Träume

Träume

In unseren Träumen können wir auch Visionen erfahren. Visionen sind keine Zielvorstellungen für unser eigenes Leben, sondern die größtmögliche Erfahrung von Ganzheit. Das Wort „Erleuchtung“, das häufig dafür gewählt wird, bezieht sich auf Lichtphänomene, die mit ihrem Erscheinen verbunden sein können.

Träume und Märchen

Träume versetzen uns in das magische Zauberreich unserer Kindheit zurück. Das märchenhafte Gewand dient dazu, Probleme zu behandeln, für die uns klare logische Worte fehlen. Verschlüsselte seelische Inhalte sind die interessantesten Träume, die seit Menschengedenken die Phantasie der Forscher und Künstler anregen. In ihnen begegnen uns dunkle Männer, geheimnisvolle Frauen, unmögliche Ereignisse und zauberhafte Verwandlungen. Für wenige Minuten versetzen sie uns in die Welt unserer Kindheit zurück, als wir in einem magischen Zauberreich lebten, das von Zwergen, Riesen, Hexen, Feen und sprechenden Tieren bevölkert war. Damals war uns nicht bewusst, dass die Märchen und Abenteuergeschichten, denen wir mit angehaltenem Atem lauschten, uns auf das Leben der Erwachsenen vorbereiteten. Was unsere Phantasie anregte, lehrte uns zugleich den Unterschied zwischen Gut und Böse. Wir lernten die Mutigen zu bewundern, Feiglinge zu verachten, Schwache zu beschützen, Leidende zu trösten und über Tolpatsche zu lachen. Kurz, Märchen trugen dazu bei, in unserer Seele eine Werteordnung einzurichten, von der wir uns auch heute noch leiten lassen. Im Traum geschieht das Gleiche. Je phantastischer die Bilder sind, umso sicherer können Sie sein, dass sie ausschließlich dazu dienen, Ihre unbewussten, uneingestandenen Fragen an die Welt zu beantworten. Das märchenhafte Gewand dient dazu, Probleme zu behandeln, für die Ihnen klare logische Worte fehlen.

FRANK-UWE MAASS & FRANK NAUMAN

Wegweiser von innen

Träume können Wegweiser sein, die uns zu verstehen geben, wo der Weg weiter geht, oder die uns auch bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Unsere Träume gehören zu uns Menschen wie unsere Gedanken, Absichten, Gefühle usw. Sie sind ein wichtiger Aspekt unserer alltäglichen Wirklichkeit; bedenken wir nur einmal, wie sehr ein „guter“ Traum uns beflügeln kann, uns mit Schwung in den Alltag hineingehen lässt, wie andererseits ein „schlechter“ Traum uns beunruhigt, und wie wir diese Beunruhigung auch in den Tag hineinnehmen, der dann irgendwie grauer zu sein scheint, als er ist. Nun kann aber gerade ein solcher „schlechter“ Traum von großer Wichtigkeit für uns sein: Er kann uns aufrütteln, uns dazu bringen, eine Lebenssituation einmal mit den Augen des Traumes anzusehen, einmal wirklich hinzusehen, was wir mit uns, mit dem Leben, mit anderen Menschen machen. So können Träume Wegweiser sein, die uns zu verstehen geben, wo der Weg weiter geht, oder die uns auch bestätigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Wir Menschen sind meistens froh, wenn wir in diesem Leben, das oft so schwer zu bewältigen ist, „Wegweiser“ finden. Die Träume – diese „Wegweiser von innen“! – haben den großen Vorteil, dass sie unserer eigenen Seele und unserer eigenen Wirklichkeit entspringen und uns nicht von außen angeboten werden.

VERENA KAST

Fahrplan fürs Leben

Träume lehren uns, dass es einen Entwicklungsweg, einen inneren Fahrplan des menschlichen Lebens gibt. Dies zu erfahren schafft Vertrauen in die größeren Zusammenhänge unseres Lebens. Ob es wohl so etwas wie eine Wanderkarte für unsere Lebenslandschaft gibt, ein Wege- und Straßennetz gleichsam mit gewissen Hinweisschildern, mit Wegweisern? Vielleicht sogar so etwas wie einen Fahrplan? – Tröstlich wäre es ja.- Lassen sich Krisen, Chancen und Entwicklungsaufgaben der jeweiligen Lebensstufe und die Art und Weise der Lebensübergänge an Träumen erkennen? Lebensübergänge treten nicht einfach nach dem Kalender ein, obwohl sich auch bei der Feier der „runden Geburtstage“ entsprechende Gefühle des Übergangs einstellen können. Soviel lässt sich gleich zu Anfang sagen: Diese Schwellen kündigen sich sogar untrüglich in unseren Träumen an, vor allem in den Emotionen, die mit ihnen verbunden sind. Träume werden dadurch zu Wegweisern in ganz prägnantem Sinn.Träume lehren uns immer wieder staunen über das innere Wissen unserer Psyche, über ihr Ahnungsvermögen und ihr Vorauswissen von der symbolischen Bedeutsamkeit unseres Entwicklungsweges. Sie erst lehren uns überhaupt, dass es einen Entwicklungsweg, einen inneren Fahrplan des menschlichen Lebens gibt, dessen Phasen und Rhythmen unserer Psyche eingestiftet zu sein scheinen. Dies zu erfahren ist für viele tröstlich und schafft Vertrauen in die größeren und tieferen Zusammenhänge unseres Lebens.

