Wunsch-Erfüllung – aber richtig

Wunsch-Erfüllung – aber richtig

Wünsche ausleben und dabei reduzieren

Was tun, wenn man noch alle möglichen weltlichen Wünsche hat und sich trotzdem spirituell entwickeln will? Gibt man ihnen einfach nach, vermehren sie sich genauso, als wenn man versucht, sie ständig zu kontrollieren. Es gibt aber noch einen dritten Weg, sie so auszuleben, dass sie nicht laufend neue „Junge kriegen“...

Was soll man tun, wenn man auf dem spirituellen Pfad ist, aber noch alle möglichen weltlichen Wünsche hat? Stört das nicht die spirituelle Entwicklung?

Wünsche werden erstens von unserer Umgebung und anderen äußeren Ein­flüssen hervorgerufen. Wenn wir diesen Wünschen einfach nachgeben, rufen sie immer neue Wünsche hervor. Zweitens sind sie die Folge unserer vergangenen Hand­lungen. Diese karmisch bedingten Wünsche müssen sich automatisch er­füllen, ob man auf dem spirituellen Pfad ist oder nicht. Wie auch daraus neue Wünsche entstehen können, zeigt der folgende Vergleich.

Wir müssen täglich Nahrung zu uns nehmen, um unseren Körper bei Kräften zu halten. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir uns nun besonders auf den Geschmack des Essens konzentrieren oder nicht. Es kommt nur auf seinen Nährwert an. Wenn wir nun aber großen Genuss daran finden, bekommen wir immer mehr Appetit darauf und wollen es immer wieder genießen. Genauso gelangen wir karmisch bedingt zwangsläufig in den Genuss bestimmter materieller Güter und Annehmlichkeiten. Auch damit können wir auf zweierlei Art und Weise umgehen: wir können uns auf die schönen Seiten konzentrieren, die sie uns bieten, und so immer neue Wünsche in uns erzeugen, oder wir können den besten Gebrauch davon machen, ohne sie besonders wichtig zu nehmen.

Der beste Weg, um Karmas aus früheren Lebensläufen so zu erfüllen, dass sie keine weiteren karmischen Eindrücke hervorrufen, besteht darin, bei allem, was wir tun, unsere Aufmerksamkeit bei Gott ha­ben (vgl. VISIONEN, Mai 2007 ).

Allgemein gesprochen bedeutet das: Wir müssen auf dieser Welt in jedem Fall bestimmte Handlungen ausführen oder Erfahrungen machen, ob wir nun auf dem spirituellen Weg sind oder nicht. Aber wenn wir dabei unsere Aufmerksam­keit bei Gott haben und deshalb nicht daran hängen, sammeln wir keine neuen Wün­sche an, und so stehen uns die betreffenden Handlungen und Erfahrungen auch spirituell nicht im Weg. Wenn wir aber unsere Aufmerksamkeit eigens darauf richten, erwachsen uns neue Wünsche daraus. In beiden Fällen tun wir äußerlich dasselbe, nur jeweils mit einer anderen inneren Haltung.

Der beste Weg, Wünsche auszuleben und gleichzeitig zu reduzieren, besteht darin, dabei an Gott zu denken

An Gott zu denken hat noch einen weiteren Vorteil: Wenn wir etwas tun wollen, das zu neuen Wün­schen führen und uns von Gott trennen würde, dann werden wir durch die Gotteskraft im Innern davon abgehalten.

Ist die Freude an weltlichen Dingen in sich schon ein Wunsch – zum Beispiel wenn ich mich an materiellem Besitz erfreue?

Nein, es ist gerade umgekehrt. Wir haben deshalb Freude daran, weil wir schon vor-her den Wunsch danach hatten. Und dieser Wunsch kommt daher, dass wir bereits frü¬her angenehme Erfahrungen damit gemacht haben, und führt dazu, dass wir die-se Erfahrung möglichst oft wiederholen wollen.

Ist die Freude an weltlichen Dingen in sich schon ein Wunsch – zum Beispiel wenn ich mich an materiellem Besitz erfreue?

Nein, es ist gerade umgekehrt. Wir haben deshalb Freude daran, weil wir schon vorher den Wunsch danach hatten. Und dieser Wunsch kommt daher, dass wir bereits frü­her angenehme Erfahrungen damit gemacht haben, und führt dazu, dass wir diese Erfahrung möglichst oft wiederholen wollen.

Führt dann der spirituelle Weg nicht zur Freudlosigkeit?

Nein, im Gegenteil, er ist mit sehr viel Freude verbunden. Der Unterschied zwischen dieser Freude und der Freude an materiellen Dingen lässt sich so be­schreiben: Wenn sich ein Kind Sand in den Mund steckt, dann hat es in dem Moment Spaß daran. Versucht man, ihm den Sand wegzunehmen, fängt es an zu weinen. Wenn man ihm aber statt des­sen eine Süßigkeit gibt, und es merkt, wie gut sie schmeckt, wird es den Sand von selbst fortwerfen.

Im Augenblick fühlen wir uns nur von welt­lichen Freuden angezogen. Wenn wir aber einmal die inneren Freuden erfahren, geben wir äußere Genüsse dafür gerne auf, weil die inneren Freuden ungleich schöner sind.

Wenn man schon vorher auf weltliche Freuden verzich­tet, ohne das innere Glück zu erleben, ist dieses Opfer dann umsonst?

