Wünsche mit Erfüllungs-Garantie

Wünsche mit Erfüllungs-Garantie

Ein doppelter Segen

Auf dem spirituellen Pfad werden uns vielerlei Wünsche und Bedürfnisse erfüllt. Dies geschieht jedoch durchweg so, dass wir dabei auf allen Ebenen unseres Daseins auch wirklich Erfüllung finden und Wohlergehen, Zufriedenheit und Seelenruhe gewinnen – vor allem aber das feste Vertrauen, dass die göttliche Führung von sich aus immer für uns sorgt.

Drei Arten von Gaben

In der Bibel steht geschrieben: „Gott, der Herr, tut nichts, ohne seinen Plan seinen Knechten, den Propheten, zu offenbaren“ (Amos 3,7). In den Veden wird dasselbe von seinen „Heiligen“ gesagt. Das heißt, sie sind die Werkzeuge seines Wirkens in der Welt. In den Veden steht auch ge schrieben, dass wir auf dem Weg zu Gott durch seine Heiligen nicht nur mit spirituellen Gaben gesegnet werden, sondern auch mit weltlichen Gütern. Die Veden enthalten ausschließlich göttliches Wissen, und darum kann diese Aussage nur bedeuten, dass diese weltliche Segnungen auch gut für unsere spirituelle Entwicklung sind. Wir alle tragen Wünsche nach weltlichen Annehmlichkeiten, Vorteilen und Besitztümern in uns, die so tief verwurzelt sind, dass sie geradezu erfüllt werden müssen, da sie sonst trotz unserer Anstrengungen unsere spirituelle Entwicklung behindern würden. Menschen, die sich eigentlich gar nicht für Spiritualität interessieren, finden sogar manchmal erst durch die unverhoffte Erfüllung solcher Wünsche auf den Pfad.

Was für unsere Herzenswünsche gilt, trifft auch auf die Grundlagen unserer materiellen Daseins zu. Bei uns gibt es das Sprichwort: „Mit leerem Magen betet es sich schlecht.“ Wenn wir zum Beispiel ständig Existenzsorgen haben, können wir an nichts anderes mehr denken und kommen in der Meditation nicht voran. Aber auch unsere spirituellen Grundbedürfnisse müssen abgesichert sein. Ohne die innere Gewissheit, auf dem richtigen Weg zu sein, hätten wir kein lohnendes Lebensziel, für das wir uns „mit allen unseren Kräften“ (vgl. Mk 12,30) einsetzen können, und alle unsere Bemühungen wären umsonst.

Durch die Erfahrung, dass Gott durch seine Heiligen in allen Lebensbereichen für uns sorgt, wächst in uns das Vertrauen, bei ihnen in sicheren Hän den zu sein, und zwar nicht nur in Bezug auf die Güter dieser Welt, sondern auch auf die Schätze des Himmels. Drei Beispiel- Geschichten sollen dies illustrieren.

Schon die Erfüllung eines einzigen Wunsches gibt uns die Sicherheit, auf unserem Weg zu Gott in guten Händen zu sein

Ein Traum wird wahr

Einmal hielt mir eine Schülerin meines Meisters vor: „Du sprichst in deinen Vorträgen immer nur von spirituellen Dingen, ich habe aber noch so viele weltliche Wünsche, dass ich es nicht übers Herz bringe, sie aufzugeben.“ –

„Keine Angst,“ beruhigte ich sie, „diese Wünsche werden völlig schmerzlos durch die göttlichen Offenba rungen (s. Infos) ausgelöscht.“ Daraufhin gestand sie mir ihren größten Wunsch: „Ich würde so gern mit meinem Mann ins Ausland gehen. Ich kann mir aber nicht vorstellen, wie die ser Wunsch sich durch innere Erfahrungen erfüllen soll – zumal ich bisher noch gar keine hatte, obwohl ich regelmäßig meditiere.“ Ich versicherte ihr: „Versuch es heute abend noch einmal und erzähl mir morgen, was passiert ist.“

Am nächsten Tag berichtete sie mir: „Unser Meister ist mir letzte Nacht erschienen und hat mir bestätigt, dass sich mein Herzenswunsch in jeder Hinsicht erfüllen wird.“ Tatsächlich wurde ihr Mann einige Zeit darauf ins Ausland versetzt, wo sie fünf Jahre mit ihm verbrachte. Anschließend gab sie zu: „Es ist alles ganz genauso gekommen, wie ich es mir vorgestellt hatte.“ Da fragte ich sie: „Und – fällt es dir immer noch schwer, deine Wünsche aufzugeben?“ – „Nein, und ich habe auch gar nicht mehr das Gefühl, noch unbedingt dieses und jenes haben zu müssen.“

Es ist also nicht so, dass uns die Heiligen auf dem Pfad sämtliche Wünsche erfüllen, denn in diesem Fall nähmen sie nie ein Ende. Vielmehr reicht die Erfüllung eines einzigen Wunsches aus, um uns zu überzeugen, dass sie wissen, was wir im Herzen haben und es immer dann erfüllen werden, wenn es zu unserem Besten ist.

