Magazin Visionen - Einfach. Besser. Leben.

Visionen

vis header 03 18

Tod, Sterben und das Aufwachen

Die meisten Menschen verdrängen die Gefühle von Angst, die mit der Auseinandersetzung mit dem Thema Tod und Sterben, dem eigenen oder dem uns naher Menschen, verbunden sind. Und verpassen damit die große Chance, durch diese Begegnung eine tiefe innere Wahrheit und einen Schatz zu entdecken, der unter der Angst und der Begrenztheit unseres physischen Lebens liegt: Stille, Leere, Freude und Aufwachen.

Wenn nichts geschieht, überfällt uns Langeweile als eine nervöse Unruhe. Wenn wir ihr auf den Grund gehen, entdecken wir die Angst vor dem Nichts, vor der inneren Leere, weil uns das Nichts an den Tod erinnert. Es ist die Angst vor Unbekanntem und Kontrollverlust. Wenn ich mich dann nach innen wende und in den inneren Abgrund sinken lasse, begegne ich der Angst vor der Bodenlosigkeit und der Auflösung in der grenzenlosen Leere.

Mit dem ununterbrochenen Denken und Handeln verdrängen wir diese Angst vor dem Nichts und vor dem Tod. Weil wir jedem Augenblick mit Erwartungen und Wünschen begegnen, weil wir in jedem Augenblick „wissen wollen“ was geschieht, stehen wir der Spontaneität und unserer eigenen Lebendigkeit im Weg, auch wenn wir diese Angst verdrängen. In jedem Augenblick sind wir sowohl mit der Fülle als auch mit der Begrenzung des Lebens konfrontiert: mit der Begrenztheit unserer Kraft, der Begrenztheit des Tages, der Begrenztheit jeder Begegnung – jeder Abschied sei ein bisschen Sterben, heißt es. Wird diese Begrenztheit immer wieder verdrängt, wird das Leben nicht voll gelebt und genossen. Erst die vollständige Annahme des Todes ermöglicht wirkliches Leben.

Christian Meyer

FOTO: Thinkstock

Wir hoffen, Sie finden diese Vorschau auf den Artikel aus dem Magazin VISIONEN interessant! Es würde uns sehr freuen, Sie als neuen Abonnenten des Magazins begrüßen zu dürfen.

Heft bestellen

nach oben