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Echte und umfassende Selbsterkenntnis setzt eine Transformation des Menschen auf allen Ebenen seines Seins voraus – in seinem Denken, Fühlen, Wollen und Handeln. Das beste Werkzeug dafür ist die Meditation, und der beste Weg dahin ist die Liebe.

Transformation durch Meditation

Strenggenommen ist die Aussage „Transformation durch Meditation“ ein Widerspruch in sich, und dennoch vermittelt sie eine Vorstellung davon, was Meditation bewirken kann. Transformation im eigentlichen Sinne geschieht nicht „durch“ etwas. Wenn, dann tritt sie „aus sich selbst heraus“ ein – spontan.

Denn würde man die Transformation „durch“ etwas bewirken, dann wäre sie begrenzt und ihr Eintreten hinge von einer Ursache als Bedingung ab. Wahre, grundlegende und beständige Transformation ist ursachenlos und sie kann jederzeit geschehen.Aber natürlich ist die Meditation eine Hilfeleistung, die einen Impuls im menschlichen Geist auslösen kann, eben um der Kraft der Transformation die Möglichkeit zu geben, aus ihrer eigenen Quelle herauszusprudeln. Aber wir wollen hier nicht zu engstirnig in der Definition sein, sondern zunächst die Meditation ins rechte Licht rücken und verstehen.

Schritte zur Meditation

Was ist überhaupt Meditation? Wo beginnt sie, wann oder besser: wie wird sie eingeleitet? Und wie geschieht die Überleitung in die Transformation? Aus meiner Erfahrung als Kriya-Yoga-Praktizierender und –Lehrer heraus kann ich sagen, dass es eine klare Linie, einen klaren Weg gibt, der die Meditation einleitet und durch ineinander übergehende, also anknüpfende Etappen verläuft wie folgt:

1. Konzentration

Es bedarf zunächst einer hohen Konzentration, um die gewaltige Gravitation der Gedanken, die unbändig im menschlichen Geist umher spuken und Wünsche erzeugen, zu zähmen. Dies gelingt nicht etwa durch einen Gewaltakt, sondern vielmehr durch die ständige Observation der Natur des Geistes (gemeint ist das Denkorgan), der dann in sich zusammenfällt und sich als trügerisch erweist, wenn man zum zweiten Schritt übergeht, zur Kontemplation.

2. Kontemplation

Wenn die Observation der Gedanken immer mehr Gewicht und Kraft erhält und sich dadurch eine Energetik des Willens aufbaut, gemischt mit der Hingabe, die Leerheit zu erfahren, dann beginnt der menschliche Geist wahrlich, zu betrachten was ist. In diesem Sinne ist Kontemplation ein geistiges Eintauchen. Und indem man mit Ruhe diesen Beobachtungsraum erzeugt und eins mit diesem Raum wird, entsteht eine Art Vakuumhülle die, wenn sie sich schließt, es einem erlaubt, zum nächsten Schritt überzugehen, der Intuition.

3. Intuition

Die Intuition ist wohl das größte Werkzeug, das Gott dem Menschen verliehen hat. Sie befähigt uns, über den Verstand hinaus zu gehen und das Selbst zu erkennen. Die Intuition eröffnet sich immer dann, wenn wie zuvor erwähnt ein kontemplierter Beobachtungsraum erzeugt wird und dieser vollkommen aufgeht, sodass dann eine Erweiterung des Raumes möglich ist. Die Intuition ist in diesem Stadium zunächst nur ein Werkzeug, mit dem man diffus erfahren kann was ist, aber im weiteren Verlauf der fortgeschrittenen Meditation explodiert sie im wahrsten Sinne des Wortes und leitet über in das Absolute.

4. Meditation

Meditation ist die allumfassende Wahrnehmung dessen was ist. Oder besser ausgedrückt: Meditation ist die allumfassende Erfahrung dessen, was ist und zugleich nicht ist. Meditation beginnt da, wo das Denken, das Tun, das Wollen und das Wünschen aufhören. Es ist der Zustand der Leere, die zugleich die Fülle ist. Das „Nichts“ gepaart mit dem „Alles“ zu erfahren, als der höchste aller Zustände, der sich höher und höher und höher und weiter und weiter und weiter ausdehnt. Ich würde die Meditation in diesem Sinne als den Zustand der ständigen, nimmer endenden Erweiterung bezeichnen. Viele spirituelle Lehrer betiteln dies als den Zustand des „Eins-seins“. Ich würde mit einem kleinen Wortspiel sagen, es ist eher der Zustand des „Null-seins“.

