KELTISCHE GEISTESWELT
Ein Thema - sechs Sichtweisen
NEBULÖSES KELTENBILD
Was wir über die Religion der keltischen Völker erfahren, ist so widerspruchsvoll, dass der Forscher sich in verwirrenden Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten verlieren kann.
Die Darstellung der Religion der keltischen Völker ist mit den größten Schwierigkeiten verbunden. Was wir darüber erfahren, ist lückenhaft und widerspruchsvoll; das hat seinen Grund in der Beschaffenheit des Quellenmaterials, mit dem wir arbeiten müssen. Der Forscher, der sich an die überlieferten Tatsachen halten will, handelt klug, wenn er sich damit bescheidet, eben nur den Tatbestand zu verzeichnen.
Sobald man versucht, sich ein Bild von dem religiösen Glauben der keltischen Stämme in seinen Nuancierungen zu machen, läuft man Gefahr, sich mit mehr oder weniger wohlfeilen Hypothesen über die überall klaffenden Lücken hinwegzusetzen. Wie der irische Held sich plötzlich in einem Nebel verirren kann und dann in die Traumwelt des sid-Volkes hineingerät, so verliert auch der Forscher sich in verwirrende Möglichkeiten und Wahrscheinlichkeiten, während der feste Boden der Tatsachen sich unter seinen Füßen in Treibsand verwandelt.
Es ist deshalb verständlich, dass man auf diesem Gebiet Anschauungen begegnet, die einander schnurstracks zuwiderlaufen.
Jan de Vries
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