Dr. Heinz Klein
Die Magie vom Wenigerwerden – Die Transformation zum wahren Menschen
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Zurück zur Quelle des Lebens

Zurück zur Quelle des Lebens

Der Weg der Wandlung im Vibrationsfeld von TAO (Teil 2)

Das Urbild des Menschseins ist in uns allen angelegt, es bedarf aber der Schulung, um diesen potenziellen „königlichen Menschen“ zu verwirklichen. Das „Tao-te-king“ des taoistischen Weisen Laotse ist ein Handbuch für diesen Weg der Transformation. Wo fass’ ich dich, unendliche Natur?, lässt Goethe den enttäuschten Doktor Faustus verzweifelt rufen. „Euch Brüste, wo? Ihr Quellen alles Lebens, An denen Himmel und Erde hängt, Dahin die welke Brust sich drängt – Ihr quellt, ihr tränkt, und schmacht’ ich so vergebens?

Wo fass’ ich dich, unendliche Natur?, lässt Goethe den enttäuschten Doktor Faustus verzweifelt rufen. „Euch Brüste, wo? Ihr Quellen alles Lebens, An denen Himmel und Erde hängt, Dahin die welke Brust sich drängt – Ihr quellt, ihr tränkt, und schmacht’ ich so vergebens?“

In klassischer Sprache wird hier ausgedrückt, was jedes Suchers Herz empfindet: Das Verlangen, zu den Quellen zu gelangen, ist groß. Doch wo findet man sie? Wer führt uns zu den Energien, in die wir eintauchen und denen wir – neugeboren – entsteigen können? Diesen Wunsch haben Menschen zu allen Zeiten und in allen Erdteilen gespürt und sich zu einem Lehrer begeben, der ihnen den Weg dorthin weisen konnte.

Eine Frage auf Leben und Tod

Vom historischen Buddha wird berichtet, dass er jeden neu ankommenden Schüler beim Haarschopf fasste und mit dem Kopf unter Wasser hielt. Wenn der Schüler dann mit ganzer Kraft nach Luft verlangte, ließ Buddha ihn wieder los und fragte ihn, ob es ihn so sehr nach der Lehre verlange wie gerade nach Luft.

Wir müssen uns zunächst Klarheit darüber verschaffen, was unser innigster Herzenswunsch ist. Wir können nicht so zum Zeitvertreib einer Lehre anhängen, nach praktischen und für uns verwertbaren Tipps suchen und dann wie ein Tourist zum nächsten esoterischen Event reisen. Wir müssen uns vielmehr bewusst werden, dass es sich um eine Frage auf Leben oder Tod handelt. (Erinnert sei an das Jesuswort: Lass die Toten ihre Toten begraben.) Wir sind dem Tod in zweifacher Hinsicht geweiht. Unser physischer Körper altert und stirbt. Unsere Ätherleiber sterben im Jenseits den zweiten Tod. Und der in uns eingeschlossene adamitische Mensch, das Überbleibsel aus der Urschöpfung, hat eine Inkarnation lang vergebens auf die Möglichkeit der Regeneration gewartet...

„Mensch werden ist eine Kunst.“ (Novalis)

TAO, der Urgrund der Schöpfung

Begeben wir uns auf die Ebene der Metaphysik, auf die Ebene jenseits der Naturwissenschaften, so ergibt sich folgendes Bild: Die Schöpfung hat nicht mit dem Big-Bang vor Jahrmilliarden angefangen. Das ist unsere Sicht, solange wir in den Dimensionen Raum und Zeit gefangen sind. Der Schöpfungsakt kennt keinen Anfang und kein Ende. Dies ist in dem Symbol der Schlange dargestellt, die sich selbst in den Schwanz beißt und so einen Kreis bildet.

Schöpfung ist zeitlos, sie ist Gegenwart. Den Schöpfungsurgrund können wir nicht erfassen. Laotse nennt ihn ersatzweise TAO. Aus den Prinzipien, die in die Schöpfung gelegt sind und die von den traditionellen Wissenschaften erforscht wurden, können wir den ersten Schöpfungsimpuls (d.i. das ausgesprochene TAO) erkennen – nicht mit dem horizontalen Bewusstsein, sondern mit dem Bewusstsein des ursprünglichen Menschen. Ein Teil dieses Bewusstseins muss im Menschen strukturell vorhanden sein, damit er den Weg der Wandlung gehen kann.

