde, was Gott den Propheten und Gottesboten offenbarte, dann können wir das Argument nicht gelten lassen, dieses oder jenes Gebot besitze heute keine Gültigkeit mehr. Das göttliche Gesetz ist unwandelbar – wir müssen lediglich lernen, es auf unser eigenes Leben anzuwenden.
Das Leben der spirituellen Meister, Gottessöhne und Propheten, denen dieses Gesetz direkt offenbart wurde und nach deren Aussagen es in den heiligen Schriften niedergelegt ist, zeigt, dass es möglich ist, zu allen Zeiten und unter allen Umständen nach der göttlichen Weisheit zu leben. Diese Heiligen waren keine Wunderwesen, die in der Abgeschiedenheit der Berge lebten und mit den Alltagsproblemen der Menschen, an die sie ihr Wissen weitergaben, nicht vertraut waren. Viel mehr waren viele von ihnen selbst Familienväter, und sie alle ver dienten ihren Lebensunterhalt selbst. Demnach wussten sie, wo den gewöhnlichen Menschen „der Schuh drückt“.
Was wir dagegen im Zusammenleben mit unseren Mitmenschen lernen und entfalten, gilt im Vergleich zur göttlichen Weisheit nur in einem sehr begrenzten Rahmen. Es beschränkt sich auf den Wissensstand einer bestimmten Zeit, auf Sitten und Gebräuche in einem bestimmten Land oder gar einer begrenzten Gegend und so weiter. Äußere Normen und Verhaltensweisen haben also immer nur beschränkte Gültigkeit. Die Führung jedoch, die wir von Gottes Weisheit im Innern empfangen, ist von unbeschränkter Gültigkeit – sowohl räumlich als auch zeitlich.
Sich nach innen besinnen
Wenn sich jemand dieser Führung anvertraut, wird er sich in allen Persönlichkeitsbereichen harmonisch entfalten. Diese umfassende Entfaltung ist jedoch nur durch die direkte innere Verbindung mit göttlichen Offenbarungen (s. Infos) möglich, wie sie durch einen lebenden Meister zustande kommt. Denn Gottes Weisheit können wir nur unmittelbar mit unserer Seele empfangen, wenn wir Meditation üben und im Innern mit Offenbarungen gesegnet sind.
Wer diesen Zugang zu inneren Offenbarungen noch nicht oder noch nicht ausreichend besitzt, der kann Gottes Willen auch aus den heiligen Schriften erfahren, um sich in seinen persönlichen Lebensfragen inspirieren zu lassen. Nun empfinden viele Menschen aber aufgrund der falschen, stets wechselnden oder engherzigen Auslegungen ihrer heiligen Schrift von kirchlicher Seite oft eine Abneigung dagegen und sind nicht gewillt, sie zu Rate zu ziehen. Doch auch für sie gibt es einen Weg: „Klopfet an, so wird euch aufgetan“ (vgl. Matth. 7,7). Wer seine Aufmerksamkeit nach innen wendet, sich sammelt und so sein Problem im Stillen Gott überlässt, wird ebenfalls zur rechten Lösung geführt. Anders als bei spirituellen Schülern, die ständig mit dem göttlichen Offenbarungsstrom verbunden sind (s. Infos), erfolgt die Weisung in diesem Falle aber nicht durch laufende Offenbarungen, sondern durch punktuelle Inspiration.
Gott wohnt in allen Menschen. Darum gilt auch für alle Menschen der Grundsatz, dass sie die Lösung für ihre Probleme im eigenen Inneren finden können, indem sie sich der Führung überlassen, die sie jeweils von dort empfangen können. Da Gott aber Geist ist und sich nur im Geist offenbaren kann (vgl. Joh. 4,24), muss sich jeder, der Gottes Führung erlangen möchte, zuerst mit ganzer Aufmerksamkeit nach innen wenden, also dorthin, wo er Gott im Geist begegnet. Äußere, mit dem Mund gesprochene Gebete oder Rituale wie das Anzünden von Kerzen, Opfergaben oder ähnliche vermeintlich religiöse Handlungen, welche die Aufmerksamkeit im physischen Bereich gefangen halten, führen keinesfalls zu einer Lösung.
Dabei ist jedoch darauf zu achten, dass man sich nicht zuerst selbst die vermeintlich richtige Lösung in Gedanken zurecht legt, sich dann konzentriert und die eigenen Vorstellungen als Gottes Inspiration auslegt. Denn wir können nicht beides haben: wir können uns nicht in allem auf die Eingebungen unseres eigenen Gemüts verlassen und gleichzeitig erwarten, dass Gott die Dinge zu unserem Besten lenkt.
Direkt aus der Quelle schöpfen
Normalerweise verlassen wir uns bei Entscheidungen auf die verschiedensten Instanzen, die oft genug auch im Widerstreit miteinander liegen: einmal lassen wir uns vom Verstand leiten, dann wieder überwiegt unser Glaube, ein andermal siegen die Ratschläge, die uns ein anderer Mensch gegeben hat. Bei anderer Gelegenheit wiederum beherrscht das Herz alle übrigen Kräfte und das nächste Mal unser „Bauchgefühl“. Im Gegensatz dazu kommen die göttlichen Offenbarungen bei aller Vielgestaltigkeit immer aus ein und derselben Quelle und sind daher immer eindeutig.
Um die innere Führung aus dieser Quelle klar zu empfangen, müssen im spirituellen Leben Verstand und Gefühl zugunsten der Seele zurücktreten. Wenn sich das Gemüt daran gewöhnt hat, seine Wegweisungen zuverlässig von innen zu erhalten, wird auch der Verstand allmählich fähig, diese Führung anzunehmen. Dasselbe gilt für das Herz oder das Gemüt, wenn es feststellt, dass es durch den Ratschluss der inneren Offenbarungen die Freude und Befriedigung erfährt, die es beständig sucht.
Das Gemüt gelangt im Laufe der inneren Entwicklung also von selbst dahin, diese Führung anzunehmen. Es ist daher nicht nötig, Kopf, Herz und „Bauch“ durch Vernunft und Willenskraft unter Kontrolle zu bringen, denn dieser Versuch bewirkt letztendlich nur das Gegenteil, da Druck immer Gegendruck erzeugt. Die innere Kontrolle tritt vielmehr automatisch ein, wenn der Schüler täglich mit dem inneren Offenbarungsstrom verbunden ist.
Wem es gelingt, das eigene Ego, Gemüt und Denken beiseite zu lassen, der wird im Entscheidungsfall auch in irgendeiner Form Gottes Führung erfahren, denn es heißt: wo der Mensch ist, da kann Gott nicht sein, und wo Gott ist, da kann der Mensch nicht sein. Das bedeutet: Wo wir Überlegungen mit unserem eigenen Gemüt anstellen, hat Gott keine Möglichkeit einzugreifen, und wo wir uns Gottes Weisheit überlassen, da ist kein Raum für unser eigenes begrenztes Wissen.

