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Visionen

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Eine Erzählung von Kerstin Werner

„Dieses Jahr wird unsere Wanderung ein Abenteuer“, eröffnete der Wanderführer die Vorstellung seiner Tour, die er jedes Jahr im Frühjahr für 30 Wanderer organisierte. Er hatte entschieden, eine Bergwanderung durchzuführen, auf den sogenannten Lebensberg. „Viele behaupten, dass kaum jemand diesen Berg bis zum Ende schafft, aber man weiß nichts Genau- es, denn die Menschen, die ihn bestiegen haben, sprechen nicht über das, was ihnen widerfahren ist“, sprach er weiter.

Über das, was ihnen widerfahren ist“, sprach er weiter. Ein Wanderer hakte sofort ein: „Da gehe ich nicht mit. Wenn so viele andere den schon nicht erklommen haben, wie soll mir das dann gelingen? Ich bin eh immer so schnell aus der Puste!“

Ein anderer sagte: „Ihr kennt mich ja schon. Ich bekomme Angst, wenn ich nicht weiß, wohin der Weg führt. Abenteuer mag ich nicht. Dann bleibe ich lieber im Tal. Da kenne ich mich wenigstens aus!“ Es gab unterschiedliche Stimmen, aber die meisten hatten entschieden, sich auf diesen Weg einzulassen.

Am Tag der Wanderung richtete der Bergführer zu Beginn folgende Worte an die Gruppe: „Auf dieser Wanderung habt ihr viel Freiraum. An den Stellen, wo runde rote Schilder stehen, sammeln wir uns. Eine Bitte hätte ich jedoch: Wenn ihr nicht weiter wisst oder irgendwelche Hindernisse auftauchen, sprecht mit mir. Ich kenne die Gefahren auf dem Weg. Markiert nicht den Starken, sondern zeigt eure Schwächen und bittet um Hilfe! Es ist völlig okay, mal nicht weiter zu wissen.“

Dann marschierte die Gruppe los. Der Berg war steil und steinig. Nach einer Stunde herausfordernder Wanderung gelangten alle an den zweiten Sammelpunkt. Ein Wanderer fragte erschöpft: „Wie weit ist der Weg noch? So langsam bezweifele ich, dass ich weiter mitgehen möchte. Noch nie bin ich so ziellos durch die Gegend gewandert. Bisher war immer klar, was uns beim Wandern erwartet, aber dieses Mal ist es anders. Auf ‚nichts‘ zuzusteuern löst in mir Unwohlsein aus! Müssen wir anschlie- ßend zu Fuß runter? Wieso erfahren wir nicht, wie es weitergeht?“

 Kerstin Werner

FOTO: Thinkstock

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