Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

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Ein Leben im Überfluss kostet uns nur Geld, Zeit und Kraft und trägt nichts zu unserem Wohlergehen bei. Ein einfacher Lebensstil dagegen beschert uns einen mühelosen Alltag, ein sorgenfreies Gemüt und Raum für spirituelle Selbstverwirklichung.

Soami Divyanand (1932-2014) verfasste zahlreiche Bücher und lehrte mehr als 35 Jahre den Pfad des inneren Lichts und Klangs, der in allen heiligen Schriften bezeugt ist.

Was ist Einfachheit?

Es gibt einen Weg, um alle menschlichen Laster und Leidenschaften zu überwinden: ein Leben in Einfachheit. Was aber bedeutet Einfachheit? Was macht eine einfache Lebensweise aus? Es gibt keine festen Merkmale, die erkennen lassen: Das ist Einfachheit und das ist Luxus. Denn Einfachheit ist für jeden Einzelnen etwas anderes und hat auch für ein und dieselbe Person nicht immer denselben Stellenwert. Es kann für jemanden heute ein Luxus sein, ein Fahrrad zu besitzen. Zu einem späteren Zeitpunkt ist für ihn nicht einmal ein Auto ein Luxusgegenstand, weil er aus beruflichen Gründen darauf angewiesen ist. Daher lautet die Definition für Einfachheit, auf einen simplen Nenner gebracht: das, was übrig bleibt, wenn man alles Unnötige weg lässt.

Einfachheit ist ein Schritt stein auf dem Weg der Spiritualität. Ihr braucht euch nur darüber klar zu werden, was ihr wirklich braucht. Das gibt euch so viel Selbstvertrauen, dass es euch herzlich wenig kümmert, was andere dazu sagen.

 Einfach oder extrem?

Ein weiteres Beispiel: Wir müssen ein gewisses Maß an Nährstoffen zu uns nehmen, um unseren Körper in gutem Zustand zu erhalten. Man kann aber durchaus mit einer Ernährungsweise gesund und glücklich sein, die pro Tag nur ein paar Euro kostet. Andererseits kann man für ein einziges Essen auch mehrere tausend Euro ausgeben. Dabei muss es keineswegs schmackhafter oder gehaltvoller sein als die preiswerte Variante. Ein solcher Aufwand treibt jedoch unsere Lebenshaltungskosten in die Höhe und dient nur dazu, unser Genuss-Streben, unsere Anspruchshaltung und unser Geltungsbedürfnis zu befriedigen.

Ebenso wie Essen brauchen wir Kleidung, um unseren Körper zu bedecken und vor Kälte, Hitze und anderen äußeren Einflüssen zu schützen. Auch dieser Zweck lässt sich mit wenig Geld erfüllen. Nun gibt es aber Leute, die so modeverrückt sind, dass sie Millionen für angesagte Kleidung und die darauf abgestimmten Accessoires ausgeben: für Designer-Klamotten in dieser oder jener aktuellen Farbe oder für Sommer- und Winter-Ensembles im neuesten Look. Diese Jagd nach dem ultimativen Trend macht das Leben nur unnötig kompliziert und trägt rein gar nichts zu unserem Wohlergehen bei.

 Einfach oder kompliziert?

Sobald wir jedoch eine einfache Lebensweise annehmen, wird unser Alltag ganz unkompliziert. Als ich mich entschied, mein Leben dem Werk meines Meisters Sant Kirpal Singh zu widmen, beschloss ich, nur noch weiße Kleidung zu tragen. Das enthob mich auf einen Schlag der Notwendigkeit, mir zu überlegen, welche Farbe mir wohl besser zu Gesicht stünde, oder ob das eine Outfit nicht doch schöner als das andere sei. Und das Beste war, dass ich nur noch zwei Kleider-Sets benötigte: das eine trage ich, während das zweite in der Wäsche ist. Und ich kann ehrlichen Gewissens sagen, dass in den über dreißig Jahren, in denen ich es so gehalten habe, noch niemand Anstoß an meiner Kleidung genommen hat oder bei meinem Anblick entsetzt das Weite suchte.
Diese Lösung war für mich eine solche Befreiung, dass ich seither nie wieder einen Gedanken an das Thema Kleidung verschwendet habe. Ich musste mir keine Sorgen darum machen, wo ich das nötige Kleingeld dafür herbekommen soll, und sparte mir auch das aufwändige Aussuchen und Anprobieren.

Jemand hat einmal gesagt: „Nichts lässt Kleider so schnell alt aussehen wie die Mode.“ Ich bin schon allerhand Menschen begegnet, die unglaublich viel Zeit mit der Jagd nach dem neuesten Dessin und Design vertun. Dabei werden sie so wählerisch, dass sie mit nichts mehr zufrieden sind. Sie sehen etwas, das ihnen gefällt, fangen umgehend an zu überlegen, ob es für sie passt, und setzen sofort alle Hebel in Bewegung, um es sich zuzulegen.
Das ist nicht nur Zeitverschwendung; es macht ihr Dasein außerdem so kompliziert, dass sie das wahre Ziel des menschlichen Lebens vergessen: Selbst- und Gottverwirklichung.

