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Visionen

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Die spirituelle Übungspraxis, meisterhaft erklärt

„Auf dem spirituellen Pfad ist es unverzichtbar, regelmäßig zu meditieren. Hütet euch aber davor zu glauben: Nur viel hilft viel. Jede einzelne Minute, die ihr in Meditation seid, ist ein großer Segen und in ihrer Wirkung nicht zu unterschätzen.“

Soami Divyanand (1932-2014), Veden-Übersetzer und Autor zahlreicher Bücher, lehrte mehr als 35 Jahre den Pfad des inneren Lichts und Klangs, der in allen heiligen Schriften bezeugt ist.       

Fortlaufend praktizieren

 Die Grundlagen des Buddhismus sind in einer Schrift namens Dhammapada dargelegt. Das heißt soviel wie „das Wesen der Religion“ bzw. des Ewigen Gesetzes. In Vers 168 findet sich das Wort uthist, das gewöhnlich mit „Steh auf!“ übersetzt wird. Im spirituellen Sinne bedeutet es jedoch, sich in der Meditation über die physische Ebene zu erheben (vgl. auch Ps 119,62; 3,6; 25,1; 9,14 bzw. „Was meinte der Buddha?“, Oktober-Heft). Dabei lösen wir unsere Seele vom Körper und erkennen, dass wir etwas davon Verschiedenes sind.

 Weiterhin heißt es im Dhammapada sinngemäß: „Tut dies fortlaufend und versäumt es nicht einen Tag.“ Beim Übersteigen des Körperbewusstseins verbinden wir uns (am so genannten zehnten Tor, das jenseits der neun Sinnesöffnungen in der Mitte der Stirn verborgen ist) mit der Gotteskraft. Dies sollten wir regelmäßig praktizieren, an jedem einzelnen Tag. Es sollte nicht so sein, dass wir diese Erfahrung an einem Tag haben und dann die Meditation wieder vernachlässigen. Sie braucht auch gar nicht stundenlang zu dauern. Wir sollten ihr nur jeden Tag wenigstens ein paar Minuten widmen.

Innen angebunden bleiben

Das ist so, als würden wir eine telefonische Standleitung zu Gott einrichten, über die wir dann jederzeit bei Bedarf seine Botschaften empfangen können.

 In der Bibel wird der Vorgang, bei dem die Seele sich aus dem Körper erhebt, als „täglich sterben“ beschrieben (vgl. 1 Kor 15,31). Denn die Seele nimmt dabei denselben Weg wie in der Stunde des Todes, wenn sie sich aus den Körper erhebt, um ihn endgültig zu verlassen. Genau dies sollten wir nach den Worten des Buddha jeden Tag tun. Es ist daher unverzichtbar, feste Zeitspannen für unsere spirituellen Übungen einzuräumen bzw. regelmäßig zur Meditation zu sitzen. Ein weiterer Weg, um die Verbindung mit Gott aufrecht zu erhalten besteht darin, seine Aufmerksamkeit unablässig bei ihm zu haben und ihn ständig im Sinn zu bewahren.

Wer fortlaufend meditiert, lebt glücklich, da er nicht mehr leidet, und zufrieden, da sein Gemüt zur Ruhe gefunden hat – und das nicht nur in dieser Welt, sondern auch nach dem Tod.     

Ein unschätzbarer Gewinn

Und was gewinnen wir dabei? Auch das verrät uns der Dhammapada: Auf diese Weise bauen sich nach und nach die Hüllen aus karmischen Eindrücken ab, die unsere Seele umschließen und uns daran hindern, die Wahrheit zu erkennen. Der buddhistische Begriff für „Wahrheit“ lautet „Dhamma“. Dhamma oder die Wahrheit ist das, was sich niemals wandelt, solange das Universum besteht. Mit jedem Tag, an dem wir unsere Meditationsübungen praktizieren, lichten sich die karmischen Hüllen um unsere Seele ein wenig mehr, und die Vortrefflichkeit unserer Seele tritt immer klarer zutage. Im Dhammapada steht dazu sinngemäß: „Jede einzelne Minute, die ihr an den Gottmenschen (bzw. den Buddha) denkt, ist ein großer Segen und löscht viele eurer Verfehlungen aus.“ Hütet euch also davor zu glauben: „Nur viel hilft viel.“ Auch eine kurze Meditation von ein oder zwei Minuten ist in ihrer Wirkung nicht zu unterschätzen.

Das Dhammapada nennt noch einen weiteren Vorteil, den wir aus der täglichen Meditationspraxis ziehen: „Wer dem Pfad der Meditation folgt, lebt glücklich in der Welt.“ Fünf Leidenschaften schaffen uns in diesem Leben Leid: die Lust auf weltliche Annehmlichkeiten, Vergnügungen und Zerstreuungen; der Ärger über alles, was unseren Bestrebungen im Wege steht; das unstillbare Verlangen, unsere Wünsche dennoch erfüllt zu bekommen; der Stolz darauf, sie aus eigener Kraft verwirklicht zu haben, und die Bindung, die wir dadurch an sie entwickeln. Wenn wir im Inneren göttliche Offenbarungen erfahren, büßen diese fünf Leidenschaften ihre Wirkung ein und können die Seele nicht länger gefangen halten.

Ein zweifacher Segen

Darum heißt es: „Mit jedem Schritt, den ihr dem Meister entgegen geht, löscht er eine Vielzahl eurer früheren Sünden aus.“ Dieser Vorgang beginnt in dem Moment, wo wir der Welt den Rücken kehren und uns Gott zuwenden.

Wer dem Pfad der Meditation folgt, empfängt daraus somit doppelten Segen: Er lebt glücklich, da er nicht mehr leidet, und voller Seelenfrieden, da sein Gemüt zur Ruhe gefunden hat. Und dieser Zustand hält nicht nur in dieser Welt an, sondern auch nach dem Tod, im nächsten Leben. Denn was wir in diesem Leben gewonnen haben, geht beim Tod nicht verloren, sondern begleitet unsere Seele in die folgende Inkarnation. Dort schreiten wir von derselben Stufe aus fort, die wir zuvor erreicht haben. Mehr dazu beim nächsten Mal.

Soami Divynanad

FOTO: Thinkstock

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