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Visionen

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Die Reise der Seele in ihre Heimat

Jenseits der Körpersinne liegt eine spirituelle Welt voll göttlichen Lichts, das die Seele erfüllt und stärkt

Spiritualität ist das praktische Wissen von der Seele, ihrer Beziehung zu Gott und ihrer Rückkehr zu ihm. Der vollendete Meister Jesus Christus hat diesen spirituellen Weg klar definiert: Gott ist Geist, und die Ihn anbeten, müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten (Joh. 4, 24).

Gott hat die Welt erschaffen und die Seelen aus sich selbst hervorgebracht und sie in die Welt hineingestellt. Unsere Seele ist ihrem Wesen und Ursprung nach ein Teil von Gott, wie es in der Bibel heißt: Gott schuf den Menschen nach Seinem Bilde (Genesis, 1.27). Da die Seele ein Teil des Allmächtigen ist, kann sie in dieser Welt keine wirkliche Freude finden. Solange sie von Gott getrennt ist, bleibt die Seele unglücklich und rastlos und hat das Verlangen, sich wieder mit Gott zu vereinen.

Reise ohne Gepäck

Was braucht die Seele, um die Rückkehr zu Gott zu bewerkstelligen? Als erstes müssen wir verstehen, dass die spirituelle Reise im menschlichen Körper beginnt, und nicht außen an irgendwelchen besonderen Orten. Dieser menschliche Körper ist der eigentliche Tempel Gottes ist, weil Gott selbst quasi neben der Seele im menschlichen Körper residiert und wir ihm darin begegnen können – in der Meditation. Der menschliche Körper ist eine vorübergehende Behausung der Seele, ihr letztendliches Zuhause ist Gott. Wir können aber bereits zu Lebzeiten in unsere wahre endgültige Heimat zurückkehren, indem wir uns in unserem „Seelenhaus“ von den äußeren Dingen nach innen zurückziehen und in der Seele zu Gott aufsteigen. Zweitens bedarf es eines zuverlässigen
Reisebegleiters, der diesen Weg in die spirituelle Heimat der Seele in- und auswendig kennt und in der Lage ist, andere Seelen mit Gott zu verbinden. Man  braucht einen spirituellen Meister, der erstens selbst Gott vollumfänglich verwirklicht hat und der zweitens von Gott beauftragt ist, anderen als spiritueller Reiseführer zu dienen.

Gott zeigt sich selbst

Drittens ist es wichtig, zwischen dem bloßen Denken über Gott einerseits und dem Erleben von Gott in seinen wahren Formen andererseits zu unterscheiden. Wir Menschen können Gott erfahren, weil er sich selbst der Seele zeigt: Gott ist zum einen der absolute, stille, verborgene Gott, und zum anderen ist er der  aktiv wirkende Gott, der seine Kraft ausfließen lässt und in verschiedenen Formen manifestiert oder offenbart.
Alles, was wir über Gott denken, sind nur ungenügende Konzepte und Ideen unseres eigenen Verstandes. Gottes wahre Formen hingegen sind diejenigen, die Er selbst der Seele offenbart, und dies tut Er mitunter in Form von (geistigem) Licht. Für die Begegnung mit Gott ist es erforderlich, dass wir unseren denkenden Verstand mit all seinen Inhalten beiseitelassen. Statt unsere Aufmerksamkeit auf selbsterfundene Vorstellungen von Gott zu richten, schauen wir auf die wahren Formen Gottes, die der Seele unter anderem auch göttliche Weisheit eingeben.
Wenn wir unsere Aufmerksamkeit nach innen wenden und in der Meditation in Verbindung mit Gott kommen, erfahren wir als Erstes göttliche Offenbarungen in Form von Licht. Hat das göttliche Licht in seinen verschiedenen Ausprägungen seine Aufgabe an der Seele erfüllt, geht es in die göttlichen Klangoffenbarungen über, und diese führen uns zu den noch höheren Offenbarungsformen, die in der Bibel als das WORT Gottes bezeichnet werden (Sanskrit: soma).
Im WORT wirken die Licht- und Klangformen Gottes zusammen; es besteht aber nicht nur aus göttlichem Licht und Klang, sondern ist noch etwas mehr. Das WORT wird auf zwei Arten und Weisen in der Meditation erfahren: zum einen als manifeste Formen von Licht oder Klang, zum anderen als nicht-manifeste Form, die wir als Glückseligkeit erleben.

