Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

Visionen

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In Krisen und Unglück wird der Ruf nach dem Wandel, ja sogar nach der Transformation des menschlichen Bewusstseins laut. Wie oft hat der Mensch aber einen Irrtum durch den nächsten ersetzt! Die Frage ist also berechtigt: Wem sollte man mehr vertrauen, menschlichem Wissen oder göttlicher Weisheit?

Ein Thema – sechs Facetten

 Stabiles Unglück oder Wandel

Unser Lebenswandel ist absolut unabdingbar für unsere spirituelle Entwicklung. Bestimmte Veränderungen können unseren Wünschen aber widersprechen.

Wandel: Übergang von einem Zustand zu einem anderen. Veränderung, Verbesserung. Oft behalten wir einen schwierigen oder unerträglichen Lebensrhythmus bei, nur weil wir wissen, was uns erwartet. Lieber ein stabiles Unglück als das Risiko des Wandels. So erklären sich auch besondere Krisen oder Krankheiten, die uns zu erkennen geben, dass wir alt Eingefahrenes zurücklassen und zu Neuem schreiten sollten. Auch wenn manche Umstellungen schwierig sind, so wollen doch die wenigsten sie später wieder rückgängig machen. Es ist völlig natürlich, dabei verschiedene Etappen durchzumachen. Wandel hat nichts mit Zerstörung zu tun.

Unser Lebenswandel ist absolut unabdingbar für unsere spirituelle Entwicklung. Unser innerer Gott weiß genau, was wir brauchen. So können bestimmte Veränderungen unseren Wünschen durchaus widersprechen. Wir sollten versuchen, zu vertrauen und loszulassen. Die wunderbaren Auswirkungen bedingungslosen Akzeptierens beschleunigen jeden Wandel.

Lise Bourbeau

 

Ideologie des Körpers

Der Satz „Du musst dein Leben ändern!“ ist jetzt als Refrain einer Sprache des In-Form-Kommens des Körpers zu hören.

Dem seit 1900 explodierenden Sportkult kommt eine überragende geistesgeschichtliche Bedeutung zu, besser: ethik- und askesegeschichtliche Bedeutung zu, weil sich in ihm ein epochaler Akzentwandel im Übungsverhalten manifestiert – eine Transformation, die man am besten als Re-Somatisierung bzw. als Entspiritualisierung der Askesen beschreibt. In dieser Hinsicht ist der Sport die explizite Verwirklichung des Junghegelianismus der philosophischen Bewegung, deren Schlüsselwort „Auferstehung des Fleisches im Diesseits“ gelautet hatte. Von den beiden großen Ideen des 19. Jahrhunderts, dem Sozialismus und dem Somatismus (soma – Gesamtheit des Leiblichen; Anm. d. Hrsg.), war offensichtlich nur die letztere allgemein durchsetzbar, und man braucht kein Prophet zu sein, um zu behaupten, dass das 21. Jahrhundert noch mehr als das 20. ihr ganz und gar gehören wird …  Der Satz „Du musst dein Leben ändern!“ ist jetzt als Refrain einer Sprache des In-Form-Kommens zu hören.

Peter Sloterdijk

 

Gefahren der Transformation

Keine Methode der Transformation ist gegenüber Exzessen oder einem Mangel an Weisheit immun.

Die meisten Transformationsmethoden genügen nicht einmal ihren eigenen Ansprüchen. So können Psychotherapeuten die zwanghafte Beschäftigung mit den entlegensten Winkeln des Selbst, eine fehlgeleitete Toleranz zerstörerischer Gefühle oder Fehlinterpretationen der persönlichen Dynamiken, die Heilung und Wachstum zu gefährden vermögen, fördern. Wie der Gestalttherapeut Fritz Perls es einmal formulierte, wird Therapie oft missbraucht, um Selbsterkenntnis und Integration abzuwehren. Auch der Sport fordert seine Opfer, sowohl im spirituellen als auch im körperlichen Bereich; und trotz ihrer in der Öffentlichkeit verkündeten moralischen Ansichten bringen bestimmte religiöse Gruppen grausame, ja ungeheuerliche Aktivitäten hervor. Keine Methode ist gegenüber Exzessen oder einem Mangel an Weisheit immun. Jedes Programm, das auf Wachstum des Menschen ausgerichtet ist, kann durch Unwissenheit, Unfähigkeit oder moralische Verderbtheit unterwandert werden. In der Tat wird jedes Programm zur Weiterentwicklung durch angeborenes oder kulturell bedingtes Unvermögen beeinflusst, das generell eine Auswirkung auf das menschliche Leben hat.

Michael Murphy

 

Transformation des Bewusstseins

Die Revolution kommt wie immer aus dem Innen, um erst dann im Außen ihren Platz zu finden. Letztlich ruht alles auf einer entsprechenden Transformation des menschlichen Bewusstseins.

