WAS IST TOLERANZ?
Ein Thema – sechs Sichtweisen
SCHLECHTE UND GUTE TOLERANZ
Es kann auch „falsche Toleranz“ geben, besonders dort, wo nicht hinzunehmende moralische Vergehen geduldet werden... Toleranz ist nur dann eine positive Haltung oder Praxis, wenn sie zu etwas Gutem dient.
Die Geschichte der Toleranz lässt sich denn auch als Geschichte der Begründungen verstehen, die verwendet wurden, um die drei Komponenten der Ablehnung, Akzeptanz und Zurückweisung mit Inhalt zu füllen. Diese reichen von religiösen Begründungen über liberale bis zu utilitaristischen oder kommunitären...
Worauf es an dieser Stelle ankommt, ist einerseits, diese normative Abhängigkeit des Begriffs zu sehen, andererseits aber auch Kriterien für normative Begründungen zu bestimmen, die aus ihm selbst erwachsen. Eine wichtige Implikation von Ersterem ist, dass die Toleranz an sich entgegen einer weit verbreiteten Meinung kein Wert ist, sondern erst dadurch zu etwas Wertvollem wird – besonders zu einer Tugend –, dass entsprechende Komponenten gut begründet werden. So kann es auch „falsche Toleranz“ geben, besonders dort, wo nicht hinzunehmende moralische Vergehen geduldet werden...
Toleranz ist somit dann eine positive Haltung oder Praxis, wenn sie zu etwas Gutem dient, d.h. wenn sie um der Realisierung höherstufiger Prinzipien oder Werte willen gefordert und dadurch gerechtfertigt ist.
Rainer Forst
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