Die vier Schöpfungsenergien

Auf allen Schöpfungsebenen verwirklicht sich das Prinzip der Drei-Einheit. Die weiblichen Schöpfungskräfte, die alle Formen entstehen lassen, heißen im Chinesischen TE. Der Makrokosmos kennt die Potenzen Himmel-Erde-Mensch. Der Mikrokosmos ist parallel hierzu in Haupt-Becken-Herz aufgeteilt. Damit der Kosmos sein kann, sowohl der große wie der kleine, fließen Energien zwischen den Zentren. Sie sind die Lebensträger. Diese Energien, allgemein von den Chinesen ch’i genannt, können als wirklich und als Agens erlebt werden, wenn wir unser Bewusstsein aus dem Gefängnis des rationalen modern-wissenschaftlichen Denkens befreien. Das heißt nun nicht, dass wir uns auf einer poetisch-lyrischen oder philosophischen Ebene bewegen. Es ist in der Tat ein Erwachen auf einer anderen Ebene.

Mit unserer Inkarnation drängt ein nach dem Prinzip der Drei-Einheit geordneter Mikrokosmos zur Manifestation in der sichtbaren Schöpfung. Er taucht ein in die vier Ätherfelder dieser Natur, genannt Luft, Feuer, Wasser und Erde. Diese unter dem Begriff der vier Elemente bekannten Schöpfungsenergien haben nichts zu tun mit den Elementen, die von der modernen Wissenschaft untersucht werden. Es sind vier verschiedene Schöpfungsenergien unterschiedlicher Prägung.

Behalten wir der Einfachheit halber die von Rudolf Steiner geprägten Begriffe bei, so entsteht aus dem „Element“ Luft unser Gedankenleib, aus dem „Element“ Feuer unser Empfindungsleib, aus dem „Element“ Wasser der Lebens- oder Ätherleib und aus dem „Element“ Erde unser Stoffkörper, der physische Körper. Diese vier Ebenen der Verwirklichung, die dem Prinzip der Drei-Einheit unterstehen, bilden unser Fahrzeug, wenn wir auf dieser Welt „einchecken“.

Ohne Unterlass nehmen wir am Energieaustausch des Kosmos teil. Wir führen feste Nahrung zu uns, wir atmen und erhalten kosmische Energien über die sieben Chakras. Kosmisch-reine Energien, die in den Mikrokosmos einfließen, werden erst im System polarisiert. Die Chinesen, besonders Laotse, sprechen von denaturierten oder degenerierten Lebenskräften. In Vers 38 spricht Laotse von hohem TE und niederem TE (TE bezeichnet die Mutterkräfte des Kosmos, die alle Formen der Schöpfung latent in sich enthalten). Solange die Mitte im Menschen vom Ich-Bewusstsein überlagert ist, werden alle Kräfte, die dem Menschen zufließen, von seiner Wesensart gestempelt.

Platz machen für die reinen Energien

Das „Tao Te King“ von Laotse ist ein Handbuch für den Weg der Transformation. Sein Inhalt richtet sich an diejenigen, die verstehen, die innerlich bereits wissen. Daher werden Wegstationen nur angedeutet und sind eine Bestätigung für den, der sich auf dem Weg befindet. Vers 35 beginnt mit den Zeilen: Wer in sich das große Urbild der Schöpfung wach hält, dem wendet sich die Urschöpfung zu.

Die Urschöpfung drängt sich niemandem auf. Wir müssen nach ihr verlangen, wie das äußere Wesen nach Luft. Die Zuwendung der Urschöpfung besteht darin, dass vermehrt unpolarisierte Energien in unserem Mikrokosmos wirksam werden. Und diese können wirksam werden, weil wir nach dem Bewusstsein und der Kultur des Ich-Bewusstseins „weniger werden“: Weniger werden und wieder weniger werden, um so zum ,Nicht-Tun’ zu gelangen ... (Vers 48)

In allen Identifikationen und Lebensmustern lässt sich nach dem ersten Schritt der Selbsterkenntnis eine Absicht, ein Ziel, ein Wille des Neandertalers erkennen. Mit jedem Loslassen und jedem Atemzug, den der „königliche Mensch“ in uns tut, verändern wir uns. Die Bestätigung über die Wandlung gibt Laotse in den Versen 4 und 56. Es heißt dort:

Es (TAO) bricht die Kälte des scharfsinnigen Intellekts,

es löst das emotionale Chaos
es harmonisiert das Willensfeuer
es vereinigt den Stoff mit sich selbst.