Das ist genauso, als wenn man dem Kind den Sand wegnimmt. Dann fängt es an zu wei­nen, denn das Gemüt ist an solche Freuden ge­wöhnt. Und wenn man es zu etwas zwingt, dann wird es sich dagegen wehren und Schwierigkeiten machen.

Im Übrigen ist Karma nicht unbedingt auf unsere Hand­lungen beschränkt, sondern schließt sogar unsere Gedanken ein – auch Denken ist schließlich eine Tätigkeit. Wenn wir uns dann die Erfüllung eines Wunsches versagen, aber fortwährend daran denken, entstehen ebenfalls karmische Eindrücke. Wenn wir zum Beispiel einen bestimmten Film sehen wollen, aber gleichzeitig immerzu denken: „Den sollte ich mir lieber nicht anschauen – da kommen so schreckliche Szenen drin vor“, dann hinterlässt auch dies Eindrücke in un­serem Gemüt, die Karma verursachen.

Wäre es dann nicht gescheiter, sich den Film anzusehen, als laufend daran zu denken?

Ja, das ist richtig, denn wenn wir das tun, dann dauert diese Handlung nur ein bis zwei Stunden. Wenn wir aber zehn Tage fortwährend hin- und überlegen, ob wir hineingehen sollen oder nicht, dann beschäftigen wir uns viel länger damit. Wenn wir nun aber in den Film gehen, und dabei unsere Aufmerksamkeit an der Stirn gesammelt halten (d.h. am dritten Auge oberhalb der Sinne, durch die wir uns sämtliche äußeren Eindrücke zuführen), dann tragen wir dadurch kein neues Karma davon.

Ist es dann nicht besser, unsere Aufmerksam­keit immer oben zu behalten, um alle diese Schwierigkeiten zu vermeiden?

Natürlich ist das am besten, aber die Frage ist: Sind wir dazu immer in der Lage?

Dann können wir unsere Aufmerksamkeit also doch nicht selbst lenken?

Nein. Nicht ganz.

Heißt das, wir werden zwangsläufig immer wieder Fehler machen – mit den entsprechenden negativen Folgen?

Alles, was wir tun, wird von drei Faktoren bestimmt: erstens von den Handlungen aus unserer karmischen Vergangenheit, zweitens von der Atmosphäre, in der wir gegenwärtig leben, und drittens von unserer Unterscheidungskraft, die wiederum von unserem spirituellen Wissensstand abhängt.

Bis zu einem gewissen Grad wird unser Verhalten von unseren früheren Handlungen festgelegt. Daran ist nichts mehr zu ändern, und insofern können wir auch nichts dafür. Es steht uns aber jetzt frei, unser Leben und unser Umfeld so einrichten, wie es unserer weiteren spirituellen Entwicklung förderlich ist. Wenn wir das nicht tun, ist das allerdings unser Feh­ler und wir müssen dafür gerade stehen – wir sind dafür genau so weit verantwortlich, wie unsere Entschei­dungsfreiheit reicht. Soweit wir durch unsere frü­heren Handlungen bestimmt werden, sind wir nicht verantwortlich, weil wir durch unser Schicksal gebunden sind und gar nicht anders handeln können. Aber diese Festlegung ist, wie schon gesagt, nur einer von den drei Faktoren, die unser Handeln bestimmen, und spielt dabei die kleinste Rolle. Der Freiraum, uns für eine neue Handlungsweise zu entscheiden, ist auf jeden Fall größer, und für das, was wir im Rahmen dieser Handlungsfreiheit tun, sind wir voll verantwortlich. Das heißt, es liegt an uns, ob wir unser Leben so gestalten und unsere Umgebung so einrichten, dass beides unserem Fortschritt dienlich ist, oder nicht.

Dann sind wir also zu einem großen Teil frei, gute Entscheidungen zu treffen, und nur zu einem sehr kleinen Teil festgelegt.

Hier kommt der dritte Faktor ins Spiel: Wenn wir die nötige Unterscheidungskraft besit­zen, nimmt der karmische Einfluss sogar noch weiter ab.

Was meinen Sie mit Unterschei­dungskraft?

Die Fähigkeit, zu entscheiden, was gut oder schlecht für uns ist, was uns spirituell weiterbringt und was nicht. Wenn uns diese Unterschei­dungskraft fehlt, wird der vor­herbestimmte, karmische Anteil stets den Ausschlag geben und wir werden seinem hemmenden Einfluss immer wieder erliegen. Und das Ausmaß unserer Unterscheidungsfähigkeit hängt wiederum entscheidend von der spirituellen Atmosphäre ab, in der wir leben. Die beiden letzten Faktoren wirken also eng zusammen: je spiritueller wir unser Leben gestalten, desto klarer erkennen wir, was wirklich gut für unsere Entwicklung ist, und desto leichter können wir unseren Lebensstil immer mehr auf unser spirituelles Ziel abstimmen.

Und dieser spirituelle Lebensstil sieht so aus, dass wir uns Bedingungen und Gewohnheiten schaffen, die es uns leicht machen, unsere Aufmerksamkeit bei Gott zu halten. Wenn wir uns zum Beispiel mit anderen zusammensetzen und über Gott sprechen, dann bewegen wir uns in einer guten, spirituellen Atmosphäre, weil sie uns näher zu Gott bringt. Wenn wir aber nur zusammenkommen, um über welt­liche Dinge zu reden, wird eine welt­liche Atmosphäre daraus.

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