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Recht auf Wasser

VISIONEN-Gespräch mit der kanadischen Öko-Aktivistin und Bürgerrechtlerin Maude Barlow

Die UN hat 2010 Wasser als Menschenrecht in einer Resolution verankert. Keinen Tag zu früh, meint Maude Barlow. Die Kanadierin war eine der ersten, die bereits vor nunmehr drei Jahrzehnten auf den weltweit viel zu hohen Wasserverbrauch aufmerksam machten. Seitdem kämpft sie unermüdlich gegen die Privatisierung lokaler Reservoirs und setzt sich weltweit für den freien Zugang zu Frischwasser ein. Maude Barlow sieht nicht nur die Marktmacht großer Konzerne kritisch, sie weiß auch, dass der Weg zur Umsetzung des Rechts auf Wasser noch ein sehr weiter ist. Ein Gespräch mit unserer Autorin Claudia Hötzendorfer.

In der Schule haben wir gelernt, durch den natürlichen Kreislauf des Wassers könne das Reservoir der Erde nie wirklich versiegen, weil es sich praktisch immer selbst regeneriert.

Leider wird diese Annahme nach wie vor unterrichtet. Tatsächlich haben wir eine bestimmte Menge Frischwasser auf diesem Planeten und es stimmt, dass es sich durch den hydrologischen Kreislauf wieder regeneriert. Wenn wir allerdings in die lokalen Wasserkreisläufe eingreifen, beispielsweise indem wir einer Quelle zu viel Wasser abzapfen oder so viel Grundwasser verbrauchen, dass es sich selbst nicht wieder regenerieren kann, dann steuern wir auf eine Wasserkrise zu. Ein weiterer Aspekt steht in Verbindung mit der Vernichtung von Vegetation. Denn durch Rodung und Planierung hat der Regen keine Chance mehr, in ausreichender Menge zu fallen.

Können Sie das an einem Beispiel verdeutlichen?

Nehmen wir Brasilien, ursprünglich eines der Länder mit dem größten Vorkommen an Frischwasser weltweit. Inzwischen hat es den schlechtesten Wert an Frischwasser seit Beginn der Aufzeichnung. Eine Stadt wie Sao Paulo liegt buchstäblich auf dem Trockenen. Binnen eines Jahres hat sich die Situation dort durch die Verschmutzung des Amazonas dramatisch verschlechtert. Niemand stellt sich die Frage, welche Auswirkungen es auf den Wasserhaushalt einer Region hat, wenn beispielsweise der Regenwald abgeholzt wird. Denn durch die Rodungen wird der Kreislauf so gestört, dass die Folgen für die Regenmengen verheerend sind und ganze Regionen austrocknen.

Was hat es mit dem Begriff virtuelles Wasser auf sich und warum ist es so wichtig, dass dessen täglicher Verbrauch in einem Haushalt unbedingt berücksichtigt werden muss?

Je urbaner und konsumorientierter wir leben, desto höher ist auch unser Wasserverbrauch. Denn Wasser steckt in allem. Wir brauchen Wasser, um Computer, Autos oder Kleidung herzustellen. Da dies aber nicht so offensichtlich ist, spricht man von virtuellem Wasser. Alles was wir konsumieren hinterlässt einen Wasserabdruck, der sehr viel größer ausfällt als der Verbrauch durch Duschen, Baden, die Toilettenspülung oder in der Küche. Als Faustregel können Sie davon ausgehen, dass der virtuelle Wasserverbrauch zehnmal höher ist als das, was Sie aus dem Hahn kommen sehen.

Claudia Hötzendorfer

FOTO: Thinkstock

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