1. Den mentalen Bereich reinigen

Was bewirkt nun ein Durchfließen von unpolarisierten Äthern in uns? Werfen wir einen Blick auf die vier Ebenen unserer Inkarnation: Im mentalen Bereich, im Gedankenleib, erfahren wir eine Befreiung von allen subtilen und groben Unredlichkeiten im Denken. Unser Denken steht gewöhnlich ganz unter der Herrschaft unseres Naturbewusstseins, und wir suchen fortlaufend nach Gedankenkonstruktionen, die unsere Lebensart rechtfertigen. Oder wir suchen nach Möglichkeiten, wie wir auf legale Weise bestehende Gesetze umgehen oder verfälschen können. Lässt man sich den Vorgang eines Geschehens von verschiedenen Leuten erzählen, dann bemerkt man, wie Tatsachen aufgebauscht oder verniedlicht werden, gerade wie der Mensch es gebrauchen kann.

„Das Wesentliche auf dieser Welt ist unsichtbar.“ (A. de Saint-Exupéry)

In den Bereich der mentalen Krallen gehört auch unser Streben, erlangte Kenntnisse und „Ergüsse“ unseres „Computers“ Gehirn an uns binden zu wollen; wir machen daraus unser „geistiges Eigentum“. Aber wirklich geistige Erkenntnisse gehören uns nicht, sie sind durch uns geflossen und fließen weiter. Wenn wir also nicht mehr für uns und unseren Profit denken, dann erleben wir, dass wir klare Einsichten und klare Erkenntnisse erlangen.

Unser Denkapparat wird befähigt zu reflektieren, was die Bewusstseinsflamme im Herzen ausstrahlt. Unser Denken erhebt sich von der rein horizontalen Ebene und betritt ein anderes Feld – jenes der Metaphysik.

2. Das emotionale Chaos klären

Auf der emotionalen Ebene, im Empfindungsleib, glättet die reine Energie das emotionale Chaos. Der Zwang der alten Gefühlsmuster, sich parteiisch zu äußern, wird aufgelöst. Die Polarität ist auf dieser Ebene besonders tief verankert, denn fortlaufend meldet sich in uns die Unterscheidung zwischen „mag ich“ und „mag ich nicht“. Mit der reinen Energie werden wir von unseren Vorurteilen befreit, die sich in Sympathie oder Antipathie äußern.

Wir werden auch von der Neigung befreit, andere Wesen emotional besitzen zu wollen und von uns abhängig zu machen. Das Abhängigkeitsverhältnis behindert den anderen daran, seinen eigenen Weg der Erlösung zu finden. Solche Abhängigkeiten werden in vielen Part¬¬nerschaftsbeziehungen und in Eltern-Kind-Beziehungen ausgelebt, nicht zuletzt auch in vielen esoterischen und religiösen Gruppen. Zur Transformation gehört auch das Freiwerden von der Lust, andere gefühlsmäßig zu quälen. (Das kann z.B. am Arbeitsplatz, in der Schule oder in der Ehe vorkommen.) Befreiung weiterhin von menschlichen Eitelkeiten und der Wichtigtuerei, sowohl weltlicher wie spiritueller Art.

Mit diesen Befreiungen wird unser Gefühlsbereich ehrlich, wahrhaftig und einfältig. Dies ist ein Zustand, der für den weiteren Weg unentbehrlich ist. Unsere Gefühle werden echt, frei von Sentimentalität, und wir werden befähigt zu lieben.

