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Wir können anderen Menschen nur im Rahmen unseres gemeinsamen Schicksals helfen, oder anders gesagt: wie es dem Willen Gottes entspricht. Doch woran erkennen wir, was sein Wille ist, und wie wissen wir, ob wir nicht doch etwas daran ändern können?

Hintergründe und Lösungen – meisterhaft erklärt

WANN HILFT HELFEN?Unsere Bindungen an andere Menschen haben bestimmte karmische Ursachen. Nur in diesem vorgegebenen Rahmen können wir ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Wir werden daher immer wieder erleben, dass uns die Hände gebunden sind oder unsere Bemühungen erfolglos bleiben.

Der Koran erklärt den Grund dafür so: „Tritt ein Geschehnis ein, dann soll es ohne Zweifel genauso geschehen, wie es geschieht“ (vgl. Sure 56:1). Das bedeutet: Um Ereignisse, die ich ohnehin nicht ändern kann, muss ich mir auch keinen „Kopf“ machen. Oder, wie der Volksmund sagt: „Wenn du ein Problem hast, dann löse es, und kannst du es nicht lösen, mach kein Problem daraus.“ Denn gegen Gottes Willen ist kein Kraut gewachsen; er erfüllt sich auf jeden Fall.

Doch nicht immer ist klar zu erkennen, worin sein Wille genau besteht. Und besitzen wir nicht doch eine gewisse Freiheit, ihn zu akzeptieren oder nicht? Dieses Dilemma bewog einst einen Heiligen zu dem bekannten Gebet: „Herr, gib mir die Kraft, zu ändern, was zu ändern ist, und anzunehmen, was nicht zu ändern ist – und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“

Im Zweifelsfall ist es am besten, zu tun, was wir können, und das Ergebnis unserer Bemühungen Gott zu überlassen. Sein Wille wird auf jeden Fall geschehen, ohne dass wir irgendwelchen Einfluss darauf haben. Fällt er in unserem Sinne aus, umso besser. Falls nicht, sollten wir die Sache leichten Herzens akzeptieren. Sind wir aber doch versucht, Gottes Willen zu ändern, machen wir uns nur selber unglücklich. Das Ergebnis bleibt sich am Ende gleich.

ZWEI BEISPIELFÄLLE. Es kann zum Beispiel Folgendes vorkommen:

Hilfe für Verstorbene. Manchmal sehnen wir uns danach, die Beziehung zu einem Angehörigen noch über dessen Tod hinaus zu verlängern. Doch damit sind wir schlecht beraten, wie die Geschichte des Krishna-Schülers Arjuna zeigt. Als er Gelegenheit erhielt, noch einmal mit seinem geliebten, kürzlich verstorbenen Sohn zu sprechen, erklärte ihm dieser rundheraus: „Zwischen uns gibt es keine Vater-Sohn-Beziehung mehr. Sie bestand nur so lange, wie ich auf der Welt war, und ist nun vorbei.“ (Vgl. „Problemfall: zu viel Liebe“, Dezember-Heft 2013.) Darum hat es keinen Sinn, unsere Verwandten noch im Jenseits erreichen zu wollen, um ihnen dort weiter Beistand zu leisten. Der einzige Weg, um alles Menschenmögliche für einen anderen zu tun, besteht darin, die Angelegenheit in Gottes Hand zu legen und das zu akzeptieren, was sich schlussendlich als sein Wille zeigt.

Spirituelle Hilfe. Ein weiterer Koranvers untermauert dieses Prinzip noch klarer, und zwar in Bezug auf den Wunsch, anderen in spiritueller Hinsicht auf die Sprünge zu helfen: „Du kannst auch nicht die Blinden führen, die fehlgegangen sind. Du kannst keinem die Ohren öffnen außer denen, die an die Zeichen Gottes glauben“ (vgl. 27:81). Diese Zeichen enthüllen sich uns durch die göttlichen Offenbarungen, die wir im Zustand der Meditation in uns empfangen können. Die beste spirituelle Hilfe, die wir jemandem angedeihen lassen können, liegt darin, ihn auf den Weg zu diesen göttlichen Offenbarungen hinzuweisen, damit er ihn selbst aufnehmen kann.

Helfenwollen ist eine gute Sache. Wir müssen dabei aber unsere Grenzen kennen. Denn, so heißt es weiter im Koran: „Wem Gott kein Licht gibt, der hat kein Licht“ (vgl. 24:40). Es steht also nicht in unserer Macht, einen anderen Menschen auf den rechten Pfad zu führen, da sein Weg von seinen Karmas vorgezeichnet ist. Bringt er dafür nicht die nötige Bereitschaft mit, kann ihn niemand dazu bewegen, seinen Kurs zu ändern.

Wenn wir aber in diesen Fällen nichts für andere tun können, gibt es dann gar keine Möglichkeit, ihnen zu dienen? Mehr zu dieser Frage abschließend beim nächsten Mal.

Soami Divyanand

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