Etappen der spirituellen Reise

Der Aufstieg der Seele in die spirituelle Heimat ist in verschiedene Etappen oder Ebenen unterteilt: Die erste Ebene wird vom göttlichen Licht regiert. Auf der ersten Ebene erfahren wir alle zwölf unterschiedlichen Arten von Visionen oder Offenbarungen in Form von Licht. Auch die Vision des spirituellen Meisters  gehört dazu.
Wenn wir zur zweiten Ebene fortschreiten, erfahren wir elf Offenbarungsarten des Klangs. Dort gibt es kein göttliches Licht. Es kann vorkommen, dass wir uns beim Aufstieg von der ersten zur zweiten Ebene verloren fühlen, weil uns das Licht, an dem wir so viel Freude hatten, abhanden gekommen ist  und wir hier „nur“ göttliche Klangoffenbarungen erleben. Der eine oder andere denkt, dass sein Fortschritt gehemmt sein könnte, weil sie auf einmal kein Licht von Gott mehr sehen. In Wahrheit aber stellt es einen spirituellen Fortschritt dar, wenn wir anstelle der Lichtoffenbarungen den göttlichen Klang hören. Diese zweite Ebene wird sunn (Sanskrit shunya: leer) genannt.
Die dritte Ebene ist maha sunn, die von sehr tiefer Dunkelheit gekennzeichnet ist und deshalb auch „die große Leere“ genannt wird. Dort werden wir vom WORT geführt. Und wenn wir beim Überqueren dieser dritten Ebene in der Meditation kein göttliches  Licht noch göttlichen Klang mehr wahrnehmen, so erfahren wir im Innern doch Glückseligkeit. Weil wir zunehmend mit Glückseligkeit gesättigt sind, hängen  wir nicht mehr an weltlichen Dingen und empfinden sie als lästige Ablenkungen von der inneren Freude.
Indem wir also Meditation praktizieren, erfahren wir zunächst das Licht Gottes und dann den Klang Gottes und als nächstes innere Seligkeit. Wenn wir diese dritte Stufe erreicht haben, können wir sagen, dass unsere reguläre Übungspraxis abgeschlossen ist, was aber nicht heißt, dass wir schon vollkommen wären.