 Einfach oder mühevoll?

Jesus Christus bezog in der Bergpredigt eindeutig Stellung zum Thema Einfachheit, als er mahnte: „Sorgt euch nicht um euer Leben, um das, was ihr essen werdet, oder um euren Leib, um das, was ihr anziehen werdet“ (Mt 6,25). Wir sollen unsere Aufmerksamkeit also nicht mit Fragen belasten, die unseren Lebensunterhalt betreffen. Denn für Nahrung, Kleidung und die Möglichkeit, uns beides zu verschaffen, hat Gott bereits vorgesorgt. Und ich füge hinzu: Ihr mögt euch anstrengen, wie ihr wollt – es wird euch nicht gelingen, irgendetwas an dem zu ändern, was für euch vorherbestimmt ist. Dabei vergeudet ihr nur Kraft, Zeit und Geld mit etwas, das von vorn herein zum Scheitern verurteilt ist.

Ist es da nicht besser, unsere Lebensführung Gott zu überlassen? Dann brauchen wir uns darüber nicht den Kopf zu zerbrechen und sind alle damit verbundenen Sorgen los. Dadurch wird alles ganz einfach. Jesus Christus gab den Aposteln auch ganz genaue Anweisungen für eine einfache Lebensweise mit auf den Weg.
Wer ist ein Apostel? Ein Bote, der von Gott gesandt ist, um dem spirituellen Pfad zu folgen und noch im gegenwärtigen Leben Vollkommenheit zu erlangen. So gesehen sind wir alle Apostel Jesu Christi. Ein erfolgreiches Leben bedeutet für uns, diesen göttlichen Auftrag zu erfüllen.
Beim Streben nach immateriellen Idealen sehen wir, dass Einfachheit als Lebensstil uns Zufriedenheit, Gelassenheit und mehr Sorgenfreiheit schenkt. Einfachheit bedeutet, das Unwichtige wegzulassen.

 Sorglos leben

Welche Lebensweise uns dabei unterstützt, erläutert Jesus Christus so: „Verschafft euch weder Gold noch Silber noch Kupfermünzen in eure Gürtel...“ (Mt 10,9) Das heißt: Hortet kein Geld für die Zukunft. Wir aber sparen uns Rücklagen für spätere Zeiten an, von denen wir nicht einmal wissen, ob wir sie überhaupt erleben werden. Und Jesus Christus ergänzt: „...auch keine Reisetasche, auch nicht zwei Röcke, weder Schuhe noch Stab. Denn der Arbeiter ist seiner Nahrung wert.“ Das heißt: Ein jeder bekommt auch so, was er zum Leben braucht.
Diese Richtlinien lassen keinen Raum für Unklarheiten. Wenn wir aus diesem Blickwinkel unser eigenes Leben überprüfen, können wir ermessen, wo wir stehen. Dann geht uns auf, wie viele Kleidungsstücke wir besitzen, wie viel Geld wir angehäuft haben, wie viel Zeit und Umstände uns das kostet und welchen Einfluss es auf unser Denken hat. Nehmen wir hingegen eine einfache Lebensweise an, fallen diese Sorgen und Belastungen von uns ab, und in unser Denken kehrt Ruhe und Frieden ein.
Einfachheit macht unser Leben leicht und mühelos. Auch das Ziel des Lebens ist dann problemlos zu erreichen. Ihr braucht nicht mehr zu überlegen, welche eurer Besitztümer ihr wann gebrauchen sollt. Ihr braucht euch nur noch zu entscheiden, was davon ihr unbedingt benötigt und auf was davon ihr gut und gern verzichten könnt.

  Vertrauensvoll leben

Und wenn ihr einmal Klarheit über eure Bedürfnisse gewonnen habt, gibt euch das so viel Selbstvertrauen, dass es euch herzlich wenig kümmert, was andere über euch reden. Denn eines kann ich gar nicht oft genug betonen: Euer Selbstvertrauen ist euer bester Freund. Nichts und niemand auf der Welt kann euch unglücklich machen, es sei denn euer eigenes Unvertrauen in euch selbst.
Darum lebt einfach! Gebt nichts auf das Gerede der Leute! Keinem steht es zu, über euch zu richten, nur Gott allein. Sein Urteil stimmt immer und teilt sich eurer Seele durch das Selbstvertrauen mit, aus dem heraus ihr handelt. Aus diesem Grunde heißt es: Einfachheit ist ein Schrittstein auf dem Weg der Spiritualität.

Soami Divyanand

FOTO: Thinkstock

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