3. Integration des Willens in den Kosmischen Willen

Auf der vitalen Ebene, im Willensbereich, werden wir von unserem ständigen Drang zur Selbstdarstellung befreit. Da die Willensimpulse, die aus dem Feuer dieser Natur stammen, nachlassen, stehen wir nicht länger unter der ständigen Anspannung, Ziele der Persönlichkeit verwirklichen zu müssen. Unser Willenspotential wird von den nicht-polarisierten (reinen) Äthern gereinigt und dadurch empfänglich für kosmische Willensimpulse. Wir bekommen ein Gespür für große Zusammenhänge und erkennen, wie wir bisher aus Profitgier andere Wesen, Menschen und Tiere, zu unserem Vorteil einsetzten. Denn bislang galten Eigeninteressen mehr als kosmische Zusammenhänge. Gleichzeitig werden wir befreit von dem zwanghaften Verhalten, stets schönen Schein zu produzieren, uns in der Gesellschaft protzenhaft darzustellen mit Hilfe der gerade geltenden Statussymbole.

Wenn unser Wille in den großen Willen integriert wird, bekommen wir einen Blick für wirkliche Not und helfen absichtslos dort, wo Hilfe erforderlich ist. Wir sind nicht mehr länger auf unseren Vorteil aus, wir befreien uns aus einem Schmarotzerdasein in der Gesellschaft. Bisher galt es als klug und pfiffig, auf alle mögliche Weise vom Staat und der Gesellschaft zu profitieren. Wir erlösen uns selbst von dem zwanghaften Verhalten, jedem Schnäppchen nachzulaufen.

4. Den Körper für die "ursprüngliche Bestimmung" befreien

Wenden wir uns der vierten, der stofflichen Ebene zu: Wenn wir den Stoffkörper nicht länger wie einen Sklaven mit den Vorstellungen und Wünschen unseres Ich-Bewusstseins überschütten, dann führen die reinen Äther ihn wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zu. Er ist vorübergehender Träger des „ursprünglichen Wesens“ und steht seinem Herrn wie ein treuer Diener zur Seite; er ermöglicht ihm sogar die alchimische himmlische Hochzeit, selbst wenn er wie im Märchen vom treuen Johannes dafür sterben muss. So wird im einzelnen Körper der große Liebesakt der Urmaterie wiederholt, damit das „Große Werk“ sich vollenden kann.

Die Befreiung des Körpers von der Herrschaft des Ichs gibt ihm die Möglichkeit, das zu sein, was er ist, nämlich koagulierte, zu festem Stoff verdichtete Urmaterie. Und wenn wir diesen Blick auf die Materie allgemein gefunden haben, dann können wir nicht länger andere Körper physisch zu unserer Lust missbrauchen. (Das Vergnügungsmilieu lebt davon.) Wir achten uns selbst und alle anderen Geschöpfe.

Die uns anvertraute Materie werden wir in Aufrichtigkeit verwalten und nicht sinnlos zu unserem Nutzen horten. Unser Leben und unser Körper werden eine neue Ordnung und Reinheit bekommen, so dass wir uns mit weißen Gewändern (gemeint sind die gereinigten Ätherleiber) in die Reihe der „Lebenden“ einordnen, die kein Lebewesen mehr töten.

Das Ersatzreich des Ichs einstürzen lassen

So wachsen wir unterschiedlich schnell auf mehreren Ebenen dem „Reich“ entgegen. Unser innigster Wunsch, diesem Reich anzugehören, kann sich erfüllen, weil wir unsere Ich-Burg gesprengt haben und nicht länger das Lippenbekenntnis aussprechen: „Herr, dein Reich komme“, aber gleichzeitig zu unserer Beruhigung uns aufzählen, dass wir eine Rechtsschutzversicherung, Krankenversicherung, Hausratversicherung, Unfallversicherung und andere mehr haben und uns eigentlich nichts passieren kann.

Wenn aber das Reich kommen soll, dann muss unser Ersatzreich erst einstürzen. Auch darüber sollte man nicht im Unklaren bleiben: Wer die Bitte: „Herr, dein Reich komme“ aus der Tiefe seiner Seele ausspricht, dem wird geantwortet, und sein Leben nimmt dann eine Richtung, die sein Ich nicht gewählt hätte. „Wer sein Leben verliert, wird das LEBEN gewinnen.“

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