Die Transformation selbst jedoch wird wie alle Transformationen in den Herzen und im Geist jener Einzelnen angebahnt, die selbst den Evolutionsschritt tun. Diese Einzelnen schaffen mit ihrer neuen Sicht der Welt ein kognitives Potential, das allmählich auch in die bestehenden gesellschaftlichen Institutionen einsickert, bis das zuvor als Randerscheinung eingeschätzte neue Weltbild selbst institutionell verankert ist und dieser Hebel ihm erlaubt, das kollektive Bewusstsein auf eine neue Stufe zu heben. Die Revolution kommt wie immer aus dem Innen, um erst dann im Außen ihren Platz zu finden. Gegenwärtig sehe ich diesen Weg der individuellen Entwicklung als unsere einzige Möglichkeit: kollektive Träger eines neuen und tieferen Innen kann ich nirgendwo ausmachen. Ohne also die große Bedeutung ökologischer, wirtschaftlicher und finanzieller Faktoren für die globale Transformation leugnen zu wollen, bleibt für mich doch ganz im Vordergrund, dass all das letztlich auf einer entsprechenden Transformation im menschlichen Bewusstsein ruht.

Ken Wilber

 

In das Herz der Dinge eintreten

Es genügt eine Stromunterbrechung, um uns in das Zeitalter der Höhlenmenschen zurückzuwerfen. Denn fortzuschreiten heißt nicht, das Vorhandene verbessern. Es heißt, das Bewusstsein und die Sicht ändern.

Zweifellos sind wir nicht so fortgeschritten, wie wir glauben. Wir sind nicht menschlicher als die Leute aus Theben oder Athen, nicht weitergekommen trotz unserer ganzen Technik. Sri Aurobindo hat das so ausgedrückt: „Die moderne Menschheit braucht die Technik um ihrer heillosen Barbarei willen.“ Wir glauben zu beherrschen, aber wir beherrschen überhaupt nichts! Unsere Technik ist ein Eingeständnis der Ohnmacht, eine vielseitige kümmerliche Apparatur, um unsere Unfähigkeit, fern zu sehen, fern zu hören, in das Herz der Dinge einzutreten und sie direkt und sofort zu ergreifen, zu ersetzen; wir können die Materie nicht besser als vor zehntausend Jahren (und vielleicht wusste man damals sogar mehr) durch unseren Willen verändern, durch Bewusstsein erhellen und durch Vision verstehen. Trotz unserer Ausrüstung sind wir weniger fortgeschritten als das Tier mit seinem sechsten Sinn oder der Pygmäe Zentralafrikas. Es genügt eine Stromunterbrechung, um uns in das Zeitalter der Höhlenmenschen zurückzuwerfen. Denn fortzuschreiten heißt nicht, das Vorhandene verbessern, noch neue Nutzungsmöglichkeiten entdecken: Es heißt, das Bewusstsein und die Sicht zu ändern.

Satprem

 

Vor dem Wandel steht der Zusammenbruch

Das was wir wirklich wollen, ist oft nicht das, was wir meinen. Unglücklicherweise ist manchmal der einzige Weg das herauszufinden, es zu bekommen.

Ich behaupte, dass das was wir wirklich wollen, oft nicht das ist, was wir meinen. Unglücklicherweise ist manchmal der einzige Weg das herauszufinden, es zu bekommen. Wie viele Menschen haben erfahren, dass Ruhm und Reichtum, nachdem sie endlich errungen waren, sich nicht als das entpuppten, was sie eigentlich gewollt hatten? Aber sie hätten es nicht anders herausfinden können. Irregeleiteter Eigennutz kann ein Pfad zu authentischem Eigennutz sein. Vielleicht gilt dasselbe für die gesamte Zivilisation. Vielleicht wird nichts weniger als der Kollaps unserer Zivilisation ausreichen, um uns zu unserem wahren Selbst zu erwecken.

In einigen Details ist das technologische Programm ein großer Erfolg. Wir haben ein Reich der Zauberei und Wunder erreicht. Wir besitzen gottgleiche Kräfte. Und doch fällt irgendwie die Welt um uns herum auseinander. Unser Vertrauen in Technik schwindet andererseits nur langsam, weil ihre Erfolge innerhalb ihrer engen Grenzen unbestreitbar sind. Vielleicht kann als Einziges ihr endgültiges, unleugbares, systematisches Versagen auf breitester Basis den Betrug enthüllen.

Charles Eisenstein

 

Wir hoffen, Sie finden diese Vorschau auf den Artikel aus dem Magazin VISIONEN interessant! Es würde uns sehr freuen, Sie als neuen Abonnenten des Magazins begrüßen zu dürfen.

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