Spirituelles Spektrum

Eine Fundgrube für Definitionen und Äußerungen namhafter Weisheitslehrer und Philosophen zu ausgesuchten Aspekten der Spiritualität. Die verschiedenen Facetten eines Themas werden in aller Kürze aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.

Anders als in der westlichen Philosophie galt der Mensch im chinesischen Denken nie als das Maß aller Dinge. Es kennt keine Begriffe wie „Freiheit“ und „Selbstbestimmung“. Alle religiösen Traditionen Chinas gründen sich vielmehr auf das menschliche Streben nach Harmonie: mit Kosmos und Natur, Familie und Gesellschaft. So auch der Taoismus. Sein Mittelpunkt ist das Tao: Ursprung, Weg und Ziel aller Dinge. Es wirkt durch Nicht-Handeln: das „Nichteinmischen“ in den natürlichen, spontanen...
Zen ist die freieste Lehre, bei der es absolut nichts zu lernen gibt, ein direkter Erkenntnisweg und eine praktische Lebensweise. Zen zu üben erfordert tapfere Entschlossenheit, aber nicht den Ernst eines Bergsteigers, der den K2 bezwingen will: Zen bedeutet Freude am spirituellen Weg, und dieser Weg hat kein Ende, wie weit man auch fortgeschritten ist – stets dehnt sich vor einem ein „grenzenlo ses Jenseits“ aus.
Der Buddhismus stellt gerade für Menschen mit christlichem Hintergrund eine zunehmend attraktive religiöse Alternative dar: weil er vor allem ein praktischer, individueller Weg zur Erleuchtung ist und nicht einfach eine religiöse Lehre; weil er „so schön unreligiös ist“ und anscheinend nicht einmal eine oberste Gottheit braucht; weil er das Leiden weder verdrängt noch betont, sondern sich auf dessen Überwindung konzentriert.
Der Hinduismus ist zu keinem festen Zeitpunkt entstanden: er war gleichsam immer schon da. Er enthält fast alle Ausdrucksformen des religiösen Le bens, die je auf Erden entstanden sind – von der Magie bis zur Mystik. Schon das alte Indien strebte nach Selbstverwirklichung und der Einheit der Menschen in dem Einen Geist, und die Visionen früherer und moderner indischer Weiser legen bis heute Zeugnis...
Auch der Islam hat heute mit dem modernen Wertewandel zu kämpfen, zumal die koranische Botschaft als unwandelbar gilt. Gerade deshalb drängt sie so erfolgreich in die vom Christentum hinterlassenen Lücken. Je aggressiver dies geschieht, desto mehr schmerzen noch alte Wunden aus der westlichen Kolonialzeit. Doch erst wenn Christen und Muslime ihre Span...
Das Judentum hat nicht nur das Chri stentum und den Islam stark mitgeprägt, sondern die gesamte abendländische Kultur. Für das Selbstverständnis und die Rolle des heutigen Judentums zentral ist eine Frage, die sich so in anderen Religionen nicht stellt: Ist man als Jude nur Teil einer Konfession oder automatisch auch einer Nation? Die Meinungen dazu gehen in alle Richtungen auseinander.
„Warum ist die christliche Religion für so viele von uns noch immer ein Gegenstand höchsten Interesses – einerlei ob wir Mitglieder einer Kirche sind oder nicht, und aller Kritik zum Trotz, die wir an Einzelheiten der Lehre und des Brauchtums vielleicht meinen üben zu müssen? Was lieben wir an der christlichen Tradition – und was an ihr können wir nicht lieben?“
Als Weltanschauung unter vielen schien die Religion in der modernen Welt gut untergebracht zu sein. Nun hat sie sich unerwartet als einflussreiche öffentliche Kraft zurückgemeldet, die anhaltend für Konflikte sorgt (Stichwort: Fundamentalismus). Um diese zu entschärfen, brauchen wir ein neues Verständnis von Religion, das sich statt an orthodoxen Positionen an ihrem ureigenen spirituellen Ziel orientiert – der transzendenten Verbindung mit dem Ursprung der eigenen Seele.
Die Liebe ist eine wunderbare, verbindende Kraft, voller Schönheit und Energie. Die Wurzel aller Probleme ist das Fehlen von Liebe. Wir haben die Fähigkeit, uns zum Besseren zu wandeln, indem wir uns selbst genug lieben, um auch andere zu lieben. Dazu müssen wir erkennen, wer wir wirklich sind. Dann gibt es kein Problem, das nicht mit Liebe zu lösen ist.
Die Zukunft ist offenWir erleben die Zukunft unseres Wollens als offen. Darin liegt unsere Freiheit. Beim Thema Zukunft denken wir normalerweise an Prognosen. Wir möchten voraussehen, was kommen wird. Weissagungen beanspruchen, die Zukunft zu kennen. Doch sie ist nur zum Teil bekannt und festgelegt. In Wirk...
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