INGRID RIEDEL

Spirituelle Träume

Träume mit archetypischen Symbolen und starker überzeugender Wirkung haben häufig eine spirituelle Dimension. So werden auch mit zunehmender religiöser Entwurzelung spirituelle Glaubenserfahrungen ermöglicht. Als Ausdruck eines ganzheitlichen seelischen Lebensprozesses haben so genannte große Träume mit archetypischen Symbolen häufig eine spirituelle Dimension, indem sie eine Beziehung herstellen und eine Verbindung ermöglichen zur geistigen und göttlichen Welt. Die so genannten archetypischen Bilder und besonders anrührenden psychischen Energien, die die einzelne Träumerin oder den Träumer unbedingt angehen, haben eine derart überzeugende Wirkung, dass sie auf geistige Wirkkräfte schließen lassen, die in der biblisch-christlichen Überlieferung als Gotteserfahrung und als spirituelles Widerfahrnis aus der geistigen Dimension bezeugt werden. Diese spirituelle Qualität der Träume mit ihrer überzeugenden Wirkung hat vor allem in unserer geistigen Situation mit zunehmender religiöser Entwurzelung und Abkehr von traditionellen kirchlichen Gottesdiensten eine aktuelle Bedeutung. Nach meinen Traumforschungen und der therapeutischen Traumarbeit vieler Kolleginnen und Kollegen in der psychotherapeutischen Praxis wird das Vakuum, das durch die mangelnde religiöse Praxis einer Vielzahl von Menschen entsteht, zunehmend durch die Erscheinung von spirituellen Symbolen und Gottesbildern in den eigenen Träumen kompensiert; so werden neue spirituelle Glaubenserfahrungen ermöglicht.

HELMUT HARK

Traum als Vision

"Visionen“ können wir in der Nacht in unseren Träumen oder am Tag als eine meist bildhafte Eingebung erfahren. Durch sie geschieht Offenbarung von geheimem Wissen, meist in Form von Prophezeiungen.
Eine andere Form von Sternstunden sind Einsichten, die in die Zukunft weisen und mit dem Wort „Vision“ umschrieben werden. Diese können wir in der Nacht in unseren Träumen oder am Tag als eine meist bildhafte Eingebung erfahren. In Unterscheidung zur kreativen Imagination sind Visionen keine von uns geleistete Verstandesarbeit, mit der wir uns zukünftige Ziele für unser eigenes Leben vorstellen: Eine Vision umfasst immer ein größeres System als das persönliche Leben und ist nach meiner Vorstellung die größtmögliche Erfahrung von Ganzheit in der „Absolutheit“. Deshalb wird vielleicht auch häufig das Wort „Erleuchtung“ für diese Dimension unserer Erfahrung gewählt, bzw. lässt uns die Übermittlung am Tag wie „vom Blitz getroffen“ erleben. Beide Bezeichnungen beziehen sich auf Lichtphänomene, die mit dem Erscheinen von Visionen verbunden sein können. Häufig werden Visionen auch als Offenbarung bezeichnet. Mit diesem Wort wird am deutlichsten auf die Vermittlung von geheimem Wissen hingewiesen, die in diesen Träumen geschieht. In der Religionsgeschichte gibt es unzählige Beispiele für diese Traumerfahrung, meist in Form von Prophezeiungen.

HARTMUT STEFFEN

Erwachen in die Überwirklichkeit

Selbst numinos gestimmte Transzendenzträume bewirken kein Abheben von der Realität. Im Gegenteil: Das Aha-Erlebnis, das sie auslösen, führt zu einem neuen Erwachen in der alltäglichen Realität. Einige Träume sprengen den Rahmen von Raum, Zeit und Individualität. Das steht außer Frage. Ernstzunehmende Forschungen belegen es. Auch
mit dem Risiko, insgesamt als unwissenschaftlich abgetan zu werden, darf unsere Wahrhaftigkeit in diesem Punkt nicht dem Über-Ich des positivistischen
Vorurteils weichen.

Die positivistische Voreingenommenheit hat etwas Gutes: Sie zwingt zur Nüchternheit. Viele Menschen reichern konfabulatorisch ihre Träume mit
wundersamen, außergewöhnlichen Details an und sind sogar in der Lage, dies zu verdrängen. Erzählt mir jemand in fiebrig aufgeheizter Stimmung
einen scheinbaren Transzendenztraum, vermute ich jedes Mal, dass das wundersame Element in diesem frei erfunden ist. Die Sucht nach
Bedeutung ist Flucht aus der Alltagswelt.

Echte Transzendenzträume geben sich durch die nüchterne Selbstverständlichkeit zu erkennen, mit der sie auftreten. Selbst die numinose
Gestimmtheit in manchen, keineswegs allen, Transzendenzträumen lässt die Urheber dieser Träume nicht vom Boden der Realität abheben. Im
Gegenteil: Durch das Aha-Erlebnis, das sie auslösen, leiten sie zu einem neuen Erwachen in der alltäglichen Realität über.

PETER SCHELLENBAUM

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