Die fünf Körper des Menschen

Wenn wir nun von Erweiterung, von Ausdehnung sprechen, dann kann diese nur geschehen, wenn wir zuvor unsere Grenzen durchbrochen und überwunden haben. Im Sanskrit nennt man diese Begrenzungen auch „Maya“, der Schleier der Unwissenheit. Es geht also darum, ein Mysterium zu entschleiern, zu enthüllen.

Nach der indischen Yogaphilosophie ist das Mysterium des Selbst von fünf Schichten oder „Körpern“ (Koshas) umhüllt. Diese Information erweist sich als bedeutsam für all diejenigen, die mittels der Meditation Transformation erfahren wollen. Um dies besser zu verstehen, beschreiben wir zunächst die fünf Hüllen:

• Annamaya Kosha:

Die erste Hülle ist die grobstoffliche Hülle, der physische menschliche Körper, der sich aus Nahrung (Anna) bildet und in dem die fünf Elemente Feuer, Wasser, Erde, Luft und Äther wirken.

• Pranamaya Kosha:

Die zweite Hülle ist die Energiehülle. Sie durchtränkt den menschlichen Körper mit Lebensenergie. Alle Nerven und Körperorgane werden belebt von Prana (Lebenskraft).

• Manomaya Kosha:

Die dritte Hülle ist die Mentalhülle. Gedanken und Emotionen samt Wünschen und Träumen – Manas – bilden zusammen den gefühlten Menschen.

• Vijnanamaya Kosha:

Die vierte Hülle ist die Intuitionshülle. Ihre Natur ist die unterscheidende Weisheit. Diese verhilft dem Menschen dazu, bewusst und klug zu handeln.

• Anandamaya Kosha:

Die fünfte Hülle ist die Seligkeitshülle. Diese zeigt uns den Zustand des Seins auf und gibt uns die Möglichkeit, Gottesbewusstsein zu erfahren.

Diese fünf Koshas verhüllen und begrenzen das innewohnende Selbst, auch Jiva-atma genannt. Gleichzeitig stellen sie den fühlenden Menschen als göttliches Lebewesen in seiner allumfassenden Komplexität dar.

Gelassenheit und Leichtigkeit

Ziel des Lebens ist es, Hülle um Hülle zu durchdringen und dadurch zur Selbsterkenntnis vorzudringen. Dieser Vorgang beschreibt im eigentlichen Sinne „den Weg zurück zur Quelle“.

Sicherlich ist es von Vorteil, zunächst alle Hüllen miteinander in Einklang zu bringen, auf dass sie harmonisch miteinander schwingen. Dies macht einen ausgeglichenen spirituellen Menschen aus: er ist bis in jede Faser seines Seins durchdrungen von Prana, der Lebenskraft Gottes.

Konkret gesehen dient uns als praktische Anleitung für diesen Umwandlungsprozess natürlich die Meditation. Wer täglich meditiert, erfreut sich im besten Fall einer ständigen Erweiterung seines Bewusstseins, welche den innersten Wesenskern anvisiert. Und mit jeder Wiederholung werden die begrenzenden Hüllen bzw. Schleier des wahren Selbst durchlässiger, so dass das wahre Selbst zunehmend stärker in unserem Denken, Fühlen und Handeln in Erscheinung tritt und tonangebend wirkt. In der Folge erfreut man sich eines gelassenen Gemüts, einer inneren Leichtigkeit sowie einer verbesserten Konzentrations- und Urteilsfähigkeit im Alltag. Diese Leichtigkeit des Seins bringt nur Vorteile mit sich, wenn es darum geht, möglichst frei von Begierden zu sein. Das innere Glück herrscht in diesem Stadium schon sehr stark vor, und deshalb empfindet der Betreffende keine oder kaum noch Anziehung in den Sinnesgenüssen, die sonst doch sehr vereinnahmend sein können.

Harmonie und Ausgeglichenheit

Aber auch hier macht das ausgewogene Verhältnis von Nichtanhaften und achtsam gemäßigtem Genuss den wahren Erfolg eines Suchenden aus. Denn die fünf Hüllen wollen wie erwähnt in vollkommener Harmonie miteinander schwingen, und dazu gehört natürlich eine Lebensweise der Ehrlichkeit gegenüber sich selbst, die alle im Herzen pulsierenden Wünsche mit einbezieht. Nur so kann sich eine wahre Ausgeglichenheit einstellen, die keine Ängste, keine Sorgen, keinen Zorn und keine Unruhe verspürt, weil die zwei Aspekte des Lebens, sowohl der spirituelle als auch der weltliche, berücksichtigt werden.