Spontane Klänge und Düfte

Nachdem wir in der Obhut des spirituellen Meisters die dritte Ebene überquert haben, erreichen wir die vierte Ebene, über die der „Gottmensch“ herrscht. Mit dem Begriff „Gottmensch“ ist hier nicht ein bestimmter Mensch aus Fleisch und Blut gemeint, sondern eine rein spirituelle Instanz, nämlich die Gesamtheit
der aktiven Formen Gottes, wie sie durch einen vollendeten spirituellen Meister oder Gottessohn wirken.
Auch die Gottesoffenbarungen dieser Stufe geschehen auf zweierlei Art: zum einen als manifeste Formen und zum anderen nicht-manifest oder formlos. Zu den manifesten Formen dieser vierten Ebene  zählt unter anderem, dass wir in unserer Seele mit dem automatischen, sich spontan von selbst offenbarenden göttlichen Klang gesegnet sind. Wir hören ihn,  ohne zur Meditation zu sitzen, z.B. beim Kochen, Einkaufen oder Schlafengehen. Angenommen, wir wollen Gott vergessen und uns mit irgendwelchen  diesseitigen Dingen vergnügen und auf einmal hören wir den spirituellen Klang Gottes. Der göttliche Klang wird dann unsere Aufmerksamkeit von dem  ablenken, was wir gerade auf der Ebene der materiellen Welt vorhatten, und uns stattdessen nach innen und nach oben lenken und mit innerem Glück sättigen.  Dies ist der göttliche Klang, der von selbst kommt, ob wir es wollen oder nicht.
Genauso gibt es auch das von selbst erscheinende göttliche Licht, sei es dass wir irgendwo unterwegs sind und auf einmal ein strahlendes Licht oder Licht an einer bestimmten Stelle sehen oder mit offenen Augen eine Vision haben.  Eine weitere Form dieser automatischen, spontanen Gottesmanifestation kann auch dergestalt geschehen, dass wir auf einmal einen sehr schönen Duft  wahrnehmen.
All dies sind Manifestationen der Kategorie des Gottmenschen auf der vierten Ebene. Die einzige Möglichkeit, wie wir diese Offenbarungen erlangen können und wie sie mehr werden können, liegt in der Liebe zum Gottmenschen und der Hingabe an ihn. Wegen der hartnäckigen Einmischung des denkenden Gemüts
fällt das zwar niemandem leicht, aber es gibt keinen anderen Weg außer der Hingabe, um diese Manifestationen zu vermehren. Erst wenn wir das Diktat  unseres Gemüts, das an die Dinge der materiellen Welt gebunden ist, überwunden haben, können wir Liebe für Gott in seiner Gottmensch-Form empfinden. Alles, was der lebende Gottmensch (Gott in der Inkarnation) tut und sagt, ist uns dann lieb.

Der See der Glückseligkeit

Auf der vierten spirituellen Ebene, auf der wir immer noch in der Entwicklung zum Wahren Menschen stehen, gibt es eine weitere Form des Gottmenschen, eine nicht-manifeste Form. Diese göttliche Offenbarungsform kommt an dem Tag, an dem wir in den sogenannten Mansarovar eintauchen. Es gibt zwei  Zustände auf der vierten Ebene: Wir können dort ein, sind aber noch nicht in den Mansarovar eingetaucht; oder wir konnten bereits in ihn eintauchen und  empfinden dann nur noch Liebe für den Gottmenschen.
Diesen Mansarovar dürfen wir uns nicht als einen See mit Wasser vorstellen, in dem wir baden und schwimmen gehen. Er ist vielmehr eine immense  Manifestation des WORTES, wie ein unbegrenztes Meer voller Glückseligkeit, in dem wir uns so vollkommen verlieren, dass all unsere angesammelten  karmischen Eindrücke und Bindungen aus früheren Handlungen gelöscht werden.
Solange wir noch nicht in diesen See der Glückseligkeit eingetaucht sind, fühlen wir uns manchmal unglücklich, aber das „Bad“ bewirkt, dass wir Gott und alles,  was von Ihm gefügt wird, akzeptieren. Wenn wir einmal darin „gebadet“ haben, empfinden wir nur noch Glückseligkeit und können uns gar nicht mehr vorstellen, dass uns irgendetwas unglücklich machen könnte.

In der Einheit leben

Auf dieser Stufe ist das denkende Gemüt zwar noch vorhanden und wirkt noch, es hat aber keine Kontrolle mehr über die Seele. Ein solcher Mensch scheint nach außen hin noch mit dem Gemüt zu handeln und denken, aber er stellt fest, dass eine höhere Kraft ihn bei allem lenkt und dass er keine Wahl hat. Über  diesen Zustand der vollständigen Einheit mit Gott sagt Jesus: Ich und der Vater sind eins. (Joh. 10, 30)
Diese Welt ist nicht unsere Heimat. Wir sind nur hier in  dieser Welt, um unsere Handlungen aus der Vergangenheit auszugleichen. Entschließen wir uns jedoch,  mit der Hilfe eines fähigen Reisebegleiters in unsere wahre Heimat zurückzukehren, so ist es Gott selbst, der in seinen verschiedenen offenbarten Formen unsere Seele zur Einheit mitIhm führt.

Soami Divyanand

FOTO: Thinkstock

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