Mensch & Wissenschaft

Mensch & Wissenschaft

„Hat die Naturwissenschaft nicht bewiesen, dass die übernatürliche Welt und das, was wir Gott nennen, nur Täuschung und Wunschdenken sind? Nein. Die Methoden der Wissenschaft haben nur in Fragen etwas zu sagen, die auch durch Daten und Fakten zu klären sind.“

Unberechenbarer Gehilfe
Die Naturwissenschaft ist weder gut noch böse. Sie ist ein Golem – ein vom Menschen geschaffener Gehilfe, der tut, was man ihm sagt, der seinem Herrn aber auch gefährlich werden kann.

Die Naturwissenschaft wird meist für entweder ganz oder gar gut oder ganz und gar böse gehalten. Für manche ist sie wie ein Kreuzritter, von einfältigen Mystikern bedrängt, während wirklich finstere Gestalten zur gleichen Zeit nur darauf warten, aus dem Sieg der Unwissenheit einen neuen Faschismus erstehen zu lassen. Für andere ist die Wissenschaft selbst der Feind: Eine technische Bürokratie – das Gegenteil von Kultur –, von Kapitalisten gelenkt, die nichts kennen als den Profit, vergeht sich an unserem blauen Planeten, unserem Gefühl für das Gerechte, das Poetische und das Schöne. Beide Vorstellungen von der Wissenschaft sind falsch und gefährlich. Die Wissenschaft gleicht weder dem tapferen Ritter noch dem wütenden Unhold. Sie ist ein Golem. Der Golem ist ein Geschöpf aus der jüdischen Mythologie. Er ist ein Homunkulus, von einem Menschen unter Zauber und Beschwörung aus Lehm und Wasser erschaffen. Er ist stark. Und jeden Tag wir er ein wenig stärker. Er tut, was man ihm sagt, nimmt seinem Herrn lästige Arbeit ab und beschützt ihn gegen den immer drohenden Feind. Allerdings, er ist auch schwerfällig und gefährlich. Wenn er nicht aufmerksam überwacht wird, kann der Golem seinen Herrn mit wilder Kraft vernichten.
HARRY COLLINS

Kritisches Bewusstsein
Es ist unsere Verantwortung, ein kritisches Bewusstsein darüber zu haben, was wir im Rahmen des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts entwickeln und wieso wir dies tun.

Es genügt nicht, die gesellschaftliche Verantwortung auf die Förderung des wissenschaftlichen und technischen Fortschritts zu beschränken. Auch der Hinweis, dass der Umgang mit diesem neuen Wissen und seinen Einsatzmöglichkeiten in der Entscheidung des oder der Einzelnen liege, wird dem Problem nicht gerecht. Wenn damit gesagt werden soll, die Gesellschaft als Ganze habe kein Recht, die Entwicklung der Forschung und neuer Technologien zu beeinflussen, würde dies jede humanitäre und ethische Überlegung zur Regulierung des wissenschaftlichen Fortschritts unterbinden. Es ist wichtig, ja es liegt sogar in unserer Verantwortung, ein kritisches Bewusstsein darüber zu haben, was wir entwickeln und wieso wir dies tun. Je früher wir in den kausalen Zusammenhang dieses Prozesses eingreifen – das ist eine grundsätzliche Wahrheit –, umso eher werden wir ungewollte Konsequenzen verhindern können. Es bedarf größerer gemeinschaftlicher Anstrengungen, als es sie bisher gegeben hat, um uns den Herausforderungen der ...

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