Spirituelles Spektrum
Eine Fundgrube für Definitionen und Äußerungen namhafter Weisheitslehrer und Philosophen zu ausgesuchten Aspekten der Spiritualität. Die verschiedenen Facetten eines Themas werden in aller Kürze aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet.
Der Glücksbegriff ist unendlich vielfältig. Materielles Glück und körperliches Glück sind flüchtig. Dauerhaftes Glück lässt sich nur von innen her aufbauen, denn der Weg zum Glück liegt immer in uns selbst. Das Glück der Seele besteht im Einklang mit sich selbst und in der „enthusiastischen, intuitiven Teilhabe des endlichen Geistes am Unendlichen“ (Daniel Schleiermacher)
Jeder von uns ist einzigartig. Selbstvertrauen, den Glauben an die Möglichkeit, das eigene Leben zu gestalten, finden wir daher nur in uns. Diesen Glauben brauchen wir auch auf dem spirituellen Weg. Dann macht uns Gott so stark, wie wir es nie geglaubt hätten.
Gott, heißt es, schuf den Menschen nach seinem Bild. Und der Mensch machte sich Bilder von Gott. Doch Gott lässt sich weder erdenken noch wissenschaftlich beweisen. „Erkenne dich selbst“, riet daher nicht erst Sokrates den Menschen. Denn sind wir wirklich Gottes Ebenbild, muss er in uns zu finden sein.
Guru Nanak erkannte Gott als unveränderlich und ewig. Laotse stieß bis ins geheime Wesen aller Dinge vor. Sokrates nannte den Zugang zur Transzendenz wesentlich für das menschliche Leben. Buddha erfuhr, dass einzig der Geist den Geist erkennen kann. Alles nur Fantasterei, wie man dem Propheten Mohammed unterstellte? Nein – die Mitgift einer jeden Seele, die nach dem Willen ihres Schöpfers sein Ebenbild ist: „Götter seid ihr!“ (Christus)
Mystiker haben unabhängig von ihrer religiösen Herkunft die Vereinigung mit ihrem Gott erlebt und die Geheimnisse ihres Glaubens unmittelbar erfahren. Ihre Zeugnisse sprechen auf je eigene Weise vom unaussprechlichen Ergriffenwerden durch den Einen, der „Alles in Allem“ für sie geworden ist. Der Weg, den sie gegangen sind, ist jedoch das Geburtsrecht aller Menschen, auch wenn es nur selten verwirklicht wird.
Der Hinduismus ist mehr als „nur“ Religion. Er versteht sich als idealtypisches, der kosmischen Weltordnung gemäßes Verhaltensmodell für alle Lebensbereiche. Darum hat er weder einen einzelnen Gründer noch ein „kirchliches“ Oberhaupt. Seine zeitlosen Weisheiten wurden einst von Weisen „gehört“ und bis heute bewahrt. In stetem Wandel werden sie immer neu belebt und neu verstanden.
Yoga ist der im Westen bekannteste Begriff der indischen Geistesgeschichte. Lange vor Freud und Jung ergründeten die Yogis das Reich des Unbewussten und erkannten: Das alltägliche Leiden kann durch dauerhaftes Glück ersetzt werden. Die Yoga-Praxis entfaltet den geistigen Willen, der gegen äußere Einflüsse immun ist. So findet der Übende bewusst in die Wahrheit des Yoga zurück, in der alle Menschen unwissentlich bereits leben.
Zen ist eine weltanschaulich ungebundene Meditationspraxis, um das Bewusstsein zu konzentrieren und zur geistigen Erfahrung unserer wahren Natur zu führen, die uns und alle unsere Aktivitäten trägt. Ein Grundprinzip von Zen ist die Kostbarkeit jedes Augenblicks: Es lädt uns ein, auch mitten im Alltag nicht zu vergessen, wer wir sind.
Vom Islam kennen wir meist nur die problematischen Aspekte. Falsch übersetzte Reizwörter wie der Koran-Begriff „Dschihad“ fördern unser Unverständnis noch. Die Muslime achten zumindest das Evangelium als göttliche Offenbarung. Nach dem Verständnis des Propheten erzählt es zusammen mit der Tora und dem Koran nur eine einzige, von vielen Propheten übermittelte Geschichte: die Beziehung des Menschen zu Gott.
Der Buddhismus ist ein Weg, um über intensive spirituelle Arbeit Befreiung zu finden, vom „Leben ist Leiden“ zur Sicht der höchsten Freude. Westlichen Menschen erscheint er oft weniger formalistisch als ihre etablierten Religionen. Doch auch der Buddhismus kennt eine Vielfalt ritueller Praktiken. Worauf beruht seine besondere Anziehungskraft? Er passt sich dem geistigen Horizont des Einzelnen an, ohne ihn von seinen religiösen Wurzeln zu entfremden.