Ein günstiger Tausch

Die Heiligen kennen aber nicht nur unsere tiefsten Herzenswünsche, sondern auch unsere materiellen Bedürfnisse und helfen uns, auch sie zu befriedigen – selbst wenn dies manchmal zuerst ganz anders aussieht und auf verschlungenen Wegen geschieht, so dass man es erst auf den zweiten Blick erkennt.

Ein Mann kam einmal zu seinem Meister und erklärte: „Ich will meine Tochter verheiraten, habe aber nicht das Geld dazu. Kannst du mir nicht welches geben?“ Der Meister erwiderte: „Das tut mir Leid, im Moment habe ich selber keins.“ Da wurde der Mann sehr ärgerlich und fühlte sich unverstanden und mit seiner Not allein gelassen. Schließlich zeigte der Meister auf seine Schuhe, die schon sehr abgetragen waren, und sagte: „Also gut, die kannst du meinetwegen haben. Das ist alles, was ich dir geben kann.“ Der Mann packte die Schuhe und machte sich auf den Heimweg, schimpfte aber die ganze Zeit vor sich hin: „Soll ich davon viel leicht ein Hochzeitsessen kochen? Oder die Festgewänder besorgen? Was hat sich der Meister da nur gedacht? Er will mich wohl zum Besten halten!“

Auf halbem Wege traf er einen Kaufmann, der ein paar reich beladene Kamele mit sich führte und ihm zurief: „Warte, ich kenne dich doch. Bist du nicht auch ein Schüler des Meisters und kommst du vielleicht gerade von ihm?“ – „Ja, freilich,“ rief der Mann in seinem Zorn, „aber schau nur, was er mir angedreht hat – diese alten Treter, mit denen ich rein gar nichts anfangen kann!“

Da rief der Kaufmann hoch erfreut: „Gib sie mir, und du bekommst dafür alles, was meine Kamele auf dem Rücken tragen.“ Das ließ sich der Mann nicht zweimal sagen und zog strahlend mit seinen Schätzen davon. Der Kaufmann indessen brachte die Schuhe schnurstracks zu ihrem Besitzer zurück. Als er sie dem Meister überreichte, fragte dieser: „Wo hast du sie her, und was haben sie dich gekostet?“ – „Die habe ich zu einem wahren Schleuderpreis erstanden. Irgendein Dummkopf hat sie mir förmlich nachgeworfen. Er hatte offenbar keine Ahnung, was sie tatsächlich wert sind.“ Zur selben Zeit dachte der andere Mann voller Dankbarkeit: „Wie gnädig doch der Meister ist! Nun habe ich alles, was ich mir immer gewünscht habe, und das nur für seine abgelaufenen Schuhe!“

Solche Begebenheiten sind der Grund, warum es von den Meistern heißt: „Sie wirken keine Wunder, sondern auf wunderbare Weise.“

Eine wundersame Verwandlung

Manchmal sind unsere Nöte aber nicht materieller, sondern spiritueller Natur. Wir stoßen zum Beispiel auf Widersprüche, die uns in so große Zweifel stürzen, dass wir uns nicht allein davon befreien können. Dann finden die Meister Mittel und Wege, unsere falschen Vorstellungen ein für allemal zu klären.

Baba Jaimal Singh, der im vorletzten Jahrhundert lebte und später selbst als Meister wirkte, kam auf seiner langen, mühevollen Suche nach einem wahren spirituellen Meister endlich zu Soamij von Agra. Ob gleich er schon durch das Gespräch mit ihm zu der Einsicht gekommen war, Soamiji müsse der richtige Meister für ihn sein, verfiel er plötzlich auf den unheilvollen Gedanken: „Aber ich bin doch ein Sikh, und er nicht. Wie kann ich ihn da als Meister anerkennen?“ Dem Meister gegenüber ließ er jedoch nichts von seinem Zweifel verlauten.

Nach einer Weile bat ihn dieser, ihm beim Baden zu helfen und ihm die Haare zu waschen. Dabei stellte Jaimal Singh zu seinem Erstaunen fest, dass der Meister plötzlich langes Haar und einen Bart hatte, wie es bei den Sikhs üblich ist. Er fragte ihn voller Verwunderung: „Wo kommen denn diese Haare auf einmal her? Die waren doch vorhin noch nicht da?“ Soamiji erwiderte lächelnd: „Die sind dem gleichen Denken entsprossen, das dir den Unsinn eingeredet hat, ein wahrer Meister müsste lange Haare haben.“

Die Wunsch erfüllende Kraft der Heiligen dient also immer dazu, uns spirituell voranzubringen: indem sie unsere Träume wahr werden lassen, unser materielles Wohlergehen sichern und unserer Seele Frieden bringen, stärken sie unser Vertrauen in Gottes Allmacht und Güte. So fällt es uns auch ohne ständig neue Gnadenbeweise immer leichter, uns vollkommen seinem Willen zu überlassen.

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