Transformation setzt also neben der Entgrenzung des Bewusstseins eine gewisse Grundeinstellung zum Leben voraus, damit sie sich entfachen kann. Wer glücklich mit seinem Umfeld sowie glücklich mit sich selbst ist, der kann auch Transformation erfahren. Das hängt viel mit der inneren Harmonie und Balance zusammen, die man herstellt bzw. herstellen sollte, wenn man den spirituellen Pfad geht. Aus diesem Grund ist die Meditation das beste Werkzeug, das dem Menschen zur Verfügung steht, um seine Suche nach der Wahrheit im Inneren, aber auch seine Suche nach der Wahrheit im Äußeren zu beginnen.

Letzteres ist für einen jeden spirituell Suchenden wichtig zu verinnerlichen: Wir können nicht nur den einen Weg egoistisch gehen, sondern wir sollen unsere Liebe überall verstreuen. Denn Liebe ist der Funke, der Transformation entfachen kann.

Innere Ruhe und offenes Herz

Indem wir möglichst regelmäßig meditieren (gerade als in der Welt mitwirkende Menschen), gleichen wir unseren Gefühlshaushalt wunderbar aus. Das ist die wahre Kunst des Lebens: Freude schaffen, Liebe schaffen, und dadurch Harmonie kreieren.

Meditation pendelt die Gefühle so weit aus, auf dass wir uns auf unseren wahren Wesenskern konzentrieren können. Haben wir dies einmal gelernt, erstrahlt unser Selbst nach jeder erfolgreichen Meditation mehr und mehr, als eine völlig in sich ruhende Persönlichkeit. Das kann man als einen spirituell in sich gegründeten Charakter bezeichnen. Charakteristische Merkmale wie innere Ruhe, ein offenes Herz und ein weicher Kern sind eben die ersten Meilensteine, die sich aus einem spirituellen Leben herauskristallisieren.

Transformation ist also immer ein spannendes, unvorhersehbares Geschehen, das man nicht forcieren, aber mit hingebungsvoller Liebe zur Transformation studieren kann. Es ist ein Selbststudium der immerwährenden Achtsamkeit, alle wichtigen Aspekte des Lebens in liebevoller Beobachtung zu verstehen, zu verinnerlichen und zu verwirklichen.

Liebe ist das Schlüsselwort

Fest steht, dass wir nicht phlegmatisch mit unserer Spiritualität leben sollten, wenn wir eine allumfassende Transformation erfahren wollen. Schwerfälligkeit und Teilnahmslosigkeit sind ebenso hinderlich für einen spirituellen Menschen wie Gleichgültigkeit und Hoffnungslosigkeit. Wir brauchen Erfüllung – nein, wir brauchen sie nicht nur, wir sind geschaffen worden, um Erfüllung zu erlangen. Vollkommenheit ist die Natur unseres Selbst, und natürlich kann die Selbsterkenntnis die vollkommene Erfüllung sein, aber Selbsterkenntnis setzt eben eine Transformation voraus.

Welchen Weg wir gehen, ist hier letztlich unbedeutend, solange wir den Weg der Liebe gehen. Liebe bedeutet, Tiefgang zu besitzen. Die Meditation der Tiefe, das Durchleuchten des inneren Reiches mit all seinen Facetten (Hüllen), bringt erst das Licht der Seele hervor, auf dass es für immer erstrahlt und unser Selbst für immer von allen Begrenzungen befreit sein wird.

Liebe ist das Schlüsselwort. Um es auf den Punkt zu bringen, möchte ich Ihnen zum Schluss eine Formel, die die Transformation erwecken kann, mitgeben:

Meditation2 + erwartungsfreie Liebe2 = ursachenlose Transformation = Gnade!

Marcelo Paffenholz (geb. 1973), Leiter der Kriya Yoga Landschule nahe Lüdenscheid, ist ein von der Organisation Hamsa Yoga Sangh zertifizierter Kriya Yoga Lehrer. Bereits in jungen Jahren entwickelte er ein großes Interesse an den Yoga-Wissenschaften Indiens. Nach seiner Einweihung in den Kriya Yoga im Jahre 2003 führte ihn der Weg aufgrund tiefgreifender Erfahrungen in der Meditation und einer großen Liebe zum Kriya Yoga schließlich zu seinem spirituellen Meister Yogiraj Gurunath Siddhanath. Er wurde von Yogiraj Gurunath Siddhanath persönlich zum Lehrer geweiht und autorisiert, den Kriya Yoga im Namen von Shiv Goraksha Babaji (dem Begründer der Linie der Kriya Yoga-Meister) weiterzugeben.

Weitere Infos: www.kriyayogaschule.deǀwww.hamsayoga.de

 H. Marcelo Paffenholz

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